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Die Neugier, die uns antreibt

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Beschreibung

Die Geschwin­dig­keit ist eine der wich­tigs­ten Errun­gen­schaf­ten der Mensch­heit. Gefühlt wird der All­tag immer schnel­ler. Geschwin­dig­keit ist ein Qua­li­täts­merk­mal. Schnel­lig­keit wird gleich­ge­setzt mit Effi­zi­enz. Dabei ist Zeit und damit Geschwin­dig­keit eine für den Men­schen schwer fass­ba­re Dimen­si­on. Jona­than Schip­pers Instal­la­ti­on „Slow Ine­vi­ta­ble Death of Ame­ri­can Mus­cle“ ver­deut­licht das: Mit einer Geschwin­dig­keit von nur einem Mil­li­me­ter pro Stun­de lässt der ame­ri­ka­ni­sche Künst­ler zwei Autos in einem simu­lier­ten Fron­tal­zu­sam­men­stoß auf­ein­an­der „cras­hen“. Die­se Bewe­gung zu erah­nen, ist für den*die Betrachter*in nahe­zu unmög­lich. Effi­zi­enz kann im 21. Jahr­hun­dert eben nicht mehr auf Pfer­de­stär­ken redu­ziert wer­den, son­dern viel mehr sind indi­vi­du­el­le fle­xi­ble Lösun­gen, emis­si­ons­lo­ser Antrieb und dyna­mi­sche Beschleu­ni­gung das Maß aller Dinge.

Erst die Erfin­dung der Uhr im 13. Jahr­hun­dert mach­te eine genaue­re Orga­ni­sa­ti­on von Zeit über­haupt mög­lich. Mit der Taschen­uhr (Nürn­ber­ger Ei) um 1510 von Peter Hen­lein wird die Zeit dann jedem*jeder zugäng­lich. Sie ist exakt ables­bar und der Tag wird in sei­ne Stun­den, Minu­ten und Sekun­den teil­bar, also plan­bar. Davor rich­te­te sich der Tages­ver­lauf nach dem Stand der Son­ne. „Kein Tag kommt wie­der – kei­ne Nacht“, schrieb die Lite­ra­tur Nobel­preis­trä­ge­rin Wis­la­wa Szym­bor­ska in ihrem Gedicht: Nichts geschieht ein zwei­tes Mal. Das ist ein ent­schei­den­der Satz. Zeit ist ein kost­ba­res Gut. War­um wol­len wir sie also beschleu­ni­gen, soll­ten wir sie nicht eher ver­lang­sa­men? Kann die Kunst Hil­fe­stel­lun­gen ent­wi­ckeln, um die Zeit und damit die Geschwin­dig­keit dar­stell­bar zu machen? Kann Kunst be- oder ent­schleu­ni­gen, oder bei­des zugleich?

Jean Tin­gue­ly setz­te 1954 sei­ne Skulp­tu­ren erst­mals in Bewe­gung. Ab Ende der 1970er-Jah­re wur­de das Ele­ment Was­ser in sei­nem Werk immer wich­ti­ger und in sei­nem Spät­werk ergänz­te er es um den Fak­tor Licht. Bewe­gung, Was­ser, Licht – span­nen­de Ele­men­te, die zahl­rei­che Gegenwartskünstler*innen als Aus­drucks­mit­tel nut­zen. Der Phy­si­ker Arthur Zajonc bringt es auf den Punkt: „Sobald wir gelernt haben, das Licht zu sehen, könn­te sich alles ande­re von selbst erge­ben.“ Wann wird es so weit sein? Sind wir schon nahe dran?

Wäh­rend die Futurist*innen Anfang des 20. Jahr­hun­derts, wie Gia­co­mo Bal­la, die durch neue Tech­nik ent­stan­de­ne erhöh­te Geschwin­dig­keit noch auf Gemäl­den ver­herr­lich­ten („Espan­sio­ne dina­mi­ca e velo­ci­tà“, 1913), ist die Kunst Anfang des 21. Jahr­hun­derts hier schon an einem ande­ren Punkt ange­langt. Wel­che Rol­le spie­len Zeit, Geschwin­dig­keit und Raum, wenn wir uns unter Umstän­den mit der Unend­lich­keit beschäftigen?

Chris­toph Died­richs ver­fass­te ein gan­zes Buch über Wil­liam Tur­ners „Regen, Dampf und Geschwin­dig­keit.“ Der Titel lau­tet: Wie schnell ist Kunst? Die Beschleu­ni­gung und Ent­schleu­ni­gung unse­rer Gegen­wart und Zukunft betrifft alle, und nicht nur die Kunst kann dazu wun­der­ba­re Denk­an­stö­ße lie­fern. Wenn es der Mensch­heit je gelin­gen wird, die Geschwin­dig­keit des Lichts zu sehen, was kommt dann? Eines ist allen Protagonist*innen die­ser Aus­ga­be gemein­sam – sowohl jenen, die beschleu­ni­gen, als auch jenen, die ver­lang­sa­men, jene, die Künstler*innen, Sammler*innen, Wissenschaftler*innen, Autor*innen oder Grenzgänger*innen sind: die Neu­gier dar­auf, was sich hin­ter dem Hori­zont befindet.

Zusätzliche Information

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