Willkommen beim XXL – Kunstmagazin
 

Im kreativen Rausch der Farben

Wolfgang Ratzek

Wolfgang Ratzek (*28. Juni 1963 in Konstanz) – ein Talent aus Allensbach am Bodensee. Sein künstlerisches Credo ist der Farbismus. Ein Terminus, der sich aus dem Wort Farbe und der Epoche des Kubismus (1907 – 1915) zusammensetzt. Kunst, Design, Kreativität, Fortschritt, innovative Technologie, Modernität, Nachhaltigkeit und Umweltbewusstsein dominieren Ratzeks Alltag. Sein Gesamtwerk wird von revolutionären Ideen und Konzepten geprägt und getragen. Wolfgang Ratzeks Bilder spiegeln gleichfalls seine starke Affinität zur Moderne und zu geometrischen Formen wider.

Die imaginative Kraft, die die Meisterwerke seiner Vorbilder verströmten, verstärkten Ratzeks Entschluss, Künstler zu werden.

Die Anfänge von Ratzeks Entscheidung für die Kunst und seine individuelle Entwicklung zum Künstler liegen in der Mitte der neunziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts. Dank einer zufälligen Begegnung, führte ihn eine Künstlerin aus seiner Heimatregion in die Welt der Farben und Formen ein und es entstanden erste Bleistiftzeichnungen von Eiskristallen und von Uferlandschaften des Bodensees. Langsam tastete sich Ratzek an unterschiedliche Materialien und Stilrichtungen heran. Paul Klee, Jackson Pollock, Gerhard Richter, Willem de Kooning und Ferdinand Léger setzten auf dem Weg seiner künstlerischen Selbstfindung die entscheidenden Akzente.

Zunächst experimentierte er mit Buntstiften, Ölkreiden und Acrylfarben. Unterschiedlichste Strukturen und faszinierende außergewöhnliche Effekte wurden durch die Anwendung von Teigschaber, Schwamm und Spachtel erzielt.Langsam kristallisierte sich die Vorliebe des Künstlers für die Ölfarbe heraus, die seine Werke zu dominieren begann. Für ihn bedeuten Öl und Leinwand die perfekte Symbiose, eine „Traumehe“ schlechthin. Das Keilrahmenmaß seiner Ölbilder beträgt im Durchschnitt 100 x 120 Zentimeter. Ein weiterer wichtiger Teil seiner Kunstkonzeption sind neben den Ölbildern Plastiken, Gouachen, Aquarelle und Zeichnungen auf Hochglanzfotopapier.

Der Farbauftrag ist meist pastos, der Pinselduktus variabel, da er abhängig ist vom Motiv, vom Licht und von den Gemütszuständen des Künstlers. Charakteristisch für Ratzek ist sein untrügliches Gespür für bunte, leuchtende Symphonien aus hellen und auch grellen Farben, die im Betrachter positive Gefühle wecken, gute Laune und Wohlbefinden erzeugen. Die unangefochtene Lieblingsfarbe ist Gelb, nicht nur weil es eine königliche Farbe ist, die sich der thailändische König Bhumibol zu eigen machte, sondern weil Ratzek überzeugt ist, dass kein anderer Farbton eine vergleichbare Leucht- und Strahlkraft besitzt.

Asien, 100 x 140 cm, Ölfarben auf Leinwand, Aug. 2012
Farbismus, 100 x 140 cm, Ölfarben auf Leinwand, Mai 2014
Wolfgang Ratzek

Im Zusammenhang mit dieser außergewöhnlichen Begabung für Farbkompositionen muss Ratzeks Kompositionstalent für moderne, geometrische, vom Kubismus beeinflusste Formen hervorgehoben werden. Nicht von ungefähr ist sein künstlerisches Credo: der Farbismus, ein Portmanteauwort, das sich aus dem Wort Farbe und dem Wort Kubismus (Kunstepoche 1907-1915) zusammensetzt. Ratzeks künstlerisches Schaffen ist ein permanent aktiver Prozess, der sich keinen Diktaten unterwirft. Für ihn gibt es keine etikettierte Kunstschublade. Seine Darstellungsweise ist präzise – aufgelöst, dominant – zurückhaltend, extrovertiert – introvertiert.

Die Bewahrung der eigenen Identität ist dem Künstler nicht nur wichtig, sondern hat Priorität. Gelegentlich jedoch lässt er autobiographische Elemente in seine Werke einfließen, um durch die Offenlegung gewisser persönlicher Details eine beabsichtigte Nähe zum Betrachter zu erreichen. Der Künstler Wolfgang Ratzek, ein feinfühliger, liebenswerter, interessierter, suchender und im positiven Sinne stets neugieriger Mensch, zieht seine Kraft und seine Inspirationen aus dem Alltagsleben, aus vorherrschenden Trends, aus der klassischen Musik – er ist ein begeisterter Geiger – aus dem Wassersport und aus der Schönheit und der Tradition seiner Heimat. Sozial- und umweltkritische Fragen sind Bestandteil seiner Lebens- und Kunstbetrachtung und seines künstlerischen Schaffens, denn was die Sprache nicht auszuleuchten vermag, kann die Kunst „expressis verbis“ zur Darstellung bringen. Als passionierter Segler und Angler ist er Zeitzeuge einer brutalen und radikalen Zerstörung des ökologischen Gleichgewichts.

Diese fortschreitende Ausrottung von Fauna und Flora will Ratzek mit seiner Kunst ungeschminkt darstellen und den Menschen den Spiegel der Umweltzerstörung vorhalten. An den Ufern des Bodensees sammelt er für seine Konzeptkunst den für Natur, Mensch und Tier todbringenden Müll. Die daraus entstehenden Collagen und Plastiken befriedigen weder ästhetisch- künstlerische Erwartungen noch bieten sie sinnliche Entspannung wie – die bereits erwähnten – leuchtenden Farbharmonien, sie zeigen vielmehr den dualistischen Charakter in Ratzeks Schaffen, der die Menschen wachrütteln und zum Umdenken „zwingen“ will – nach dem Motto „Kunst ist stille Revolution“.

Beitrag teilen
geschrieben von

<p>Die Autorin Isabelle Mereb erwarb nach dem Studium der Kunstgeschichte, Romanistik und Ägyptologie den Auktionator. Seit über einer Dekade arbeitet sie selbstständig für diverse Galerien, Auktionshäuser, Stiftungen und ist als Kuratorin für MilionArt tätig.</p>

0

Warenkorb