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Risiken beim Kunstkauf

Dem Kunstkauf wohnt ein „aleatorisches Element“ inne. Das hat der Oberste Gerichtshof (OGH) bereits 1929 festgestellt. Damals kaufte der spätere Kläger von einem Antiquitätenhändler eine Geige um 1.200 Dollar, die vom berühmten Absamer Geigenbauer Jakobus Stainer (17. Jhd.) stammen sollte. Später stellte sich jedoch heraus, dass es eine weniger wertvolle Geige des Egidi Klotz II war. Der Kläger begehrte die Rückabwicklung, unterlag aber im Rechtsstreit.

Der Fall liegt bereits Jahrzehnte zurück, trotzdem ist die Problematik aktueller denn je. Häufig zahlen Käufer für vermeintlich echte Kunstwerke einen hohen Preis und können diesen später nicht mehr rückverlangen. Im Wesentlichen geht es immer darum, wer das Risiko einer Fälschung trägt. Wenn der Verkäufer von der Fälschung wusste, diesen Umstand aber arglistig verschwieg, kann der Kaufvertrag 30 Jahre lang angefochten werden. Gewährleistungsansprüche und die Irrtumsanfechtung stehen dem Käufer auch dann offen, wenn der Verkäufer die Echtheit zusagte. Hier gelten aber relativ kurze Fristen von 2 bzw. 3 Jahren.

Ein Auktionshaus aus Lindau hat etwa im Jahr 2009 eine Buddhastatue als aus der Sui-Dynastie (581-618) stammend beschrieben. Gleichzeitig wurde in den Versteigerungsbedingungen die Haftung und Gewährleistung ausgeschlossen. Der Kläger erwarb die Statue, die sich später als Fälschung herausstellte, um € 20.295,-. Der deutsche Bundesgerichtshof gab der Klage statt, da die Versteigerungsbedingungen in diesem konkreten Fall unwirksam und das Alter aufgrund der Beschreibung eine zugesagte Eigenschaft der Staute sei.

Schwieriger zu beurteilen sind jene Fälle, in denen sowohl der Verkäufer als auch der Käufer von der Echtheit des Kunstwerkes ausgingen und die Echtheit nicht zugesagt wurde. Es bieten sich zwei Lösungsansätze an: Entweder kann man auf den Grundsatz der Ausgewogenheit der Leistungen oder aber auf die Eigenverantwortung der Vertragsparteien abstellen. Im ersten Fall trägt der Verkäufer das Risiko, im zweiten Fall der Käufer. Im Stainer-Geigen Fall hat sich der OGH für die Eigenverantwortung entschieden. Das ist aber nicht immer so und variiert auch von Land zu Land. In Österreich und Frankreich etwa kann der Käufer einen Vertrag wegen eines auffälligen Missverhältnisses von Wert und Kaufpreis unter bestimmten Umständen rückgängig machen.

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geschrieben von

<p>Dr. Georg Huber, LL.M. ist Partner der Innsbrucker Rechtsanwaltskanzlei Greiter Pegger Kofler & Partner. Er hat in Innsbruck und Chicago studiert und ist sowohl in Österreich als auch New York als Rechtsanwalt zugelassen. Zu seinen bevorzugten Tätigkeitsgebieten zählen unter anderem IT- und IP-Recht, wobei er sich auch immer wieder mit urheberrechtlichen Fragen befasst.</p>

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