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Im Gespräch mit Barbara Steffen, Freischaffende Kuratorin

Im Interview

Sie sind international anerkannte Kuratorin und Kunstberaterin, wie sind Sie zu diesem aufregenden Beruf gekommen?

Ich habe mich schon als junges Mädchen für Kunst interessiert und bin mit meinem Vater wöchentlich in das Kunsthistorische Museum in Wien gegangen. Später studierte ich an der renommierten Kunstuniversität „Courtauld Institute of Art“ in London und arbeitete gleichzeitig bei Sothebys, sozusagen als Einstiegsjob, um das Metier kennenzulernen.

Die anschließenden Stationen Ihres beruflichen Werdegangs beeindrucken und weisen auf eine Persönlichkeit hin, die den Ehrgeiz hat, „groß“ zu denken und die klare Vision verfolgt, mit ihren Projekten Benchmarks zu setzen – trifft dies auf Ihre Persönlichkeit zu?

Ich bin sicherlich jemand, der gerne große Ziele verfolgt und sie auch umsetzen möchte. Es ist aber eigentlich mehr die Liebe und das große Interesse an Kunst, das mich zu den Zielen bringt, nicht die Tatsache selbst „Erfolg“ zu haben. Ich fühle mich als ein sehr kreativer Mensch, der viele Ideen entwickelt und sie auch umsetzen möchte.

Im Gespräch mit Ihnen kann man die Leidenschaft förmlich spüren, mit der Sie sich Ihren Projekten und Aufgaben widmen. Was genau macht die Tätigkeit als Kuratorin für Sie reizvoll?

Danke, dass Sie dies sagen. Ja, wenn ich über ein Kunstthema spreche, dann entsteht bei mir die große Leidenschaft dafür selbst aktiv und kreativ zu werden und die Dinge umzusetzen, die ich sehe. Darunter verstehe ich auch meine kuratorische Tätigkeit. In den Ausstellungen und Projekten, die ich konzipiere, möchte ich mein Kunstverständnis der Öffentlichkeit näher bringen und einen Künstler oder eine Epoche der Kunst dem Publikum erklären.

Sie sind bekannt dafür sehr komplexe und aufwändige Ausstellungsprojekte zu konzipieren, die neben kunsthistorischem Fachwissen vor allem auch nach organisatorischem Talent, kommunikativen Fähigkeiten und der Pflege von Netzwerken verlangen. Welche besonderen Herausforderungen durften Sie und Ihre Teams beispielsweise schon meistern?

Jede Ausstellung ist eine Herausforderung. Das beginnt beim Konzept und der Auswahl der Werke. Oft ist es auch nicht leicht die Auftraggeber, die Museumsdirektoren für ein spezielles Thema oder eine neuartige Ausstellungsform zu gewinnen. Auch das ist eine Herausforderung. Bei großen thematischen Ausstellungen ist die Organisation Teil des Erfolgs, da alle mitspielen müssen: Das Museum, die Leihgeber, die vielschichtigen Details zur Umsetzung, wie die Versicherung, die Public Relations, die Entstehung eines bedeutenden Katalogs und vieles mehr.

Viele junge Künstler steigen sehr schnell auf, wenn sie in den namhaften Kunstakademien waren, gute, internationale Galeristen haben, die mit den Kunstsammlern gut vernetzt sind, und deren Werk von den Kunstkritikern und Kuratoren entsprechend beschrieben und museal ausgestellt werden.

Gleich nach Ihrer Rückkehr aus den USA haben Sie mit einer sensationellen Ausstellung zu Francis Bacon zuerst im Kunsthistorischen Museum in Wien und danach in der Fondation Beyeler in Basel einen riesen Erfolg gefeiert. Was hat Sie damals dazu bewogen sich ausgerechnet mit Francis Bacon und seinen Werken auseinanderzusetzen?

Francis Bacon war schon immer für mich einer der bedeutensten Künstler überhaupt. Als ich die Interviews zwischen dem Kunstkritiker David Sylvester und Francis Bacon las, und Bacon über seine künstlerischen Einflüsse sprach, war mir klar, dass dies ein spannendes Ausstellungsthema sein könnte. Schließlich konnte ich es umsetzen.

Lassen Sie uns in Bezug auf die Ausstellung „Francis Bacon und die Bildtradition“ noch ein wenig in die Tiefe gehen. Wo lag thematisch gesehen der Schwerpunkt dieser Ausstellung und vor allem was war daran innovativ im Vergleich zu den vorangegangenen?

