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Form als Geisterlebnis

Josef Floch (1894-1977) Wien – Paris – New York

Bereits die alten Ägypter würdigten ihre elegante Erscheinung, die spannungsvolle Linie der schmalförmigen Gesichter sowie ihre Aura einer geheimnisvollen, unergründlichen Ruhe. Pharaonenhunde nannte man diese Gattung der Wüstenhunde und lieh ihr Gesicht dem Gott des Totenreiches, Anubis. Sie faszinierten auch den Österreicher Josef Floch, der 1923 eine Reise nach Palästina und Ägypten unternahm, und Jahre später, 1928 während seiner Zeit in Paris, die Erinnerung an diese besonderen Hunde in einer eigenen Serie verarbeitete. Er malte keine Porträts, vielmehr „Denk-Male“, Erinnerungsstücke an alte vergangene Kulturen, was durch eine eigene Spachteltechnik, deren Ergebnis an Freskomalereien erinnert, noch unterstrichen wird. Diese Werke befinden sich mit einer Ausnahme alle in Privatbesitz und konnten noch nie zusammen in einer Ausstellung besichtigt werden.

Das soll in diesem Herbst mit einer sehr begrüßenswerten Retrospektive des Malers im Palais Schönborn-Batthyány in Wien endlich geändert werden. Gleich fünf Gemälde mit Hunden, die auch auf einem Highlight, dem frühen Terrassenbild von 1928, zu sehen sind, werden in dieser ambitionierten Schau präsentiert. Die rund 100 ausgewählten Bilder von Josef Floch treten dabei in einen inspirierenden Kontrast mit den stattlichen barocken Räumen, offenbaren dabei die tiefe Verankerung mit der Geschichte der Malerei und entfalten ihre ganz spezifische ruhige, fast träumerische Aura. Initiator und Gastgeber dieser besonderen Schau ist die Galerie W&K – Wienerroither & Kohlbacher, die den 1941 nach Amerika emigrierten Maler seit Jahren vertritt. Mit im Team ist auch Karl Pallauf, der eigentliche Entdecker des Malers und Verfasser des Werkverzeichnisses. Ihrer kontinuierlichen Forschung ist es wohl auch zu verdanken, dass in der kommenden Retrospektive einige Entdeckungen zu sehen sein werden.

Josef Flochs Bilder sind unverkennbar, denn seine durchaus facettenreiche Entwicklung ist stets von einer Haltung gekennzeichnet, die sich als Ruhe, Traum oder Melancholie umschreiben lässt.

Ob in den in satten Farben expressiv gemalten Bildern der frühen 1920er Jahre in Wien oder in den Hauptwerken aus den 1920er und 1930er Jahren in Paris oder schließlich in den Terrassen-, Atelierund Städtebildern aus der New Yorker Emigration. Floch malte stets mit feinem Pinsel, einem überaus subtilen Farbengespür und mit bleibendem Respekt vor der Form. Abstraktion war für ihn geistlos, die Form hingegen das Maß, mit der die Welt, die im Abgrund lag, ihre Würde behielt.

Als ein 1894 in Wien geborener Maler unterlag Josef Floch bemerkenswerter Weise nie dem Einfluss der herrschenden Strömung des Jugendstils. Von Beginn an richtete er hingegen seinen Fokus auf internationale Tendenzen, unternahm früh Reisen nach Italien, Deutschland und Frankreich, wohin er 1925 übersiedelte. Er war ein Einzelgänger mit internationalem Anspruch, dessen Karriere erfolgreich verlief. In Paris verkehrte er im illustren Kreis der Galeristin Berthe Weill; mit Jacques Lipchitz, Chana Orloff und Balthus verband ihn eine enge Freundschaft, seine Werke wurden im Salon d’Automne und im Salon des Tuileries mehrfach ausgestellt. Germain Bazin, einflussreicher französischer Kunsthistoriker und Direktor des Louvre, würdigte Josef Floch sogar in seinem bedeutenden Standardwerk über die Moderne Kunst als einen der wichtigsten Vertreter für den Neohumanismus und traf damit einen wesentlichen Kern von Flochs Verständnis von Kunst. Die französische Schaffensphase bildet einen wesentlichen Schwerpunkt der Ausstellung im Palais Schönborn-Batthyány und in den Galerieräumlichkeiten in der Strauchgasse 2 (neben dem Café Central in Wien). In der umfassenden Monograpie, deren Haupttext vom französischen Kunsthistoriker Serge Lemoine stammt und in deutscher, englischer und französischer Sprache erscheinen wird, werden die vielfältigen Bezüge zur Avantgarde in Paris erstmals genauer aufgearbeitet.

Es ist naheliegend, dass Orte und Landschaften inspirierend und prägend auf einen Maler wirken und daher verlockend, den Lebensstationen nachzufolgen, um mit seinen Augen zu sehen. Karl Pallauf und die Galeristen Wienerroither & Kohlbacher initiierten ein Filmprojekt, das den unterschiedlichen Stationen im Leben Josef Flochs nachspürt, die Erinnerungen seiner noch lebenden Tochter dokumentiert und verschiedene Sammler, u.a. André Heller, zu ihrer Wertschätzung des Malers interviewt. Zeit und Kunst in lebendiger und spannender Form.

Ausstellung | 15.09.–06.11.2017

Josef Floch
WIEN-PARIS-NEW YORK
PALAIS SCHÖNBORN-BATTHYÁNY
Renngasse 4, 1010 Wien

Di – Fr, 11.00 – 17.00 Uhr
www.w-k.art

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geschrieben von

ist Kunstexpertin für Malerei des 19. und 20. Jhdts. Langjährige Autorin für die Kunstzeitschrift PARNASS, zahlreiche Katalogbeiträge; Autorin der Werkverzeichnisse zu Rudolf von Alt und Theodor von Hörmann; Kuratorin der Ausstellung über Theodor von Hörmann im Leopold Museum, Wien, 2016.

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