Baselitz, Baselitz, Baselitz…

WENN EIN AUSNAHMEKÜNSTLER 80 WIRD, DANN FOLGT EINE SCHAU DER NÄCHSTEN. MAN KOMMT IN DIESEM JAHR AN GEORG BASELITZ NICHT VORBEI. ZUERST WURDE EINE GROSSE RETROSPEKTIVE IN DER FONDATION BEYELER GEZEIGT UND DERZEIT LAUFEN ZWEI NENNENSWERTE AUSSTELLUNGEN, DIE SEIN OEUVRE ZEIGEN.

Das Musée Unter­lin­den in Col­mar (www.musee-unterlinden.com) zeigt unter dem Titel „Cor­pus Bas­elitz“ erst­mals als fran­zö­si­sches Muse­um eine bedeu­ten­de Werk­aus­wahl des deut­schen Künst­lers sowie bis­her noch nicht öffent­lich gezeig­te Arbei­ten (Male­rei­en, Zeich­nun­gen und Skulp­tu­ren) aus den Jah­ren 2014–2017, in denen Bas­elitz sei­nen eige­nen Kör­per und sei­nen Platz in der Kunst­ge­schich­te hin­ter­fragt.

Bas­elitz’ bahn­bre­chen­de, auf den Kopf gestell­te Male­rei macht ihn in den 1970er Jah­ren erst­mals inter­na­tio­nal bekannt. Seit­dem hat Bas­elitz in der Tra­di­ti­on der Akt­ma­le­rei oder des Selbst­por­träts immer wie­der neue Aus­drucks­for­men für die Dar­stel­lung sei­nes eige­nen Kör­pers bezie­hungs­wei­se des die­sem bei­gestell­ten Kör­pers sei­ner Frau Elke ent­wi­ckelt. War sein Blick bis­lang der eines distan­zier­ten Beob­ach­ters, so setzt er sich in der neue­ren Serie mit der Rea­li­tät sei­nes hohen Alters und des Alt­wer­dens aus­ein­an­der und bezieht sich in die­ser intro­spek­ti­ven Her­an­ge­hens­wei­se in einem regel­rech­ten Abstieg in die Höl­le auf sei­ne Vor­bil­der (Duch­amp, Dubuf­fet, Dix, Picas­so und De Koo­ning). Der ver­un­stal­te­te, unvoll­stän­di­ge und zer­teil­te Kör­per unge­schönt und kom­pro­miss­los fest­ge­hal­ten. Der Vehe­menz des Sujets des Alterns wirkt die Bewe­gung des Abstiegs in die Höl­le ent­ge­gen (ein Ver­weis an Duch­amps Akt, eine Trep­pe her­ab­stei­gend von 1912), der durch die Motiv­um­kehr zum Auf­stieg wird.

Groß­zü­gig ver­wen­de­te Farb­ma­te­rie und eine neue Mal­tech­nik ver­wan­deln die Kör­per in leuch­ten­de und vibrie­ren­de Gebil­de. Die von Bas­elitz an der Schwel­le zu sei­nem 80. Lebens­jahr vor­ge­nom­me­ne Bear­bei­tung sei­nes nack­ten Kör­pers und die Trans­for­ma­ti­on die­ser dunk­len Visi­on in eine bild­mäch­ti­ge, für die Öffent­lich­keit bestimm­te Dar­stel­lung zeu­gen von der unge­bro­che­nen Lebens- und Schaf­fens­kraft des Künst­lers.

Das Hir­sh­horn Muse­um in Washing­ton (hirshhorn.si.edu) zeigt die gro­ße Retro­spek­ti­ve von Georg Bas­elitz in den USA unter dem Titel „Bas­elitz: Six Deca­des“. Im Hir­sh­horn fand Bas­elitz’ ers­te Kar­rie­re-Retro­spek­ti­ve im Jahr 1996 statt. Die neue Aus­stel­lung baut auf die­sem Mei­len­stein auf und fes­tigt Bas­elitz’ Ruf als einer der ori­gi­nells­ten und erfin­dungs­reichs­ten figu­ra­ti­ven Künst­ler sei­ner Genera­ti­on. Die Aus­stel­lung ist die ers­te Gele­gen­heit für das Publi­kum in den USA, Bas­elitz’ kraft­vol­le Erkun­dung der mensch­li­chen Figur im Umfeld des star­ken Ein­flus­ses der ame­ri­ka­ni­schen Abs­trak­ten Expres­sio­nis­ten auf sei­ne Früh­wer­ke zu sehen sowie sei­ne anhal­ten­de Wir­kung auf zeit­ge­nös­si­sche ame­ri­ka­ni­sche Male­rei und Skulp­tur zu ver­ste­hen. Kura­tiert wird die Schau von Hir­sh­horn-Chef­ku­ra­tor Sté­pha­ne Aquin und dem Beye­ler-Kura­tor Mar­tin Schwan­der.

Die Aus­stel­lung zeigt eines der bemer­kens­wer­tes­ten Wer­ke von Bas­elitz, „The Naked Man“ aus dem Jahr 1962, in dem der Künst­ler mit einem scho­ckie­ren­den Bild einer männ­li­chen Figur die all­ge­gen­wär­ti­ge Unzu­frie­den­heit mit der sozia­lis­ti­schen Poli­tik Deutsch­lands zum Aus­druck brach­te, wes­halb das Bild von den Behör­den beschlag­nahmt wur­de. Wei­te­re Höhe­punk­te sind sei­ne berühm­ten Gemäl­de aus den iko­ni­schen Seri­en „Hel­den“ und „Frac­tu­re“ (1965−1966), die die Stär­ke des deut­schen Vol­kes nach dem Zwei­ten Welt­krieg unter­strei­chen.

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