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Ausstellung: EINZIGARTIG

Die Werke von Margot Stöckl in der Hofburg in Brixen

Den Mut, sich Grenzen zu nähern und diese auch zu überschreiten hat die 1963 in Gerlos im Zillertal geborene Margot Stöckl bereits als Kind und junges Mädchen bewiesen. Das Handwerkzeug des elterlichen Tischlereibetriebes tauschte sie mit dem üblichen Spielzeug, der Umgang mit Materialien wie Holz und Metall weckte sehr früh ihr reges Interesse, Werkstoff- immanente Eigenschaften auszuloten und diese als Grundlage für ihr gestaltendes und bildnerisches Talent einzusetzen.

Mit dem eher ungewöhnlichen Entschluss, in Innsbruck die Höhere Technische Lehranstalt für Kunsthandwerk zu besuchen, manifestierte sich früh der Wunsch nach einer künstlerischen Weiterbildung, die neben den handwerklichen Möglichkeiten auch eine Auseinandersetzung mit historischen wie zeitgenössischen Kunstströmungen mit sich zog. In ihrem skulpturalen Schaffen hat sie auffallend viel Aufmerksamkeit auf wie sie es selbst  formuliert „Kopfarbeit“ gelegt. In der Unterschiedlichkeit und Vielfalt ihrer Typen beweist sie viel Talent und Gespür, sich ausdrucksstarken Positionen zu nähern. Sie verbindet in ihren motivisch divergierenden Vorwürfen technische Präzision (meist Metallguss in Bronze und Aluminium) mit Ernst, Fantasie und auch mit Witz.  Einzigartig lässt sie ihren menschlichen Gesichtszügen Narratives angedeihen, indem sie sie mit den (Beigaben) aus dem eigentlichen Aufgabenbereich requirierten Beigaben schmückt.

Ihre Skulpturen werden in der Ausstellung begleitet von anregenden Texten.
Hier ein kurzer Auszug:

Aquarius
Durchnässt von der kalten Gischt erhebt sich der Fischmensch aus dem tosenden Ozean und betritt zum ersten Mal das trockene Erdreich. Mit seinem Landgang läutet der Wassermann ein neues Zeitalter ein und konstituiert dadurch eine Bewusstseinsevolution im Geiste der Menschenkinder, bei der es zu einer Abwendung vom Materialismus kommt, gesellschaftliche und individuelle Veränderungen einsetzen und die spirituelle Welt in den Vordergrund rückt.

Im Schatten des Kreuzes
In der Skulptur spiegelt sich das Gleichgewicht der Welt wider. Die horizontale, erdgebundene Linie trifft sich mit der vertikalen Linie, welche die spirituelle Komponente versinnbildlicht und vereinigt sich so im Symbol des Kreuzes. Voller Spannkraft und innerer Ruhe bildet der weibliche Körper im Schnittpunkt der vier Himmelsrichtungen das Zentrum der unendlichen Expansion des Lebens.

Der Schrei
Wenn wir nackt und unschuldig das Licht der Welt erblicken, stoßen wir unseren ersten Schrei aus – einen Schrei der Befreiung! Das ungehemmte Schreien unserer Kindheit wird im Laufe des Lebens gezügelt und von gesellschaftlichen Konventionen verdrängt. Und trotzdem ist der Schrei als tiefster Ausdruck von Emotionen ein Teil von uns. Aufschrei! Freudenschrei! Angstschrei! Lustschrei! Stummer Schrei! Schrei nach Freiheit! Durch das Schreien lösen wir uns von Hemmungen. Dies wird in der Nacktheit der Skulptur reflektiert. Ebenso wird durch die nackte Darstellung alles Innere nach außen gekehrt, in die Welt hinaus geschrien – nichts bleibt im Verborgenen! Zeitgleich spiegelt sich in der knieenden Haltung eine gewisse Demut. Durch die gewählte Pose wird der Ausdruck der Skulptur organisch, fließend und leicht – „Der Schrei“ verschmilzt mit schwereloser Selbstverständlichkeit mit dem großen Ganzen.

Elysium
Die Urkraft der Naturgewalten windet sich an den Rundungen der Skulptur hinauf und transformiert die einst harte Masse in pulsierende Energie. Der aufsteigende Tornado bricht einen Fels aus dem Himmel und hält Einzug in elysische Gefilde. Am Ende des kreisenden Strudels entfliehen die Gedanken des Diesseits in eine nicht mehr greifbare Welt und lösen sich in der Ewigkeit auf.

Hofburg
Hofburgplatz 2
39042 Brixen

+39 0472 830 505
www.hofburg.it

Öffnungszeiten
27.5.—31.10.2017
Dienstag – Sonntag 10–17 Uhr

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geschrieben von

<p>Studium der Kunstgeschichte in Innsbruck. Philosophische Dissertation über die Geschichte der Tiroler Glasmalerei- und Mosaikanstalt und deren Mosaike im Stadtgebiet von Innsbruck. Kurzzeitige Mitarbeit am Tiroler Kunstkataster. Als Ausstellungskuratorin und Autorin von Kunstmonografien und zahlreichen kunstpublizistischen Beiträgen u.a. für Ausstellungskataloge tätig.</p>

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