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Im Gespräch mit Johanna Penz

Art Innsbruck

Anlässlich der 19. ART Innsbruck ist es Messedirektorin Johanna Penz gemeinsam mit MilionArt gelungen eine Sonderschau der Extraklasse mit „Francis Bacon Drawings & Wilhelm Senoner Sculptures“ zu präsentieren. Ein Projekt auf höchstem internationalem Niveau, einmalig im Alpenraum, das zugleich eine neue Ära für die ART Innsbruck einleitet.

Frau Penz, was können die Besucher auf der heurigen ART Innsbruck erwarten und welche zukunftsweisenden Veränderungen bringt die ART Innsbruck 2015 mit sich?

Bei der ART Innsbruck stehen die Zeichen auf Wandel und Veränderung. Neben internationaler Kunst des 20. und 21. Jahrhunderts nimmt die ART Innsbruck ab dem heurigen Jahr auch Kunst und Antiquitäten des 19. Jahrhunderts, in ausgewählten Fällen auch aus älteren Zeiträumen, in ihr Portfolio auf. Damit einhergehend vollzieht die ART Innsbruck gerade die dauerhafte Übersiedlung in die imposante Haupthalle A des Innsbrucker Messegeländes.

Sie sprechen den neuen Standort an – was macht prinzipiell die Lage in der Region Tirol mit Innsbruck für eine Kunstmesse attraktiv?

Der Westen Österreichs und insbesondere Tirol liegt an der Schnittstelle zwischen Nord und Süd, West und Ost, wobei explizit ersteres ziemlich gut spürbar scheint. Die Achse Norddeutschland, Bayern, Tirol, Südtirol, Norditalien war schon in historischen Zeiten eine wichtige und dies scheint sich auch in den Geisteshaltungen und Ansprüchen ausmachen zu lassen. Hier an der Nabe des Rades scheinen sich alle gegensätzlichen Charaktere zu einem ambivalent homogenen Gebilde zu vereinen, was eine ganz spezielle und höchst produktive Spannung zu erzeugen scheint. Der Tiroler an sich zeigt sich als weltoffener Bürger, nicht zuletzt durch den Tourismus und den Zuzug von begüterten Menschen aus allen Teilen der Welt – Roman Abramovic in Igls, Jelena Baturina in Kitzbühel, welche sich hier, in der teilweise tatsächlich noch heilen Welt oder Natur, ohne die Notwendigkeit von Bodyguards wie du und ich fühlen wollen. Diese Ruhe und gleichzeitige Spannung öffnet die Sinne für Kontemplation und Kunst und Kultur. Die allererste ART Innsbruck wurde von den Menschen nahezu gestürmt, was uns in unseren Intentionen bestätigt hat, dass gerade dieser Knotenpunkt Tirol ein ganz wesentlicher für das Kunst- und Kulturleben der ganzen Region in einem Umkreis von 500 km darstellt. Es sind zahlreiche Kulturinitiativen aus dem Anstoß der „Urmutter“ ART Innsbruck entstanden.

Mehr Initiativen im Bereich Kunst& Kultur beeinfl ussen wahrscheinlich auch die Nachfrage; 2014 nahmen 70 Galerien aus 10 Ländern an der Art Innsbruck mit über 18.000 Besuchern teil. Hält dieser Aufwärtstrend an?

Ich sehe mich hier als eine Anhängerin von „Qualität vor Quantität“. Meine Intention war nie, möglichst viele Besucherzahlen zu lukrieren, sondern die richtigen Besucher, also die echten Kunstliebhaber, anzuziehen. Nichtsdestotrotz freuen wir uns über jeden einzelnen Besucher, der die ART Innsbruck besuchen kommt.

Welche neuen Trends am Kunstmarkt wird die Messe heuer den Besuchern zugänglich machen und was sind für Sie ganz persönlich die Highlights dieser Messe?

Die ART Innsbruck war in den vergangenen Jahren sehr puristisch ausgerichte, auf den Zeitraum 1960 bis in die Gegenwart. Im zwanzigsten Jahr unseres Bestehens sind wir mit dem zu Beginn angelegten Konzept an einem Punkt angelangt, wo sich unser Publikum zu Recht neue Impulse und Inspirationen erwartet. Mit der Ausweitung des Portfolios auf Kunst und Antiquitäten des 19. Jahrhunderts folgen wir einem internationalen Trend. Die ART Innsbruck entwickelt sich dadurch zu einer umfassenden Sammlermesse, was gerade dem in krisenhaften Zeiten wachsenden Bedürfnis nach Qualität und dauerhaften Werten entgegenkommt und dem auch im Bereich Kunst immer mehr zu beobachtenden „Crossover“- Einkaufsverhalten. Als persönliches Highlight der ART Innsbruck 2015 möchte ich klar die große Sonderschau Francis Bacon bezeichnen, welche von uns gemeinsam realisiert wird. Zudem freue ich mich auf das Ausstellungssequel des russischen Ausnahmekünstlers Vladimir Valentsov ebenso wie auf das spannende Programm der zeitgenössischen Galerien, jener der klassischen Moderne und die Antiquitäten der ausstellenden Kunsthändler.

