Anja Es STATEMENT

I AM ART

KÜNSTLER ARBEITEN NIE. UND IMMER. DAS UNTERSCHEIDET SIE VON FAST ALLEN ANDEREN BERUFSGRUPPEN UND FÜHRT ZU EINER VERSCHMELZUNG VON PERSON UND BERUF. WAS DABEI HERAUS KOMMT, IST DIE KÜNSTLERPERSÖNLICHKEIT. DER BEGRIFF IMPLIZIERT NEBEN PSYCHOLOGISCHEN ASPEKTEN, DIE VERMUTLICH WAS MIT NARZISSMUS ZU TUN HABEN, IRGENDWIE, DASS ALLES, WAS MAN ALS KÜNSTLERIN MACHT, KUNST IST – ODER ZUMINDEST SEIN SOLLTE. WAS FÜR EIN ANSPRUCH! – ANDERERSEITS: DAS KÖNNTE INTERESSANT WERDEN.

Das Leben als Per­for­mance bie­tet Gestal­tungs­spiel­raum und der beginnt schon am frü­hen Mor­gen mit der Über­le­gung: Nackt oder Nicht­nackt – das ist hier die Fra­ge! Da kommt man ins Grü­beln und schon ist man mit sich selbst im kunst­phi­lo­so­phi­schen Dis­kurs. Ent­schei­det man sich für Klei­dung darf sich dem Künst­ler kei­nes­falls der Gedan­ke der Zweck­mä­ßig­keit in den Weg stel­len, denn dann wird´s kei­ne Kunst, son­dern bes­ten­falls Design. L´art pour L´art heißt es und da ist es völ­lig wurscht, ob es reg­net, friert oder Atmen lei­der nicht mög­lich ist. Der Rah­men muss aller­dings pas­sen, da ist es wie in der Male­rei. Eben­so viel Beach­tung soll­te dem vor­han­de­nen Mate­ri­al geschenkt wer­den, und damit ist nicht der Inhalt des Klei­der­schranks gemeint. Der Kör­per selbst als skulp­tu­ra­les Grund­ele­ment ist richtungsweisend.

Eine Beuys-inspi­rier­te Fette­cke auf die wogen­den Hüf­ten geschmiert, ein Brust­pan­zer aus Klei­der­bü­geln vor die mage­ren Rip­pen mon­tiert oder ein, zwei Krä­hen­nes­ter ins üppi­ge Haar gefloch­ten und schon nähern wir uns dem Gesamt­kunst­werk. Kunst kann man eben nicht bei H&M kau­fen. Bei guten Mode-Desi­gnern aber schon. Hau­te Cou­ture hat­te noch nie wirk­lich den Fokus auf Trag­bar­keit und war so gese­hen schon immer eine Schwes­ter der Kunst. Oder wenigs­tens eine Cou­si­ne. Wie man hört, schmeißt sie sich aber gera­de hef­tig an die Künst­ler ran, um durch Ehe­schlie­ßung in der Hier­ar­chie der Sipp­schaft auf­zu­stei­gen. Immer mehr Edel-Desi­gner flir­ten mit dem Hoch­adel der Kunst, in Flagship-Läden gro­ßer Labels wer­den Gale­rien inte­griert und so man­ches Kunst­werk lan­det auf den Stof­fen der Maes­tros der Mode.

Und die Kunst ist sich dafür nicht zu scha­de. Sie ist schon lan­ge von ihrem lang­wei­li­gen Elfen­bein­turm her­ab­ge­stie­gen und hat sich ins glit­zern­de Lich­ter­meer gewor­fen. Die exzen­tri­sche Selbst­in­sze­nie­rung lag ihr halt schon immer. Eben­so wie den Künst­lern selbst. Für die liegt aber vor der Schau die Schöp­fung, was bis­wei­len etwas anstren­gend sein kann, denn da ist ja der Innovationszwang…

Erleich­ternd wirkt hier die Tat­sa­che, dass jeder Mensch von Natur aus ein Uni­kat ist. Dar­aus mit Krea­ti­vi­tät ein Kunst­werk zu machen, ist also weni­ger anspruchs­voll, als auf ein 50 x 70 – For­mat wirk­lich neue Kunst zu brin­gen. Wir könn­ten also, wann immer wir wol­len, zu einem Gesamt­kunst­werk wer­den; alles eine Fra­ge des Bewusst­seins, des krea­ti­ven Poten­ti­als und der Lust an der Kunst. Und die tritt durch nichts so inten­siv in Kon­takt mit ihren Betrach­tern, wie durch den Künst­ler und sei­ne Gestalt(ung) selbst. Es braucht kei­ne Gale­rien, Muse­en oder Kunst­hal­len, weder Gale­ris­ten, noch Samm­ler. Men­schen begeg­nen der Kunst über­all dort, wo die Künst­le­rin sich bewegt. Ganz unvor­be­rei­tet und ohne den Nim­bus des Elitären.

Der Künst­ler selbst hat, indem er sich zum Kunst­werk macht, eine gigan­ti­sche Pro­jek­ti­ons­flä­che. Fashion­künst­ler wie Vivi­an West­wood und John Gal­lia­no haben es ver­stan­den, die­se Flä­che meis­ter­haft zu bespie­len. Sie haben sich nicht auf die Gestal­tung der Mode und Models beschränkt, son­dern betrach­ten sich auch selbst als per­so­ni­fi­zier­te Kunst. Sie soll­ten über­all Musen­küs­se ver­tei­len! Wer weiß: Viel­leicht gehen aus der Liai­son von Mode und Kunst noch vie­le, far­ben­fro­he und spiel­freu­di­ge Kin­der her­vor. – Wäre der Welt zu wünschen.

www.anja-es.de

Beitrag teilen
geschrieben von

Malt, schreibt, performt und bringt Texte und Bilder als Gesamtkunstwerk mit Musikern auf die Bühne. Ausstellungen und Performances in Deutschland und Dänemark. Mit ihrer Bildserie „La Gonzesse“ in Sammlungen, Galerien und Medien erfolgreich. Anja Es: KUNST! in der Alten Vogtei, Travemünde.

Einkaufswagen
Kein Magazin im Einkaufswagen.
Weiter einkaufen
0