Der Schwerpunkt dieser Ausstellung lag an der Auseinandersetzung zwischen den Gemälden von Francis Bacon und jenen Künstlern, die ihn beeinflusst hatten. Schon der Titel der Ausstellung „Francis Bacon und die Bildtradition“, erklärt die Themenstellung.

W odurch werden Ihrer Erfahrung nach „Preis“ und „Wert“ von Kunstwerken beeinflusst?

Eigentlich richtet sich alles auch am Kunstmarkt nach Angebot und Nachfrage. Natürlich sind die Mechanismen, die zu den hohen Preisen führen, nicht so leicht erkennbar bzw. nicht immer erklärbar, vor allem für das generelle Kunstpublikum. Kunstsammler, Experten und Galeristen wissen über die Preisentwicklungen sehr genau Bescheid. Es spielen ganz viele Faktoren mit, die den Wert und Anstieg eines Kunstwerks ausmachen. Einige sind zum Beispiel wo der Künstler ausstellt. Ob er eine große Retrospektive in einem renommierten Museum hatte, oder ob seine Werke bereits in wichtigen Kunstsammlungen sind, egal ob privat oder öffentlich. Viele junge Künstler steigen sehr schnell auf, wenn sie in den namhaften Kunstakademien waren, gute, internationale Galeristen haben, die mit den Kunstsammlern gut vernetzt sind, und deren Werk von den Kunstkritikern und Kuratoren entsprechend beschrieben und museal ausgestellt werden.

Wenn Sie aktuell ein beliebiges Budget zur Verfügung hätten, um in Kunst zu investieren, was würden Sie sich unbedingt leisten wollen?

Das ist immer eine schwierige Frage, da es sehr viele, sehr gute Künstler gibt, über alle Jahrhunderte verstreut. Ich würde sicher gerne ein Gemälde von Francis Bacon besitzen wollen. Ein Porträt aus den 60er Jahren oder eines der Papstgemälde aus den 1950er Jahren. Ein anderer Künstler wäre Gerhard Richter, über den ich auch eine Ausstellung vor einigen Jahren in der Albertina in Wien kuratierte. Ein großes, abstraktes Gemälde von Richter, wäre sicherlich ein Sammlungshöhepunkt. Aber ohne Budget geht leider gar nichts! Dafür arbeite ich aber mit diesen wunderbaren Kunstwerken, das entschädigt nicht nur, sondern macht die Auseinandersetzung mit Kunst zu einem sehr kreativen Akt.

Ihre bisherigen Ausstellungsprojekte waren alle überaus erfolreich, hatten Innovationscharakter und waren bis ins Detail perfekt aufbereitet. Arbeiten Sie bereits an einem neuen Projekt, auf das sich Kunstliebhaber freuen dürfen?

Ich habe einige Ausstellungsideen und arbeite an verschiedenen Konzepten und Themen. Eine Ausstellung beschäftigt sich mit junger Malerei aus Mitteleuropa, ein anderes mit Fotografi e und Frauen. Mehr kann ich dazu noch nicht sagen. Es gibt aber auch Ideen und Gespräche zu Projekten im Musikbereich, hauptsächlich über den Einfl uss der Pop Musik in der Kunst und vice versa, bzw. auch ein historisches Projekt über black music, von Motown über Funk und Soul zu Ikonen wie Michael Jackson und andere. Wie Sie sehen, sind meine Interessen recht breit gefächert, da mich der kreative Aspekt am meisten interessiert, egal ob in der bildenden Kunst oder in der Musik und den Medien.

Zur Person

Barbara Steffen lebte von 1988 bis 2003 in New York und Los Angeles, wo sie an der Eli Broad Art Foundation in Santa Monica an einer der größten Privatsammlungen zeitgenössischer Kunst der USA, als Kuratorin tätig war. Am Solomon R. Guggenheim Museum in New York rief Steffen u.a. den Hugo-Boss-Kunstsponsoring-Preis ins Leben. Darüber hinaus gründete sie das International Director’s Council (IDC), das mit einer renommierten Gruppe von internationalen Kunstsammlern den Ankauf zeitgenössischer Kunst finanzierte. In Österreich machte sich Frau Steffen vor allem als freischaffende Kuratorin einen Namen, unter anderem mit folgenden Ausstellungen:

  • Kunsthistorisches Museum Wien: Francis Bacon und die Bildtradition
  • Sammlung Essl, Klosterneuburg: Visions of Amercia
  • Fondation Beyeler, Basel: Wien 1900 – Klimt, Schiele und ihre Zeit
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