Peter Kogler vernetzt im Kunsthaus Graz assoziativ

Technische Produktionsmöglichkeiten im Dialog mit organischen Formen

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Auf zwei Stock­wer­ken wid­met sich die Aus­stel­lung Con­nec­ted. Peter Kog­ler with … dem Den­ken in einer ver­netz­ten Welt von Bil­dern und Codie­run­gen. Eine Matrix aus Arbei­ten des Medi­en­künst­lers Peter Kog­ler der letz­ten 30 Jah­re formt im unte­ren Geschoss die Struk­tur und greift eine Geschich­te künst­le­ri­scher Avant­gar­de-Netz­wer­ke auf, die 1924 in Wien bei Fried­rich Kies­lers „Inter­na­tio­na­ler Thea­ter­aus­stel­lung“ beginnt. Zen­tral ist die Bedeu­tung der Wirk­kraft von For­men und Rhyth­men im orga­nisch-tech­no­lo­gisch gepräg­ten Raum. Sie las­sen sich bei Fer­nand Léger und Geor­ge Ant­heil eben­so able­sen wie an den Möbel- und Wohn­bau­ent­wür­fen von Char­lot­te Per­ri­and und beson­ders an Büh­nen- und Aus­stel­lungs­kon­zep­ten von Fried­rich Kies­ler, die im Kunst­haus ihren idea­len Ent­fal­tungs­raum bekom­men. Sie fin­den sich auch in den Kom­mu­ni­ka­ti­ons­er­fin­dun­gen von Otto Neu­r­a­th und Hedy Lamarr sowie in den sich par­al­lel zur Tech­nik ent­wi­ckeln­den Bild­fin­dun­gen von Kogler.

Peter Kog­ler und sein Netz­werk: Der Name Peter Kog­ler ist seit Jahr­zehn­ten weit über Graz hin­aus inter­na­tio­nal bekannt. Spä­tes­tens seit 2003 und der gro­ßen Wand­ar­beit in der Gra­zer Bahn­hofs­hal­le, die nicht nur über die Jah­re bestehen blieb, son­dern sogar um eine wei­te­re im Bahn­hofs­neu­bau und der zwei­ten Unter­füh­rung ergänzt wur­de, kennt auch ein brei­tes Publi­kum vor Ort sei­ne Arbei­ten. Graz bedeu­tet in Kog­lers Schaf­fen aber noch viel mehr. So ist hier sei­ne Pro­du­zen­ten­ga­le­rie Arte­lier Con­tem­po­ra­ry behei­ma­tet, mit der Kog­ler vie­le Druckerzeug­nis­se wie auch sei­ne ers­ten digi­ta­len Pro­jek­te realisierte.

In der Samm­lung der Neu­en Gale­rie Graz sind dem­entspre­chend eini­ge sei­ner Wer­ke ver­tre­ten und auch im Öster­rei­chi­schen Skulp­tu­ren­park steht eine rie­sen­haf­te Bank als end­los sich win­den­de Ras­ter­struk­tur um einen Baum am Lotos­teich. Kog­ler ist einer der wich­tigs­ten und ers­ten Medi­en­künst­ler Öster­reichs mit einer Affi­ni­tät zum Tech­no­iden und so gibt es direk­te inhalt­li­che Schnitt­men­gen sei­ner Arbeit mit dem Kunst­haus und des­sen tech­n­ou­to­pi­scher Archi­tek­tur. Sei­te 2 In Kor­re­spon­denz zur Col­la­ge-Pra­xis des Medi­en­künst­lers formt sich im Kunst­haus ein mehr­di­men­sio­na­les Bezugs­sys­tem. Als räum­li­che Mon­ta­ge wer­den im unte­ren Geschoss bedeu­ten­de Leih­ga­ben und Neu­in­ter­pre­ta­tio­nen der Avant­gar­de in einer Struk­tur von Kog­lers groß­flä­chi­gen Wand­ar­bei­ten im bio­morph-tech­no­lo­gi­schen Raum zusammengebracht.

