Darf Geld auf Reisen gehen und wenn ja, wohin?

Interview mit Peter Tiefenthaler, Tanja Rovagnati und Andreas Sigwart

Rei­sen gilt für vie­le als Kunst­form. Für die einen steht der Weg im Vor­der­grund. Für ande­re ist es das Ziel. Doch wie ver­hält es sich mit Geld? Was macht es eigent­lich, wenn wir es nicht aus­ge­ben? Ruht es gemüt­lich in siche­ren Ver­an­la­gun­gen, oder rast es mit Licht­ge­schwin­dig­keit um die Welt? Und wie macht man Geld zu Gold?

Wir haben bei den Veranlagungsexpert*innen im Pri­va­te Ban­king der Tiro­ler Spar­kas­se nach­ge­fragt. Im Gespräch mit stay­in­art waren der Lei­ter des Pri­va­te Ban­king Peter Tief­entha­ler sowie Tan­ja Rova­gna­ti und Andre­as Sig­wart. Dass sich Geld bewegt, ist uns bewusst, wenn wir es aus­ge­ben. Anders ver­hält es sich, wenn wir es zur Bank tra­gen. Hier stel­len wir uns vor, es wür­de in weit­läu­fi­gen Tre­sor­räu­men zwi­schen Gold­bar­ren und Kunst­ge­gen­stän­den schlum­mern und ein ruhi­ges, siche­res Dasein füh­ren.

Dass sich Geld bewegt, ist uns bewusst, wenn wir es aus­ge­ben. Anders ver­hält es sich, wenn wir es zur Bank tra­gen. Hier stel­len wir uns vor, es wür­de in weit­läu­fi­gen Tre­sor­räu­men zwi­schen Gold­bar­ren und Kunst­ge­gen­stän­den schlum­mern und ein ruhi­ges, siche­res Dasein füh­ren.

TIEFENTHALER: Das wäre schlecht. Nicht unbe­dingt für das Geld. Dem ist das egal. Aber für das Finanz­sys­tem, das Wirt­schaf­ten erst mög­lich macht. Im Gegen­satz zu uns Men­schen muss sich Geld bewe­gen, um zuzu­le­gen. Macht es das nicht, nimmt es ab.

Weil die Zin­sen so nied­rig sind?

ROVAGNATI: Nicht nur. Auch die Zei­ten für Ver­an­la­gun­gen in Wert­pa­pie­ren haben sich geän­dert. Für akzep­ta­ble Erträ­ge müs­sen vor allem auf­grund der anhal­ten­den Null­zins­po­li­tik der EZB mehr Risi­ko­to­le­ranz und län­ge­re Ver­an­la­gungs­zei­ten in Kauf genom­men wer­den. Frü­her lau­te­te die Devi­se: Wert­pa­pie­re kau­fen, zehn Jah­re nichts tun und die Erträ­ge kas­sie­ren. Heu­te ist ohne akti­ves Manage­ment von Ver­mö­gen eine sta­bi­le Ent­wick­lung prak­tisch unmög­lich.

Und da kom­men Sie und Ihr Team ins Spiel?

TIEFENTHALER: Genau. Und wenn Sie so wol­len, liegt auch das in unse­rem Kern­auf­trag, der auf die Grün­dung der Tiro­ler Spar­kas­se im Jahr 1822 zurück­geht. Unser Leit­ge­dan­ke damals: Wir wol­len dazu bei­tra­gen, den Wohl­stand der Men­schen in unse­rer Regi­on zu ver­grö­ßern und zu sichern. Die­ser Grund­satz dient auch im Pri­va­te Ban­king als Fun­da­ment einer erfolg­rei­chen Betreu­ung.

Wie dür­fen wir uns das vor­stel­len?

TIEFENTHALER: Das Pri­va­te Ban­king ist die „Pri­vat­bank“ inner­halb der Tiro­ler Spar­kas­se. Als Kun­de genie­ßen Sie die Vor­zü­ge indi­vi­du­el­ler Finanz­lö­sun­gen, selbst­ver­ständ­lich mit enga­gier­ter und per­sön­li­cher Betreu­ung durch spe­zi­ell aus­ge­bil­de­te Pri­va­te Ban­ker. Für Sie heißt das: Ver­trau­en und Indi­vi­dua­li­tät mit einem regio­na­len Part­ner für eine kom­pe­ten­te Geld­an­la­ge. Gleich­zei­tig bie­tet die Tiro­ler Spar­kas­se durch ihre Ein­bet­tung in die inter­na­tio­na­le Grup­pe der Ers­ten Bank eine maß­ge­schnei­der­te „Sta­te oft the Art“-Produktpalette und einen direk­ten Zugang zu glo­ba­len Märk­ten.

Das klingt nach einer hohen Kunst.

ROVAGNATI: Geld­an­la­ge ist kei­ne Kunst im klas­si­schen Sinn, son­dern Wis­sen­schaft. Über Erfol­ge oder eben auch Miss­erfol­ge ent­schei­det die Qua­li­tät der Ver­mö­gens­be­ra­tung. Attrak­ti­ve Ren­di­ten sind kei­ne Selbst­ver­ständ­lich­keit, son­dern Ergeb­nis aus Erfah­rung und Anwen­dung von Exper­ti­se.

Was ist das rich­ti­ge Pro­dukt für wel­chen Anle­ger?

