3 Body Configurations

Die Aus­stel­lung, die von Fabio­la Nal­di und Mau­ra Poz­za­ti kura­tiert wur­de, ori­en­tiert sich an dem Titel eines VALIE EXPORT-Pro­jekts, das von 1972 bis 1982 ent­wi­ckelt wur­de. Aus­ge­hend von der Bezie­hung des Kör­pers des Künst­lers, der im öffent­li­chen und pri­va­ten Raum agiert, bie­tet die Aus­stel­lung die Mög­lich­keit, zum ers­ten Mal in Ita­li­en eine sorg­fäl­ti­ge Aus­wahl der foto­gra­fi­schen Arbei­ten von Clau­de Cahun (dank der Zusam­men­ar­beit mit der Jer­sey Heri­ta­ge Collec­tion), VALIE EXPORT (dank der Zusam­men­ar­beit mit dem Mus­ei­on in Bozen und der Gal­le­ria Tad­dae­us Ropac in Salz­burg) und einen Neu­vor­schlag eines foto­gra­fi­schen Pro­jekts aus den spä­ten 1990er Jah­ren von Otto­nel­la Mocel­lin zu sehen.

Die Aus­stel­lung erforscht ein Feld der Kunst­ge­schich­te des zwan­zigs­ten Jahr­hun­derts, das weit­ge­hend von Kör­per, Foto­gra­fie und Per­for­mance geprägt ist. Die drei bedeu­ten­den Posi­tio­nen unter­strei­chen die ästhe­ti­sche und gestal­te­ri­sche Refle­xi­on einer kör­per­li­chen und geis­ti­gen Beschäf­ti­gung mit der eige­nen Iden­ti­tät, der eige­nen Gestal­tungs­pra­xis und der Not­wen­dig­keit, die Bezie­hung zwi­schen dem Kör­per des Künst­lers und dem Raum der Archi­tek­tur, der Natur und der Illu­si­on zu unter­su­chen. Für Clau­de Cahun, VALIE EXPORT und Otto­nel­la Mocel­lin ist die Foto­gra­fie ein unend­li­cher, unbe­weg­li­cher und unbe­strit­te­ner Zeu­ge einer Pra­xis, die auch nur für einen Augen­blick stattfand.

Zum ers­ten Mal in Ita­li­en, 38 foto­gra­fi­sche Arbei­ten von Clau­de Cahun, Künst­ler­na­me von Lucy Renée Mat­hil­de Schwob (Nan­tes, 25. Okto­ber 1894 – Saint Helier, 8. Dezem­ber 1954), Künst­le­rin, Foto­gra­fin, Akti­vis­tin und Schrift­stel­le­rin, Ver­tre­te­rin des Sur­rea­lis­mus. Die Beson­der­heit von Cahuns For­schung ist die stän­di­ge visu­el­le Unter­su­chung ihrer eige­nen Iden­ti­tät, über die Geschlech­ter­gren­zen hin­weg. Mann und Frau bie­ten sich gemein­sam in einem neu­en Iden­ti­täts­vor­schlag an. Eine grund­le­gen­de Prä­senz im sur­rea­lis­ti­schen Paris, wo sie André Bre­ton, Tris­tan Tza­ra, Sal­va­dor Dalì, Man Ray, Phil­ip­pe Sou­pault, Hen­ri Michaux, Pierre Albert Birot, Roger Cail­lois und Geor­ge Batail­le eif­rig besuch­te, Cahun hör­te nie auf zu foto­gra­fie­ren und sich selbst zu foto­gra­fie­ren, selbst als sie in Beglei­tung der Gesell­schaft und inspi­rie­ren­den Muse Suzan­ne Mal­her­be (ali­as Mar­cel Moo­re) die fran­zö­si­sche Haupt­stadt ver­ließ, um sich bis 1954, dem Jahr ihres Todes, auf die Insel Jer­sey zurückzuziehen.