In enger Zusam­men­ar­beit mit Peter Kog­ler ent­stand für die Aus­stel­lung eine offe­ne Matrix, die sich als eige­ne Wand- und Trä­ger­struk­tur in die „Living Archi­tec­tu­re“ von Peter Cook und Colin Four­nier und deren Geschich­te hin­ein­webt. Kog­ler schiebt für den unte­ren Aus­stel­lungs­raum (Space02) eine recht­wink­lig orga­ni­sier­te Struk­tur ein, die sich als Ges­te der Moder­ne im orga­nisch­tech­ni­schen Raum mani­fes­tiert und einen Rah­men für Wer­ke der Avant­gar­de und eine der Zeit und ihrer Tech­nik adäqua­te Neu­in­ter­pre­ta­ti­on durch den Klang­künst­ler Win­fried Rit­sch schafft. Das geo­me­tri­sche Ras­ter, bestehend aus mecha­nisch beweg­ten und fixen Vor­hän­gen, über 80 über­ein­an­der gereih­ten col­la­gier­ten Bil­dern, Tape­ten­wän­den, einem LED-Moni­tor­raum und hän­gen­den Stoff­bah­nen, for­miert sich zu fle­xi­blen Wän­den, deren visu­el­le Mus­ter aus ver­schie­de­nen Pha­sen des bald vier Jahr­zehn­te wäh­ren­den Schaf­fens von Kog­ler den Raum struk­tu­rie­ren und gleich­zei­tig visu­ell zum Flie­ßen bringen.

Das hyp­no­ti­sche Bal­let méca­ni­que Im Zen­trum der Prä­sen­ta­ti­on im Space02 steht die Refle­xi­on des weg­wei­sen­den und revo­lu­tio­nä­ren Bal­let méca­ni­que. Das bis heu­te nach­hal­len­de Werk, das als ers­te sur­rea­lis­tisch­da­da­is­tisch geplan­te Ver­bin­dung zwi­schen Film­mon­ta­ge und mecha­ni­sier­ter Musik zwi­schen den Künst­lern Fer­nand Léger als Bild­kom­po­si­teur, Dud­ley Mur­phy als Kame­ra­mann und Geor­ge Ant­heil als Kom­po­nist Anfang der 1920er-Jah­re geplant war, woll­te in den Wor­ten von Ant­heil „dem (heu­ti­gen) Zeit­al­ter sowohl die Schön­heit wie auch die Gefahr sei­ner unbe­wuss­ten mecha­ni­schen Phi­lo­so­phie und Ästhe­tik klar­ma­chen.“ Der Effekt des Stü­ckes ist hyp­no­tisch: schnells­te, mecha­nisch prä­zi­se Rhyth­men wech­seln sich mit Atta­cken auf die Tas­ten des Instru­men­tes und furcht­erre­gen­der Stil­le ab.

Win­fried Rit­sch, der seit vie­len Jah­ren als expe­ri­men­tel­ler Klang­künst­ler und Auto­ma­ten­in­stru­men­ten­bau­er instal­la­ti­ve Arbei­ten für den öffent­li­chen und den Muse­ums­raum macht, zeigt in sei­ner aus­schließ­lich maschi­nell gespiel­ten Neu­in­ter­pre­ta­ti­on der Par­ti­tur wie exem­pla­risch sein Vor­ge­hen für eine Ver­an­ke­rung des Stü­ckes vor Ort und in der Archi­tek­tur des Hau­ses selbst ist. Für die Umset­zung der Neu­in­ter­pre­ta­ti­on unter­stüt­zen Win­fried Rit­sch das Ate­lier Algo­ryth­mics und Stu­die­ren­de der Kunst­uni­ver­si­tät Graz. Ein­tau­chen in Archi­tek­tur, Struk­tur, Bild und Sound Im obe­ren Geschoss (Space01) setzt sich das ver­netz­te Den­ken in der Gestalt eines immersi­ven Illu­si­ons­rau­mes fort: Ein dyna­mi­sches Lini­en­ge­flecht Peter Kog­lers ver­setzt dort mit rausch­haf­tem Sound von Franz Pomassl die bestehen­de Git­ter­struk­tur der Archi­tek­tur in hyp­no­ti­sche und spür­ba­re Bewegung.

