Eleonora Carisi

Porträt einer Influencerin – und darüber hinaus.

Das Wort Influ­en­cer ist in aller Mun­de; oder viel­mehr in aller Mun­de der­je­ni­gen, die täg­lich sozia­le Platt­for­men nut­zen (oder miss­brau­chen), um Erfah­run­gen, Gefüh­le, Emo­tio­nen oder ein­fach nur Vide­os und Sel­fies auszutauschen.

Tech­nisch gese­hen ist der Influ­en­cer per Defi­ni­ti­on nichts ande­res als „eine Per­son mit einer öffent­li­chen Anhän­ger­schaft“ (die soge­nann­ten „Fol­lo­wers“ in der Spra­che von Insta­gram), die dank ihres Cha­ris­mas oder dem Enga­ge­ment ihrer Anhän­ger­schaft (d. h. dem Ergeb­nis in Pro­zent des Ver­hält­nis­ses zwi­schen der Anzahl der Fol­lower und der „Likes“, also die Zustim­mungs­si­gna­le, in Bezug auf Fotos und Vide­os, die mit einer bestimm­ten Häu­fig­keit gepos­tet wer­den) einen mehr oder weni­ger gro­ßen Ein­fluss auf das Ver­brau­cher­ver­hal­ten hat oder eine Auto­ri­tät in Bezug auf bestimm­te The­men ist, sei es in den Berei­chen Mode, Kunst, Foto­gra­fie, Essen und Wein, Beau­ty und Kos­me­tik, aber auch Rei­sen, Kino und so wei­ter. Vie­le Per­so­nen haben so ihre Popu­la­ri­tät erreicht: man­che erschei­nen mit einem Knall in der Sze­ne und ver­schwin­den im Anschluss wie­der; eini­ge tun alles, um täg­lich im Mit­tel­punkt des Trat­sches oder der Klatsch­spal­ten zu ver­wei­len; man­che kom­men aus der Welt der Talent- oder Talk­shows; eini­ge bewer­ben ohne beson­ders ersicht­li­ches Talent Pro­duk­te oder tum­meln sich auf öffent­li­chen und gesell­schaft­li­chen Ver­an­stal­tun­gen und Mode­schau­en; und dann gibt es die­je­ni­gen, die dank ihrer Krea­ti­vi­tät, ihrem unbe­strit­te­nen Talent, einer guten Por­ti­on von Demut und „Mensch­lich­keit“ und ihrem Bedürf­nis, sich wei­ter­zu­ent­wi­ckeln und kon­ti­nu­ier­lich (und meis­tens erfolg­reich) vor­an­zu­kom­men, zu einem dau­er­haf­ten Phä­no­men wer­den: Letz­te­res trifft auf Eleo­no­ra Cari­si zu.

Eleo­no­ra ist nicht nur Influ­en­ce­rin, son­dern noch viel mehr: Gebo­ren im Jahr 1984 in Turin hat Eleo­no­ra Cari­si heu­te fast 700.000 Fol­lower auf Insta­gram mit Zehn­tau­sen­den „Likes“ für die Fotos und Vide­os in ihrem Pro­fil auf der momen­tan ange­sag­tes­ten sozia­len Platt­form. Ich „fol­ge“ ihr bereits seit eini­ger Zeit auf Insta­gram und hat­te vor kur­zem die Gele­gen­heit, sie per­sön­lich zu tref­fen und einen Ein­blick in ihre sich stän­dig ver­än­dern­de Geschich­te zu erhal­ten. Sie absol­vier­te ihr Stu­di­um in Mar­ke­ting und Kom­mu­ni­ka­ti­on an der IED (Abkür­zung für Isti­tu­to Euro­peo di Design, Hrsg.) im Jahr 2006 in Turin und eröff­ne­te im sel­ben Jahr eine klei­ne Bou­tique mit dem Namen „You You Store“ im Zen­trum von Turin mit von unab­hän­gi­gen Desi­gnern ent­wor­fe­nen Arti­keln. 3 Jah­re spä­ter, im Jahr 2009, brach­te sie eine Mode­li­nie namens #wha­tin­si­dey­ou auf den Markt. Im fol­gen­den Jahr eröff­ne­te sie eine Platt­form – Jou Jou Vil­leroy – auf der damals sehr belieb­ten und ange­sag­ten Sei­te MyS­pace, die Blogs zu ver­schie­de­nen The­men anbot. Zeit­gleich mit dem Auf­stieg von Insta­gram kommt Gra­zia, ein Mode-Maga­zin für Frau­en und Life­style, auf sie zu: Gra­zia über­gibt Eleo­no­ra Cari­si ein Han­dy und bit­tet sie, ein Pro­fil auf Insta­gram zu eröff­nen und dort ihre Fotos zu pos­ten, Gedan­ken aus­zu­tau­schen und inter­es­san­te Inhal­te mit der Öffent­lich­keit zu teilen.

