Feministisch Kultureller Diskurs

Chantal Akerman und Annette Messager

Der ESPACE CULTUREL LOUIS VUITTON MÜNCHEN prä­sen­tiert mit Les Appro­ches die Posi­tio­nen der bel­gi­schen expe­ri­men­tel­len Fil­me­ma­che­rin Chan­tal Aker­man und der fran­zö­si­schen bil­den­den Künst­le­rin Annet­te Mess­ager. Unter der künst­le­ri­schen Lei­tung der Fon­da­ti­on Lou­is Vuit­ton wur­de die Aus­stel­lung im Rah­men der kura­to­ri­schen „Hors-les-murs“-Pro­jek­te der Fon­da­ti­on kon­zi­piert, die bis­lang kaum bekann­te Samm­lungs­be­stän­de in den Espace cul­tu­rels Lou­is Vuit­ton in Mün­chen, Vene­dig, Peking und Tokio zei­gen. Damit unter­streicht die Fon­da­ti­on ihre Ziel­set­zung, inter­na­tio­na­le Initia­ti­ven zu rea­li­sie­ren und die­se einem brei­ten Publi­kum zugäng­lich zu machen. Les Appro­ches setzt sich mit den exis­ten­zi­el­len und auto­bio­gra­phi­schen Ele­men­ten, die dem Werk bei­der Künst­le­rin­nen gemein­sam sind, aus­ein­an­der – im Beson­de­ren mit ihrer Suche nach einer ver­bes­ser­ten Reprä­sen­ta­ti­on der Frau sowie dem Stel­len­wert weib­li­cher künst­le­ri­scher Posi­tio­nen im erwei­ter­ten kri­ti­schen Kon­text der bil­den­den Küns­te seit den 1970er Jah­ren.

Die Aus­stel­lung zeigt Aker­mans Video­ar­beit mit zwei Pro­jek­tio­nen Femmes d’Anvers en Novembre (2008), eine visu­el­le Hom­mage an eine rau­chen­de Frau: eine bana­le, all­täg­li­che Hand­lung, die zu einem Leit­mo­tiv in Aker­mans über 40-jäh­ri­ger künst­le­ri­scher Pra­xis wur­de. Indem sie die heik­le Fra­ge stellt, inwie­fern Frau­en über den eige­nen Kör­per frei ver­fü­gen kön­nen, wird die Arbeit zu einer aus­drucks­star­ken Medi­ta­ti­on über Gren­zen und Begren­zun­gen, Fik­ti­on und Nar­ra­ti­on sowie die Schnitt­stel­le zwi­schen per­sön­li­cher Geschich­te und kol­lek­ti­vem Gedächt­nis. Male­ri­scher Duk­tus sowie atmo­sphä­ri­sche Tie­fe der Arbeit erin­nern an den fran­zö­si­schen und ame­ri­ka­ni­schen film noir, in dem das Kine­ma­to­gra­fi­sche mit­un­ter Vor­rang vor dem Hand­lungs- und Erzähl­strang besitzt. Das Werk steht para­dig­ma­tisch für Aker­mans Pio­nier­ar­beit, im Medi­um der Video­in­stal­la­ti­on Kino und visu­el­le Kunst ver­schmel­zen zu las­sen.

Mas­sa­gers Ma collec­tion de pro­ver­bes (2012) umfasst drei­zehn kli­schee­haf­te, nega­tiv auf Frau­en bezo­ge­ne Sprich­wör­ter, aus­ge­stellt als Sti­cke­rei­en in ento­mo­lo­gi­schen Schau­käs­ten. Die Ver­bin­dung des weib­li­chen Medi­ums der Hand­ar­beit mit einem der Zoo­lo­gie ent­lehn­ten Prä­sen­ta­ti­ons­mo­dus ver­leiht der Arbeit einen glei­cher­ma­ßen pro­vo­zie­ren­den als auch humor­vol­len Cha­rak­ter, und hin­ter­fragt Fakt oder Fik­ti­on der Aus­sa­gen. Das titel­ge­ben­de Werk Les Appro­ches (1973) ist ein aus archi­va­ri­schen Stu­di­en her­vor­ge­gan­ge­nes Künst­ler­buch, bestehend aus einer Samm­lung von kate­go­ri­sier­ten Schwarz-Weiß-Foto­gra­fien expli­zi­ter, männ­li­cher Posi­tu­ren. In Mémoi­re-Robots (2015) wer­den die bei­den Wör­ter des Titels ein­an­der gegen­über­ge­stellt. Der schwar­ze Schlei­er, der das ers­te Wort umhüllt, evo­ziert inti­me, eng mit dem Gewe­be unse­res Lebens ver­floch­te­ne Erin­ne­run­gen.

Der zwei­te Begriff hin­ge­gen wird in inten­si­ven, far­bi­gen Buch­sta­ben aus Plüsch­tie­ren prä­sen­tiert und scheint die Vor­stel­lung einer ver­gan­gen­heits­lo­sen Maschi­ne, die imstan­de wäre, den Men­schen zu erset­zen, in ein trü­ge­risch harm­lo­ses Licht zu tau­chen. Ergänzt wer­den die­se Arbei­ten von drei für Mess­ager cha­rak­te­ris­ti­schen Skulp­tu­ren, die aus Mario­net­ten, Pup­pen, Mas­ken, Tutus, Stof­fen und wei­te­ren objets trou­vés bestehen: beun­ru­hi­gen­de, ver­stö­ren­de Sinn­bil­der einer Umkeh­rung und eines Umbruchs von Iden­ti­tä­ten und Exis­ten­zen, denen ein maka­brer Humor anhaf­tet.

Mit Les Appro­ches prä­sen­tiert der Espace cul­tu­rel Lou­is Vuit­ton Mün­chen die ers­te von zwei für das Jahr 2016 geplan­ten Aus­stel­lun­gen, die außer­ge­wöhn­li­chen weib­li­chen künst­le­ri­schen Posi­tio­nen und deren Bei­trag zum zeit­ge­nös­si­schen Dis­kurs gewid­met sind.

Kontakt

Espace  Lou­is  Vuit­ton
Maxi­mi­li­an­stras­se 2a,
80539 Mün­chen,
T +49 89 55 89 38 100,
info_espace@de.vuitton.com

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