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Spannungsgeladene Farbmelodien: Ernst Müller

Mit der Südtiroler Heimat verbunden

Ernst Müller wurde 1951 in Schlanders, im Vinschgau, in Südtirol geboren und ist seiner Heimat immer sehr verbunden geblieben. Seine zehn Geschwister und er wurden den Sommer über auf Bergbauernhöfe geschickt, um zu arbeiten. In diesen langen Sommermonaten begriff Müller wohl zum ersten Mal, was Heimweh bedeutet. Und dieses Heimweh kommt in seinen Bildern immer wieder zum Ausdruck. Schon im jugendlichen Alter offenbarte sich sein außergewöhnliches malerisches Talent, das er dank der Hilfe eines älteren Nachbarn, der ihm seine Ölfarben zur Verfügung stellte, mit Wissensdurst, unermüdlichem Fleiß und eisernem Willen – ganz auf sich alleine gestellt – akribisch förderte. Mit 14 Jahren malte er bereits beachtliche Landschaften.

Ernst Müller entzog sich allen fremden Einflüssen, das heißt allen Stilrichtungen und Techniken. Nie ließ er sich von anderen Künstlern leiten. Er verwirklichte immer nur seine persönlichen Intentionen und Visionen. Stets blieb und bleibt er sich treu. Malen ist für ihn nicht nur Berufung, sondern Passion, und er wird nach seinen eigenen Worten bis zum letzten Atemzug malen, vorausgesetzt Gott schenkt ihm lange Gesundheit. Die Mehrzahl seiner Landschaften spiegelt seine geliebte Heimat, den Vinschgau, und das bäuerliche Ambiente wider. Sie sind heute schon Zeitdokumente von kulturhistorischer Bedeutung, da viele Häuser und Gehöfte entweder völlig verfallen oder nicht mehr vorhanden sind und auf diese Weise in den Gemälden Müllers weiter existieren. Neben heimatlichen Landschaften entstanden Griechenlandserien, südliche Küstenstreifen, Holzschnitte und Bühnenbilder gigantischen Ausmaßes. Mit einem äußeren und einem inneren Auge sieht der Künstler die Landschaft und es gelingt ihm, das Lebendige, Majestätische und Einmalige der Schöpfung in seine Werke zu transponieren und festzuhalten. Da fast alles Figürliche vermieden wird, verstärkt sich das Heroische der Landschaft, der Blick auf die Natur wird nicht abgelenkt. Müller lässt das Psychische, ich nenne es seine vierte Dimension, in das Bildhafte herein, was zu einer Verschmelzung zwischen Gesehenem und Gefühltem führt, den Bildern Leben einhaucht und seine Werke an Ausstrahlung und Dynamik einzigartig macht.

Die Leuchtkraft der Farben hypnotisiert den Betrachter, der Mühe hat zu verstehen, dass die Farben, durch keine künstliche Lichtquelle gespeist, zum Glühen gebracht werden.

Auf den unterschiedlichsten Formaten spannt Müller eine perfekte Brücke zwischen architektonischen Bauten und pulsierender Landschaft. Seine Bilder vibrieren, sie strotzen vor Kraft und manche Exponate finden selbst am Bildrand keinen Halt. Sie drohen auch noch den Raum außerhalb des Rahmens für sich zu beanspruchen.

Die Leuchtkraft der Farben – Ernst Müller verwendet nur die besten Farben mit den reinsten Pigmenten – hypnotisiert den Betrachter, der Mühe hat zu verstehen, dass die Farben, durch keine künstliche Lichtquelle gespeist, zum Glühen gebracht werden. Die spannungsgeladenen Farbmelodien vereinigen und verdichten sich zu einer betörenden Natursinfonie. Auch die genialen Hell-Dunkel-Kontraste in Verbindung mit dem virtuos applizierten, pastosen Farbauftrag mit unterschiedlichen Palettmessern verstärken die Plastizität der Motive. Ernst Müllers Überzeugung ist: „Kunst entsteht im Betrachten“.

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geschrieben von

Die Autorin Isabelle Mereb erwarb nach dem Studium der Kunstgeschichte, Romanistik und Ägyptologie den Auktionator. Seit über einer Dekade arbeitet sie selbstständig für diverse Galerien, Auktionshäuser, Stiftungen und ist als Kuratorin für MilionArt tätig.

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