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Wie viel Kunst verträgt ihre Steuererklärung?

Rainer Partl

Die Schaffung von effektivieren Möglichkeiten zur Verwertung von unternehmerischen Ausgaben für Kunstwerke und Gebrauchskunst wären ein Schritt mehr in Richtung von Förderung von Kunst und Wissenschaft.

Die Zurechnung von Kunstwerken zum Vermögen eines Betriebes ist teilweise mit unliebsamen steuerlichen Folgen verbunden. Stellen wir uns die Frage, was der durchschnittliche Unternehmer mit der Darstellung von Vermögensgegenständen innerhalb seines Betriebes bewirken möchte? Richtig, das Ziel jedes Unternehmers ist, den Gewinn und somit das steuerliches Ergebnis des Betriebes zu reduzieren und eine Minimierung der Ertragssteuerlast zu bewirken. Soll dieses Ziel über die Anschaffung von Kunstwerken erreicht werden, dürfen folgende Fakten nicht übersehen werden.

Die Anschaffung eines Kunstwerkes bewirkt grundsätzlich noch keine Reduktion des Gewinns, sofern der Anschaffungswert über der Geringwertigkeitsgrenze von EUR 400,00 liegt, was bei ernstzunehmenden Kunstgegenständen wohl anzunehmen ist. Erst durch die Abschreibung, welche den Anschaffungswert über den Zeitraum der möglichen Nutzung verteilt, tritt in der Folge die Gewinnkürzung ein. Allerdings ist es eine unverkennbare Eigenschaft von Kunstgegenständen, dass diese durch den Zeitablauf nicht an Wert verlieren, sondern hoffentlich umgekehrt merkliche Wertzuwächse verzeichnen können. Kunstgegenstände gelten daher nach der ständigen Rechtsprechung des Verwaltungsgerichtshofes als nicht abnutzbares Vermögen; eine steuerliche Abschreibung wird grundsätzlich nicht anerkannt. Für Kunstwerke besteht ferner eine allgemeine Angemessenheitsgrenze, wonach auch laufende Aufwendungen, wie beispielsweise Restaurierungskosten, mit einem partiellen Abzugsverbot einhergehen. Getrübt wird dieses Bild zusätzlich durch den Umstand, dass Wertzuwächse bei einem späteren Verkauf aus dem Betriebsvermögen als Gewinn versteuert werden müssen.

Auch Gegenstände welche dem von der steuerlichen Literatur und nicht zuletzt im Rahmen der Steuerberatung oftmals verwendeten Begriff der „Gebrauchskunst“ – zeitgenössische Kunst die aufgrund des wandelnden Zeitgeschmacks an Wert verliert und somit einer „wirtschaftlichen Abnutzung“ unterliegt – zugeordnet werden, wurden vom Verwaltungsgerichtshof mit obigen einschränkenden Konsequenzen belegt. Demgegenüber ist eine Gewinnreduktion über die Anmietung von Kusntwerken grundsätzlich möglich, sofern die Gegenstände zur Ausstattung ausschließlich betrieblich oder beruflich genutzter Räumlichkeiten bestimmt sind. Die Kunstmiete entwickelte sich daher in den letzten Jahren zu einem beliebten Instrument im Rahmen der Steuergestaltung. Allerdings dürfen Mietentgelt bzw. Leasingrate lediglich ein Entgelt für die bloße Nutzungsüberlassung darstellen. Überhöhte Zahlungen werden als verdeckte Kaufpreisraten angesehen und die Zurechnung des Kunstgegenstandes erfolgt zum Mieter oder Leasingnehmer. Das Anmietungsmodell wird zum Ankauf des Kunstwerkes umgedeutet; das Nutzungsentgelt darf – wie oben ausgeführt – steuerlich nicht gewinnreduzierend berücksichtigt werden.

Folgende Kriterien sprechen für ein steuerlich anzuerkennendes Mietverhältnis kurze Mietdauer ohne Kaufoption, die Mietzahlungen decken bei weitem nicht die Kosten des Kunstwerks und das wirtschaftliche Risiko liegt beim Vermieter. Die Zahlungen aus einem Leasingvertrag gelten grundsätzlich als Betriebsausgaben. Die steuerliche Zurechnung von Leasingobjekten zum Leasingnehmer oder zum Leasinggeber erfolgt durch Gegenüberstellung von Leasingzahlung einerseits und der Abschreibungskomponente andererseits. Die Anwendung der steuerlichen 40-90-Regelung ist bei Kunstwerken nicht möglich, da eine Abschreibungskomponente mangels Abnutzbarkeit nicht vorliegt (beträgt die Grundmietzeit von Mobilien weniger als 40% oder mehr als 90% der betriebsgewöhnlichen Nutzungsdauer, erfolgt eine Zurechnung stets zum Leasingnehmer; die Leasingrate stellt kein Nutzungsentgelt, sondern eine Kaufpreisrate dar).

Ein späterer Ankauf des Kunstwerks durch den bisherigen Mieter oder Leasingnehmer wird von Seiten der Finanzbehörde jedenfalls kritisch hinterfragt. Aus der Sicht der Finanzbehörde liegt die Vermutung der Kaufpreisgestaltung unter Anrechnung bisheriger Miet- oder Leasingzahlungen nahe. Der Käufer zöge aus einer derartigen Gestaltung den steuerlichen Vorteil aus der Verwertung der aufgelaufenen Aufwendungen aus der Nutzungsüberlassung, während sich für den Verkäufer keinerlei steuerliche Nachteile ergeben (die zivilrechtliche Konsequenz aus dem urheberrechtlichen Folgerecht wäre zu prüfen). Erschwerend für die Argumentation gegenüber der Behörde zeigt sich der Umstand, dass ein objektiver Kaufpreis oftmals nicht ermittelbar ist; es muss auf die Sachverständigenmeinung zurückgegriffen werden.

Eine Anmerkung für Privatpersonen: Veräußert die Privatperson einen Kunstgegenstand, liegt ein steuerlich nicht relevanter Verkaufsvorgang von Privatvermögen vor. Beträgt die Zeitspanne zwischen Ankauf und Verkauf weniger als ein Jahr wird die Privatveräußerung zu einem steuerpflichtigen Spekulationsgeschäft. Vom Gelegenheitsverkauf ferner zu unterscheiden sind mehrere aufeinander folgende Verkaufsgeschäfte, die aufgrund des Nachhaltigkeitselements wiederum eine betriebliche und somit steuerpflichtige Tätigkeit nach sich ziehen können. Die Vermietung von Kunstgegenständen aus einem Privatvermögen bewirken jedenfalls steuerpflichtige Einkünfte beim Vermieter.

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geschrieben von

<p>Steuerberater, Certified Public Accountant, Universitätslektor, Prüfungskommissär der Kammer der Wirtschaftstreuhänder.</p>

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