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Egon Schiele – Selbsthingabe und Selbstbehauptung

Präsentation der Schiele Sammlung im Leopold Museum

DDas Leopold Museum beherbergt mit insgesamt 42 Gemälden und 186 Arbeiten auf Papier die größte und bedeutendste Schiele-Sammlung der Welt. Die Präsentation der Sammlung zeigt den Werdegang von Egon Schiele (1890–1918) anhand einer chronologischen Hängung der Werke des Leopold Museum. Die Schau führt vom jungen Schiele über den von Gustav Klimt beeinflussten Künstler zu der von Rudolf Leopold besonders geschätzten radikal-expressiven Phase und schließt mit den Arbeiten der „Spätphase“, also jenen Werken, die kurz vor Schieles frühem Tod entstanden.

Egon Schiele ist einer der wichtigsten Künstler des Expressionismus. Vor allem ist er Vertreter einer österreichischen Variante des Expressionismus, die eine völlig neue Ästhetik mit existenziell-psychologischen Elementen vereint. Darüber hinaus beeinflusste Schiele seit den 1970er-Jahren nicht nur die Bildende Kunst von den Wiener Aktionisten bis Tracey Emin, sondern auch Künstler der Mode- und Pop-Welt wie David Bowie oder Vivienne Westwood. Schieles subversive Bildfindungen prägen zunehmend das Bildreservoir unserer Generation.

Schiele,…, war vom Ersten Weltkrieg nicht nur – im Gegensatz zu manchen Kollegen – nicht begeistert, sondern im Gegenteil zutiefst irritiert und deprimiert. Er sehnte das Ende des Krieges herbei…

Das Leopold Museum breitet seine Schiele-Sammlung über ein ganzes Stockwerk aus und lässt die Bilder vor dunkelfarbigen Wänden wirken. Ein ganz besonderes Moment findet sich, so Diethard Leopold, im letzten Ausstellungsraum: „Eine nur wenig bekannte Idee Schieles, geboren aus der Depression der Ereignisse des Ersten Weltkrieges wird hier in Erinnerung gerufen: ein piktoriales Mausoleum zur Bewahrung kultureller Werte, das so weit rekonstruiert wird, wie es heute noch möglich ist.“

Einige der allegorischen Darstellungen Schieles aus dem Jahr 1918 wirken wie ein Teil einer Serie. Und tatsächlich hat sich in einem Skizzenbuch ein Entwurf Schieles für ein Mausoleum erhalten, in dem der Künstler plante, sich Themen wie dem irdischen Dasein, dem Tod oder dem ewigen Leben zu widmen. Die im letzten Raum der Präsentation ausgestellten Werke „Hockendes Männerpaar“, eine exklusive Leihgabe aus Privatbesitz, „Hockendes Frauenpaar“ und „Drei stehende Frauen aus dem Bestand des Leopold Museum und eventuell auch das „Liebespaar“ aus der Leopold Privatsammlung könnten Vorarbeiten für Fresken darstellen, die in dem von Schiele geplanten Mausoleum angebracht werden sollten.

Das „Hockendes Männerpaar“ ist zum ersten Mal seit Jahrzehnten der Öffentlichkeit zugänglich. Während man mit Sicherheit davon ausgehen kann, dass die Linien der Zeichnung von Schieles Hand stammen und er auch mit der Malerei begonnen hat, ist es durchaus möglich, dass vor allem am Hintergrund erst nach Schieles Tod von fremder Hand weitergemalt wurde. Kunsthistoriker, Restauratoren, Historiker und Schiele- Kenner diskutieren derzeit interdisziplinär ob und welche Teile nicht von Schieles eigener Hand stammen. Die kräftige und skizzenhafte Ästhetik des Gemäldes überrascht durch ihre Aktualität und Spiegelung zeitgenössischer Kunstpositionen. Die also möglicherweise in Zusammenhang mitdem Mausoleumsprojekt entstandenen Gemälde blieben unvollendet und geben nicht nur einen äußerst interessanten Einblick in die Arbeitsweise Schieles, sondern lassen auch die Veränderung und Weiterentwicklung seines Stils, von der radikal-expressiven Phase hin zu einer kontemplativverinnerlichten Auffassung erahnen. Weit weg vom Ausschöpfen extremer Möglichkeiten der Ausdruckskunst sehen wir uns gedankenversunkenen, geradezu erschöpften Gesichtern gegenüber.

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