Der Rest ist Geschich­te: Nach­dem Eleo­no­ra zu einem der „It-Girls“ von Gra­zia gewor­den war, arbei­te­te sie als Model und wur­de zum Tes­ti­mo­ni­al für welt­weit bekann­te Mar­ken, wie Moschi­no, Tod’s, L’Oreal, Cha­nel, Guc­ci, Fer­ra­ga­mo und Lier­ac. Sie ist der­zeit Mar­ken­bot­schaf­te­rin für Bul­ga­ri, war bis vor kur­zem Wer­be­trä­ge­rin für die Beklei­dungs­mar­ke der Inditex-Grup­pe (der auch die Mar­ke Zara gehört), Dior, Lou­is Vuit­ton, LG Sam­sung und hat vie­le inter­es­san­te Pro­jek­te am Laufen.

Es geht nicht dar­um ein uner­reich­ba­res Selbst­bild zu schaf­fen, son­dern statt­des­sen die eige­ne Per­sön­lich­keit hervorzuheben. 

Eleo­no­ra defi­niert sich nicht als ein­fa­che Influ­en­ce­rin: Mit ihrem Insta­gram-Pro­fil zieht sie täg­lich Zehn­tau­sen­de Men­schen an, indem sie gla­mou­rö­se Fotos von sich selbst ver­öf­fent­licht, die mit Mar­ken in Ver­bin­dung gebracht wer­den, für die sie als Wer­be­trä­ge­rin tätig ist. Sie teilt dort auch per­sön­li­che Inhal­te, Gedich­te, Zita­te und Refle­xio­nen, die in die Tie­fe gehen, um sich nicht nur in die Gegen­wart, son­dern auch in die Zukunft zu pro­ji­zie­ren. Und das gelingt ihr auch: Ihre Kar­rie­re ist seit drei Jah­ren nicht mehr nur auf die einer Influ­en­ce­rin beschränkt, son­dern sie hat gemein­sam mit ihrem Kol­le­gen Iva­no Mari­no die Mai­län­der Agen­tur Grum­ble gegrün­det, eine ech­te Ent­de­ckung im Bereich der krea­ti­ven Kom­mu­ni­ka­ti­on, die Web­stra­te­gien ent­wi­ckelt und per­so­na­li­sier­te Inhal­te gemäß den Bedürf­nis­sen der ein­zel­nen Kun­den­un­ter­neh­men aus ver­schie­de­nen Sek­to­ren, dar­un­ter Mode, Life­style, Well­ness, Kuli­na­ri­sches und Beau­ty erstellt und zu deren Kun­den u.a. Fay, Peser­i­co 1962, Die­sel Hau­te Cou­ture, H & M Stu­dio und ande­re zäh­len. Hier lebt sie die Rol­le der Krea­tiv­di­rek­to­rin. Seit Mai 2018 stellt sich Grum­ble mit Grum­ble Manage­ment einer neu­en „Her­aus­for­de­rung“, dem Scou­ting, der För­de­rung und dem Manage­ment von Talen­ten in der gesam­ten Welt der Mode, des Kinos und der Unter­hal­tung. Heu­te managt Grum­ble Manage­ment 15 Talen­te, dar­un­ter Schau­spie­ler, Visa­gis­ten, Foto­gra­fen, Künst­ler und eben auch Influencer.

Was ich vom Gespräch mit Eleo­no­ra Cari­si mit­neh­me, ist die Bot­schaft, die jeder gro­ße Influ­en­cer beach­ten oder an sei­ne Fol­lo­wers wei­ter­ge­ben soll­te, die von einer ähn­li­chen Kar­rie­re träu­men: das Geheim­nis der erfolg­rei­chen Influ­en­cer liegt nicht im Sel­fie, im „Hash­tag“ oder im „Like“, in der Anzahl der Fol­lo­wers oder in der Insta­gram-Geschich­te. Was zählt ist „sich aus­zu­ken­nen“, ein­falls­reich, sorg­fäl­tig und krea­tiv zu sein und die Auf­merk­sam­keit der Fol­lo­wers und der Öffent­lich­keit auf sich zu zie­hen, indem man zeigt, dass man nicht nur ein Image ver­kauft, son­dern sich jeden Tag neu erfin­det, neu­en Her­aus­for­de­run­gen stellt und den Mut hat Gren­zen aus­zu­lo­ten, ohne dabei sei­ne Inte­gri­tät zu ver­lie­ren. Es geht nicht dar­um ein uner­reich­ba­res Selbst­bild zu schaf­fen, son­dern statt­des­sen die eige­ne Per­sön­lich­keit her­vor­zu­he­ben. Nur so blei­ben Ruhm, Popu­la­ri­tät, Erfolg und Talent auf Dau­er erhal­ten statt inner­halb kur­zer Zeit wie eine Sei­fen­bla­se zu zerplatzen.

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geschrieben von

1987 in Faenza geboren, wo sie derzeit lebt. Die Leidenschaft für Reisen, Musik und Kunst zog sie nach dem Abitur für Pädagogik (2006) nach Bologna. Sie studierte Sprach- und Kulturvermittlung (2006-2010) und Kommunikationswissenschaften (Laurea Magistrale, 2011-2013). Nach dem Masterabschluss arbeitete sie für die Tageszeitung "La Voce di Romagna ", die es ihr 2016 ermöglichte den Journalistenstatus zu erlangen. Neben dem Kunstmagazin MilionArt Kaleidoscope schreibt sie derzeit für zwei lokale Online – Magazine (darunter eine Online - Zeitung der Provinz Bologna) und widmet sich dem Studium der redaktionellen Übersetzung an der Universität von Urbino.

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