Clau­de Cahun – Mi sto allen­an­do non baci­ar­mi, 1927 – Jer­sey Heri­ta­ge Collection

VALIE EXPORT, Pseud­onym von Wal­traud Leh­ner (Linz, 1940) ist eine der wich­tigs­ten künst­le­ri­schen Prä­sen­zen der zwei­ten Avant­gar­de des 20. Jahr­hun­derts. 1967 gab sie sowohl den Namen ihres Vaters als auch den ihres Man­nes auf, um eine neue Iden­ti­tät anzu­neh­men, die sich am Namen der belieb­tes­ten Ziga­ret­ten­mar­ke Öster­reichs ori­en­tiert. Der Name VALIE EXPORT, „Expor­teur von Wer­ten und sozi­al­po­li­ti­schen Trans­for­ma­tio­nen“, ist der ent­schei­den­de Moment, in dem die Künst­le­rin einen sym­bo­li­schen Akt der sozia­len, poli­ti­schen und ästhe­ti­schen Selbst­be­stim­mung voll­zieht. In ihren Wer­ken – von denen vie­le in den Samm­lun­gen bedeu­ten­der Muse­en wie dem Cent­re Pom­pi­dou, der Tate Modern, der Rei­na Sophia, dem MOMA und dem MOCA, Los Ange­les, aus­ge­stellt sind – erscheint die ideo­lo­gi­sche, poli­ti­sche und kon­zep­tu­el­le Pra­xis, eine Künst­le­rin und eine Frau zu sein, die sich dem Expe­ri­men­tie­ren mit ver­schie­de­nen Orten und Medi­en ver­schrie­ben hat, wesent­lich. Das Pro­jekt in der Aus­stel­lung evo­ziert die Bezie­hung zwi­schen Kör­per­spra­che und städ­ti­scher Umge­bung und stellt den Platz der Frau im öffent­li­chen Raum in Frage.

Valie Export Auf­prä­gung (Kör­per­kon­fi­gu­ra­ti­on) 1972 – Cour­te­sy Mus­ei­on, Bolzano
Valie Export Bedrü­ckung, (Kör­per­kon­fi­gu­ra­ti­on) 1972 – Cour­te­sy Mus­ei­on, Bolzano

Otto­nel­la Mocel­lin (Mai­land, 1966) ist eine wich­ti­ge ita­lie­ni­sche Künst­le­rin, die seit 2002 mit dem Künst­ler und Part­ner Nico­la Pel­le­gri­ni zusam­men­ar­bei­tet. Zwi­schen 1984 und 1993 leb­ten bei­de in Lon­don, wo sie öffent­li­che Kunst und Archi­tek­tur stu­dier­ten. Zwi­schen 2001 und 2002 waren sie in New York und ver­tra­ten Ita­li­en für das PS1 Inter­na­tio­nal Stu­dio Pro­gram. Ein unver­wech­sel­ba­rer und sofort erkenn­ba­rer Cha­rak­ter­zug ist die kon­ti­nu­ier­li­che expres­si­ve und kon­zep­tu­el­le Dring­lich­keit, die Instal­la­tio­nen, Vide­os, Foto­gra­fien und Per­for­man­ces umfasst und die dar­auf abzielt, Kon­flik­te, Emo­tio­nen und den Dia­log inner­halb der mensch­li­chen Bezie­hun­gen zu unter­su­chen. Ihre Wer­ke wur­den in wich­ti­gen ita­lie­ni­schen und aus­län­di­schen Muse­en und Gale­rien, in Ita­li­en und im Aus­land aus­ge­stellt. Seit 2009 unter­rich­tet sie Per­for­ma­ti­ve Tech­ni­ken an der Car­ra­ra-Aka­de­mie von Ber­ga­mo. Sie lebt und arbei­tet in Berlin.

Otto­nel­la Mocel­lin fal­ling, 1998 Cour­te­sy Lia Rum­ma, Milano
Otto­nel­la Mocellin_Falling, 1998 – cour­te­sy Lia Rum­ma, Milano

Die Aus­stel­lung umfasst Foto­gra­fien von Clau­de Cahun, VALIE EXPORT und Otto­nel­la Mocel­lin und ist bis zum 18. April 2020 in der Fon­da­zio­ne del Mon­te in der Via del­le Don­zel­le 2 in Bolo­gna von Mon­tag bis Sams­tag, 10.00 bis 19.00 Uhr, bei frei­em Ein­tritt zu sehen. 

www.fondazionedelmonte.it

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