Willkommen beim XXL – Kunstmagazin
 

Faszination Fotografie: David Payr

Zur Person

David Payr, geboren 1983 in Tirol, absolvierte 2011 das Studium der Bildenden Kunst mit Schwerpunkt Fotografie an der Akademie der Bildenden Künste, Wien. Seit 2006 freiberuflicher Fotograf, u.a. tätig für New York Times, Brand Eins, Art Magazin, Die Zeit, Spiegel, Red Bulletin, Die Welt, Süddeutsche Zeitung, Lufthansa, Profil, Wiener. Mehrmonatige Auslandsaufenthalte in New York, London und Hamburg. Zurzeit wohnhaft und tätig in Wien.  http://www.davidpayr.com

Im Interview

Wie kamst du zur Fotografie und was ist das Außergewöhnliche an diesem Beruf?

2002: Nachdem ich meine Reifeprüfung in Innsbruck ablegte, boten sich zwei Möglichkeiten: (a) den Führerschein zu machen oder (b) stattdessen einen Fotoapparat kaufen – so lautete das Angebot meiner Eltern als Geschenk für die Zukunft. Ersteres besitze ich nach wie vor nicht. Die Fotografie, hingegen, ließe sich seitdem nicht mehr aus meinen Leben wegdenken. Ich setzte alles daran mich auf akademischen Weg weiterzubilden. Am Geeignetsten erschien mir ein Studium in Wien, an der Akademie der Bildenden Künste. Gleich zu Beginn meines Studiums suchte ich Kontakt zur Wirtschaft. Vor allem Magazine ermöglichten es, meine Fotografie einem größerem Publikum zugänglich zu machen. Die treibende Kraft hinter der Fotografie, und sei es von kurzer Dauer, begründet sich in der Faszination, am Leben anderer teilhaben zu können, in der Magie des Augenblicks und in der naturverbundenen Schlichtheit der Fotografie.

Welche sind die bedeutendsten Merkmale deiner Werke und warum sind sie für dich ausschlaggebend?

Ich fühle mich zu der Neuen Sachlichkeit hingezogen – wie sie schon in den 20er Jahren des vergangenen Jahrhunderts von Edward Weston oder August Sander praktiziert wurde. Oder auch der Fotografie von Jeff Wall oder Guy Bourdin. Die Fotografie in ihrer Reinform, Strenge und Klarheit entspricht am ehesten meiner fotografischen Sichtweise. Dokumentation, Wissenschaft, die Schönheit der Dinge an sich und Nüchternheit stellen wichtige Merkmale dar. Meine Arbeiten bringen einen sehr subjektiven Standpunkt zum Ausdruck – den Anspruch auf Wahrheit sehe ich in der Fotografie nicht gegeben, da das Manipulative untrennbar mit der Fotografie verbunden ist.

Was ist das Besondere an deinen Serien „SELECTED WORKS“?

Die Arbeiten in „Selected Works“ sind fotografische Serien, die keinen Auftraggeber als Ursprung haben. Im Laufe der letzten Jahre bemerkte ich, dass dieser Gedanke mehr und mehr an Bedeutung für mich gewinnt und der Fotografie eine neue Ebene verleiht. In der Auftragsfotografie erarbeite ich meist (Einzel-)Aufnahmen von Persönlichkeiten, die gewissen Rahmenbedingungen entsprechen müssen. Meine persönliche Auseinandersetzung mit der Fotografie unterscheidet sich dahingehend. Nicht mehr die abzubildende Person steht im Vordergrund, sondern die Fotografie an sich.

Du bist ein Meister des Porträts – wie definierst du diesen kreativen Prozess?

Zeit. Womöglich der wichtigste Faktor im kreativen Prozess. Gerne formuliere ich Bilder in Gedanken aus. Die Zeit spielt dabei eine essentielle Rolle. Des Weiteren spontane und kreative Rahmenbedingungen, die intuitives Handeln zulassen, und natürlich Erfahrung.

Den Dingen Raum geben, damit sie sich entfalten können.

WWelcher Auftrag ist dir besonders in Erinnerung geblieben?

Otto Schenk, den ich 2014 im Alter von 84 Jahren für die Welt porträtierte. Ich finde es faszinierend, Personen dabei zuzusehen, wie feinfühlig sie mit ihrer Präsenz vor der Kamera umzugehen vermögen. Eine Eigenschaft, die einen sensibilisierten Menschen wie mich, doch sehr fasziniert. Intuitiv versuche ich in meiner Porträtfotografie jener Aura, die unsere Persönlichkeit auf gesellschaftlicher Ebene definiert, Ausdruck zu verleihen.

Du hast bereits Aufträge von der NY Times, Newsweek (UK), dem Art Magazin erhalten; wo geht deine berufliche Reise hin?

Das ist schwer zu beantworten. Ich sehe mich als sozialen Menschen. Es sind die Auseinandersetzungen mit Menschen, die meine Arbeit prägen und genau in diesen Begegnungen liegt das Schöne am Leben. Natürlich bereise ich regelmäßig das Ausland, um Vorort Kontakte zu knüpfen. Auswirkungen können jedoch erst Jahre später spürbar werden. Wenn ich etwas auf meinen Reisen gelernt habe, dann ist es den Dingen Raum zu geben, damit sie sich entfalten können. Das beinhaltet auch meine Wünsche.

Beitrag teilen
geschrieben von

Das Kunstmagazin, das mehr Zeit zum Lesen und mehr Raum zum Schauen beansprucht: ein Gegentrend zu vielen Megatrends. Geeignet für Kunstliebhaber, die tiefer gehen möchten und bereit sind, inspiriert zu werden. Intellektuell anspruchsvolle Inhalte, innovatives Layout und elegantes Design auf höchstem Qualitätsstandard.

0

Warenkorb