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Zwischen Poesie und Malerei

Im DomQuartier Salzburg eröffnen Rembrandt, Rubens, Makart, Kubin und viele mehr Einblicke in faszinierende Bilderwelten.

Wie kaum in einer anderen Epoche wurden im 17. und 18. Jahrhundert die großen geistigen Traditionen Europas aus vielfältigen Anregungen aus griechisch-römischer Mythologie (Ovid) und Christentum zu neuen Synthesen verarbeitet.

Für uns ist die Sprache der Bilder aus der Vergangenheit nur zu einem geringen Teil verständlich. Sie wirft Fragen auf, die nicht immer zu beantworten sind. Das entspricht dem Wesen der Kunst: Sie gibt ihr Geheimnis nicht restlos preis und bewahrt die Aura des Unlösbaren.

Nichts ist wie es scheint

Amor lehnt sich gemütlich auf ein gebauschtes Kissen. In einer Muschel hat er mit einem Strohhalm eine hauchdünne Seifenblase erzeugt – sie deutet auf die Vergänglichkeit der Liebe, auf die Flüchtigkeit des Augenblicks.

Rembrandts Amor mit Seifenblase ist eines der Glanzstücke der Sommerausstellung der Residenzgalerie, die anhand von Gemälden, Grafiken und Skulpturen ein facettenreiches Panorama allegorischer Bilderwelten präsentiert. Ausgehend vom eigenen Sammlungsbestand der Residenzgalerie wird die Fülle an künstlerischen Ideen mit Meisterwerken aus privaten und öffentlichen Sammlungen bereichert.

Neben Rembrandt geben auch Peter Paul Rubens, Giacomo del Pò, Jacob van Ruisdael, David Teniers d.J., aber auch Friedrich Amerling, Hans Makart, Edvard Munch, Alfred Kubin oder Erwin Bohatsch faszinierende Einblicke in den enormen Formenreichtum und die raffinierte Vieldeutigkeit der allegorischen Bildersprache. Dass diese bis heute nicht verstummt ist, zeigt u.a. die Videoarbeit Still Life der britischen Künstlerin Sam Taylor-Johnson aus dem Jahre 2001. Sie greift Aspekte der barocken Tradition der Vergänglichkeit auf und führt diese mit ihren heutigen Möglichkeiten weiter.

Ein Hoch auf den Herrscher

In den Stuck- und Deckengemälden der Prunkräume der Residenz wird die Sprache der Bilder schließlich als barockes Huldigungsprogramm der fürsterzbischöflichen Auftraggeber in allen Facetten erlebbar. Dort verdeutlichen triumphale Allegorien von Johann Michael Rottmayr,  Martino Altomonte, Antonio Beduzzi und Alberto Camesina den Anspruch auf Macht und Geltung.

Hier zeigt sich: Kunst kann sich der Politik nicht entziehen. Bis in das späte 18. Jh. findet man in den Residenzen Europas kaum eine Dekoration, die darauf verzichtet, Macht und Geltung des Herrschers mit triumphalen Allegorien zu verkünden. Zur Demonstration des Geltungsanspruches des tugendhaften und damit guten Herrschers dienen Heroenmythen um Alexander den Großen und Julius Caesar. Im Deckenfresko des fürsterzbischöflichen Schlafzimmers verdeutlicht Rottmayr die „Herrschertugend“ der Wachsamkeit als sinnfällige Allegorie. Er erzählt die Legende, wonach Alexander der Große es vermied einzuschlafen. Dies gelang ihm, wie schon Julius Caesar, mit einer Kugel, die er in der Hand hielt und die laut tönend in ein metallenes Gefäß fiel, falls er wider Erwarten doch nicht wach bleiben sollte. Auf einer Wolkenbank nähert sich Hypnos, der Gott des Schlafes, in Gestalt eines alten bärtigen Mannes. In seinen blauen Sternenmantel gehüllt, versucht er, Vigilantia Ducis, die personifizierte Wachsamkeit des Herrschers, mit einem Strauß roter Mohnblüten zu umgarnen. Vergeblich ist die Mühe, denn die Schönheit lässt sich nicht ablenken. Achtsam hält sie das Öllämpchen mit der Flamme vor sich. Neben ihr befindet sich der Kranich.

Eine einzigartige Zusammenschau

Das DomQuartier ermöglicht eine einzigartige Zusammenschau von verschiedenen künstlerischen Ausdrucksebenen der „Sprache der Bilder“. Dr. Elisabeth Resmann, Geschäftsführerin des DomQuartiers Salzburg: „Es freut mich, dass der Kerngedanke des DomQuartiers – die Verbindung der einzelnen Institutionen in sinnfälligen Ausstellungsprogrammen –  im nunmehr 4. Jahr seines Bestehens in dieser bestechenden Art und Weise umgesetzt wird. Zugleich ist es aber auch wichtig, den Blick in die Gegenwart zu richten und zu fragen: Was bedeutet uns heute die Begegnung mit Allegorien, Personifikationen und Symbolen? Was hat die Betrachtung vieldeutiger Sinnbilder mit unserer Lebenswelt zu tun? Wie gehen die Künstler des 20. und 21. Jahrhunderts damit um? Wird die allegorische Sprache heute noch gesprochen? Und wenn ja, in welcher Form?“

Die Sprache der Bilder
Bis 06.11.2017
DomQuartier Salzburg | Residenzgalerie, Prunkräume der Residenz

Katalog „ Die Sprache der Bilder“
Erika Oehring, Astrid Ducke, Thomas Habersatter (Hrsg.)
Mit Beiträgen von Astrid Ducke, Thomas Habersatter, Alexandra Hanzl, Regina Kaltenbrunner, Beatrix Koll und Erika Oehring.
Eigenverlag Residenzgalerie Salzburg | DomQuartier Salzburg
378 Seiten, dt., € 16,90

DomQuartier Salzburg
Residenzplatz 1 | Domplatz 1a
5020 Salzburg
Tel.: + 43 662 8042 2109
office@domquartier.at
www.domquartier.at

Öffnungszeiten
Täglich, außer Dienstag, 10-17 Uhr
Juli, August sowie Advent- und Weihnachtszeit täglich geöffnet
Dezember geschlossen

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