Ent­lang von Par­al­le­len in Kog­lers ana­ly­ti­schem Medi­en­schaf­fen und weg­wei­sen­den Ereig­nis­sen und Bild­fin­dun­gen der Avant­gar­de – wie dem prä­gen­den Film Bal­let méca­ni­que von Fer­nand Léger und Dud­ley Mur­phy – ent­steht ein ver­zweig­tes Netz von künst­le­ri­schen Expe­ri­men­ten in der Aus­ein­an­der­set­zung mit dem repro­du­zier­ba­ren Bild. Das dada­is­ti­sche Bal­let méca­ni­que, das in Wien bei Fried­rich Kies­ler auf des­sen berühm­ter Raum­büh­ne 1924 urauf­ge­führt wur­de, führt über zu Kies­lers cor­rea­lis­ti­schen Büh­nen­ideen und Légers Ziel einer Syn­the­se der Küns­te zuguns­ten einer neu­en Gesell­schaft, das er mit Kunst­schaf­fen­den wie Char­lot­te Per­ri­and teilt. Ent­lang einer grund­sätz­li­chen Beschäf­ti­gung mit neu­en Tech­ni­ken und tech­no­lo­gi­schen Ent­wick­lun­gen formt Con­nec­ted Medi­en­ge­schich­te nach, die in Öster­reich tief ver­wur­zelt ist.

Die Aus­stel­lung ist damit zugleich im Sin­ne einer Abwick­lung von Mus­tern, Struk­tu­ren und Bild­mon­ta­gen im Raum als Sei­te 3 künst­le­ri­sches Pro­jekt wie auch als Ein­bet­tung von Kog­lers Schaf­fen in eine all­ge­mei­ne Kunst­und Medi­en­ge­schich­te zu lesen, in der dem Men­schen eine zen­tra­le Rol­le zukommt. Eine Aus­stel­lung als Netz, als Abbild des Denk­pro­zes­ses, als Spie­gel einer all­täg­li­chen algo­rith­mi­schen Suche nach Mar­kern im Inter­net – oder eben als Gehirn­struk­tur aus Syn­ap­sen, Neu­ro­nen­strän­gen und Boten­stof­fen: Con­nec­ted. Peter Kog­ler with … lässt sich als Geflecht erle­ben, in dem das beweg­te Publi­kum zum wesent­li­chen Teil der flie­ßen­den Struk­tur wird. Als Bezugs­sys­tem legt es sich in den drei­di­men­sio­na­len Kunst­raum der Maschi­nen­ar­chi­tek­tur des Kunst­hau­ses, formt sich über his­to­ri­sche, kon­zep­tu­el­le, inhalt­li­che und gestal­te­ri­sche Kri­te­ri­en und legt dabei im Sin­ne von Deleu­ze und Guat­ta­ri den Fokus auf ein maschi­ni­sches Den­ken der Beziehungen.

Unser Hotel­tipp in Graz: Schlossberghotel…eines der schöns­ten Kunsthotels…

Kai­ser-Franz-Josef-Kai 30
A‑8010 Graz

T: +43 316 80 700
office@schlossberghotel.at
www.schlossberghotel.at

 

Aus­stel­lung: Con­nec­ted. Peter Kog­ler with…bis zum 20.10.2019

Kunst­haus Graz, Uni­ver­sal­mu­se­um Joanneum
Lend­kai 1, 8020 Graz

T +43–(0)316/8017–9200
Diens­tag bis Sonn­tag, 10 bis 17 Uhr

Wei­te­re Infor­ma­tio­nen zur Ausstellung
und zum Rah­men­pro­gramm:
www.kunsthausgraz.at

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