Abgesehen von den Highlights muss sich eine Messe immer für Aussteller und Besucher lohnen – was hat die Art Innsbruck in diesem Sinne konkret zu bieten?

Meines Erachtens ist es wichtig, den Interessens- und Geisteshaltungen der Menschen Rechnung zu tragen, aktuelle Trends im Kunstgeschehen einfl ießen zu lassen und gleichzeitig richtungsweisende Strömungen aufzuzeigen. Die Besucher sollen sich auf der ART Innsbruck wohlfühlen, um sich auf spannende Entdeckungsreisen in die Welt der Kunst zu begeben. Allen diesen formulierten Ansprüchen versucht die ART Innsbruck mit Intention, Herz und insbesondere Qualität gerecht zu werden. Die Aussteller treffen auf der ART Innsbruck ein äußerst kunstinteressiertes Sammlerpublikum zur Präsentation neuer Arbeiten ihrer Stammkünstler, zu ersten Auftritten hoffnungsvoller Newcomer und zum Erschließen neuer (Sammler-)Publikumsschichten.

Wie beurteilen Sie – nach so vielen Jahren Erfahrung in diesem Bereich – die Entwicklung des Kunstmarktes, welche Herausforderungen stehen uns bevor?

Kunst ist und wird für die Menschen immer ein unverzichtbarer Teil des Lebens sein, gewissermaßen ein „Lebensmittel“. Gerade in Zeiten großer Umwälzungen wächst automatisch die Sehnsucht wie auch das Interesse nach beständigen Werten und diese werden der Kunst zugeschrieben. Die Grenzen sind immer mehr    fließend und die Verbindung der beiden anscheinend sich ambivalent zueinander verhaltenden Pole der zeitgenössischen und alten Kunst sehe ich als logische Entwicklung am Kunstmarkt und als eine ungemein spannende Aufgabe.

Sie deuten damit schon eine bestimmte Richtung an: Im nächsten Jahr wird die ART Innsbruck 20 und es stehen einige konkrete Neuerungen an oder?

Ja genau, das mittelfristige Ziel wird sicher sein, aufbauend auf den Erfahrungen der Jahre und insbesondere auf dem solide gewachsenen und fest in der internationalen Kunstwelt verankerten Namen der ART Innsbruck als unerschütterliche Basis, eine zweite Messeveranstaltung zu positionieren, um den Jahreskreis abzudecken und alle Ressourcen entsprechend zu nutzen. Langfristig gesehen soll sich diese Expansion auf andere Städte und Länder ausdehnen.

Das klingt für uns nach einem großen Vorhaben und wir wünschen an dieser Stelle viel Erfolg. Lassen Sie uns abschließend noch auf unsere Sonderschau mit Francis Bacon und Wilhelm Senoner zurückkommen: Welche Erwartungen stellen Sie an diese Sonderschau?

Besonders spannend finde ich die an sich kontroversielle Kontextualisierung der zeitgenössischen Skulpturen von Wilhelm Senoner mit den Arbeiten des umstrittenen und gleichzeitig so fesselnden Maler-Berserkers Francis Bacon, wobei sich hier gleichzeitig ein überraschend reizvolles Zusammenspiel der künstlerischen Positionen aufzutun scheint. Die Sonderschau Francis Bacon bildet den Höhepunkt einer Reihe von herausragenden Sonderschauen der letzten Jahre auf der ART Innsbruck wie beispielsweise „Le Corbusier & Authentic Icons“ und „Andy Warhol“. Ich erwarte mir einen Ansturm an Sammlern und Kunstliebhabern und es erfüllt mich mit Stolz und Freude, dieses Highlight auf der ART Innsbruck zeigen zu dürfen.

Zur Person

Johanna Penz: 1997 Erste Kunstmesse Innsbruck „Editions of art“ – Originalgrafik/ Editionen, später „ART Innsbruck“ – alle Bereiche der bildenden zeitgenössischen Kunst. 2000 Gründung „Arthaus kunstfreihaus“ – Kunstversand im Internet. 2001 Erste Kunstmesse Wien „art-vienna“. 2009 Preisträgerin intern. Award KUNSTMEDIATOR IG Galerien Wien für außergewöhnliche Leistungen in der Kunstvermittlung. 2013 nominiert für den BANK AUSTRIA Kunstpreis, Gründung project space „artroom21“. Direktorin der erfolgreichen internationalen Messe für Kunst seit mittlerweile fast 20 Jahren. www.art-innsbruck.at

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