Athar Jaber, eine Maske für das Leben

Athar Jaber, der in Rom als Sohn ira­ki­scher Eltern gebo­ren und zwi­schen Rom, Flo­renz und den Nie­der­lan­den auf­ge­wach­sen ist, lebt und arbei­tet der­zeit als Künst­ler in Ant­wer­pen, Bel­gi­en, wo er außer­or­dent­li­cher Pro­fes­sor für Bild­haue­rei an der Roy­al Aca­de­my of Fine Arts ist.

Athar Jaber

Wenn Kunst die Fähig­keit hat, See­le und Geist zu hei­len, kann sie auch eine kon­kre­te­re Rol­le für das Wohl­erge­hen der Mensch­heit spie­len.

Der Umzug in ver­schie­de­ne Län­der und Städ­te hat dazu bei­getra­gen, sein Zuge­hö­rig­keits­ge­fühl zu stär­ken, das über die blo­ßen geo­gra­phi­schen Gren­zen hin­aus ästhe­tisch ist. Die­ses Kon­zept ist zum Rah­men gewor­den, inner­halb des­sen er sei­ne gesam­te For­schung ent­wi­ckelt hat, in dem Wunsch, eine gemein­sa­me mensch­li­che Erfah­rung im Lau­fe der Zeit und in ver­schie­de­nen Kul­tu­ren zu skiz­zie­ren.

Mit den Bil­dern des Golf­krie­ges auf­ge­wach­sen, wur­den The­men wie Leid und Gewalt unaus­weich­lich. Gleich­zei­tig ermög­lich­te ihm das Leben in Flo­renz, ein Ver­ständ­nis für die klas­si­sche Bild­haue­rei und die Suche nach der idea­len Schön­heit zu ent­wi­ckeln. Mit sei­nem Werk will der Künst­ler die gegen­sätz­li­chen Bedin­gun­gen von Gewalt und Schön­heit erfor­schen, die bei der Ent­wick­lung sei­ner Poe­tik eine bedeu­ten­de Rol­le spie­len. Ange­sichts des dra­ma­ti­schen Sze­na­ri­os der Pan­de­mie, die die gesam­te Mensch­heit betrifft, spür­te Jaber die Dring­lich­keit, sowohl als Künst­ler als auch als Mensch zum Kampf gegen CODIV-19 bei­zu­tra­gen, indem er aus mora­li­schen Grün­den sei­ne Pro­duk­ti­on vor­erst ein­stell­te und eine Spen­den­in­itia­ti­ve durch das Pro­jekt „Eine Mas­ke für das Leben“ ein­lei­te­te, das in Part­ner­schaft mit dem UNHCR (Son­der­or­ga­ni­sa­ti­on der Ver­ein­ten Natio­nen für die Ver­wal­tung von Flücht­lin­gen) umge­setzt wur­de.

Es han­delt sich um zehn in Mar­mor gehaue­ne Mas­ken, deren Ver­kaufs­er­lös zur Unter­stüt­zung der Bereit­stel­lung von lebens­ret­ten­den Vor­rä­ten für die weni­ger pri­vi­le­gier­ten Men­schen gespen­det wird. Die Mas­ken sind zu einem Sym­bol für den kol­lek­ti­ven Kampf gegen das Virus gewor­den. Offen­sicht­lich haben Jabers Mas­ken an sich nicht die Eigen­schaft, vor dem Infek­ti­ons­ri­si­ko zu schüt­zen, aber man kann durch ihren Kauf dazu bei­tra­gen. Denn auch wenn es uns selbst­ver­ständ­lich erscheint, die Mög­lich­keit zu haben, geschlos­sen im Haus zu blei­ben, dür­fen wir nicht ver­ges­sen, dass es Men­schen gibt, die kein Zuhau­se haben, die nicht den Luxus haben, sich oder ihre Fami­lie schüt­zen zu kön­nen, und die nicht ein­mal „social distancing“ aus­üben kön­nen.

Face Mask

Auf der Welt gibt es etwa 70 Mil­lio­nen Men­schen, die in Flücht­lings­la­gern leben, über­füllt und hilf­los ange­sichts der dro­hen­den Pan­de­mie. Das Sze­na­rio eines Not­falls wird noch dra­ma­ti­scher, wenn wir an die Aus­wir­kun­gen und Fol­gen den­ken, die dies für Migran­ten und Staa­ten­lo­se haben könn­te. „Die schlimms­te aller Kri­sen erfor­dert das Bes­te der Mensch­heit“, sag­te Filip­po Gran­di, Hoher Flücht­lings­kom­mis­sar der Ver­ein­ten Natio­nen. Ein Pro­jekt, das eine glück­li­che Syn­the­se von Ethik und Ästhe­tik dar­stellt und sich auf einen wei­ter gefass­ten Gedan­ken zurück­füh­ren lässt, der auf den von sei­nem Freund und Bild­hau­er Jago gepräg­ten Has­tag #anti­vi­ral­art reagiert.

Wäh­rend alle viral sein wol­len, weit ver­brei­tet in sozia­len Medi­en­platt­for­men prä­sent sein wol­len, kämpft die gan­ze Welt gegen etwas Unbe­kann­tes, den Virus, der trotz uns viral gewor­den ist. Dabei han­delt es sich nicht nur um ein Wort­spiel, son­dern viel­mehr um eine Refle­xi­on der tie­fe­ren Bedeu­tung: Wenn Kunst die Fähig­keit hat, See­le und Geist zu hei­len, kann sie auch eine kon­kre­te­re Rol­le für das Wohl­erge­hen der Mensch­heit spie­len. Wie in die­sem Fall, wo der Ver­kauf von Kunst­wer­ken tat­säch­lich Men­schen­le­ben ret­ten kann“.

Mehr Infor­ma­tio­nen zum Pro­jekt:
Athar Jaber, www.atharjaber.com
UNHCR, www.unhcr.org

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geschrieben von

Sie ist Schriftstellerin und Universitätsdozentin. Derzeit lehrt sie Kostüm- und Modegeschichte und Kommunikation am IAAD in Bologna und Turin. Sie schreibt für verschiedene Zeitschriften über Mode und zeitgenössische Kunst und hat kürzlich für Skira Editore die internationale Ausgabe des Buches des Londoner Fotografen Sohail Karmani betreut. In Mailand arbeitet sie permanent mit der Galleria Raffaella Cortese und der Osart Gallery zusammen und rezensiert die Ausstellungen. Interlenghi organisiert und kuratiert Mode-Events, Videokunstausstellungen und Performing Art.

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