ROVAGNATI: Wenn ich jetzt Ihr Bild vom Rei­sen auf­grei­fe, muss ich als Ihr Rei­se­ver­an­stal­ter zunächst wis­sen, ob Sie eher der Berg- oder der Meer­typ sind, um Sie rich­tig zu bera­ten. Und Sie als Kun­de müs­sen wis­sen, wel­che Rei­se Sie gebucht haben, damit Sie Ihren Kof­fer rich­tig packen. Kun­den müs­sen ver­ste­hen, wel­che Pro­duk­te sie gewählt haben. Auf­grund der unüber­schau­ba­ren Anzahl an Kapi­tal­markt­pro­duk­ten ste­hen Anle­ger vor der Her­aus­for­de­rung, je nach Markt­pha­se die opti­ma­le Zusam­men­set­zung ihrer Wer­te zu fin­den. Das kann schnell unüber­sicht­lich wer­den. Umso wich­ti­ger sind per­sön­li­cher Kon­takt und Betreu­ung.

Wie ver­hält es sich mit Berg- und Tal­fahr­ten? Im Ski­ur­laub klingt das auf­re­gend. Beim eige­nen Geld weni­ger.

TIEFENTHALER: Als Anle­ger muss man in der Lage sein, das Ver­mö­gen aus Grün­den der Risi­ko­mi­ni­mie­rung auf ver­schie­de­ne Posi­tio­nen auf­zu­tei­len, Trends früh­zei­tig zu erken­nen und mög­li­che Kata­ly­sa­to­ren für künf­ti­ge Kurs­be­we­gun­gen zu iden­ti­fi­zie­ren. So las­sen sich ris­kan­te Tal­fahr­ten ver­mei­den.

Darf ich mir als Anle­ger auch etwas nahe­zu Unmög­li­ches wün­schen? Wie eine Rei­se zum Mond etwa?

TIEFENTHALER: Von Aus­flü­gen ins sprich­wört­li­che All wür­den ich abra­ten. Geld ver­nich­ten kann jeder. Der Grund­stein für einen Ver­mö­gens­auf­bau soll­te immer eine lang­fris­ti­ge, wert­ori­en­tier­te Anla­ge­po­li­tik sein. Der Ver­mö­gens­ver­wal­tung kön­nen aber je nach Wunsch Ein­zel­ti­tel oder Invest­ment­fonds zugrun­de gelegt wer­den. Hier kön­nen Sie auch durch­aus krea­tiv sein.

Peter Tief­entha­ler

Blei­ben wir beim Rei­se­ver­gleich. Neh­men wir ein­mal an, ich möch­te ein Jahr lang um die Welt rei­sen. Wie wür­den Sie das anle­gen?

ROVAGNATI: Eine schö­ne Auf­ga­be. Beson­ders für mich als Cer­ti­fied Finan­cial Plan­ner® (CFP). Ein Rei­se­pla­ner muss zuerst wis­sen, wann Sie wo sein möch­ten. Weih­nach­ten unter Pal­men, Som­mer in Alas­ka? Als CFP inter­es­siert mich Ihr finan­zi­el­les Rei­se­ziel: Was wol­len Sie wann anschaf­fen, wann brau­chen Sie wie viel Bar­mit­tel? Der Aus­gangs­punkt für ein gutes Finan­cial Plan­ning ist also immer Ihre indi­vi­du­el­le Lebens- und Ver­mö­gens­si­tua­ti­on, ver­knüpft mit Ihren per­sön­li­chen Wün­schen, Zie­len und Mög­lich­kei­ten. Es geht kurz gesagt um eine sys­te­ma­ti­sche Pla­nung und Stra­te­gie. Risi­ken ver­su­chen wir zu mini­mie­ren. Genau wie das auch ein guter Rei­se­ver­an­stal­ter macht und Sie nicht in der Hur­ri­kan-Sai­son in die Kari­bik schickt.

Tan­ja Rova­gna­ti

Warum ist Gold plötz­lich wie­der inter­es­sant?

SIGWART: In den letz­ten Mona­ten haben sich weni­ge für Gold inter­es­siert. Es galt als totes Geld. Jetzt sind die Märk­te und Men­schen durch schlech­te­re Wirt­schafts­pro­gno­sen mehr und mehr ver­un­si­chert. Kon­flik­te im Nahen und Mitt­le­ren Osten, die Span­nun­gen in der Stra­ße von Hor­mus, der Han­dels­kon­flikt zwi­schen den USA und Chi­na, ein unbe­re­chen­ba­rer ame­ri­ka­ni­scher wer­den. Jeder Kun­de kann sei­ne Gold­käu­fe in einer eige­nen Buchungs­zei­le ein­se­hen und sein Gold jeder­zeit tat­säch­lich abho­len. Die­ser Wert ist phy­sisch in einem Tre­sor in Inns­bruck hin­ter­legt. Ban­ken haben übri­gens kein gestei­ger­tes Inter­es­se dar­an, Gold zu ver­kau­fen. Es liegt mehr im Inter­es­se des Kun­den. Unse­re Emp­feh­lung liegt bei bis zu ca. zehn Pro­zent des zu ver­an­la­gen­den Ver­mö­gens.

Andre­as Sig­wart

Wenn es trotz­dem stürmt, kann ich dann stor­nie­ren oder umbu­chen?

ROVAGNATI: Selbst­ver­ständ­lich. Unse­re Auf­ga­be ist es ja, gera­de dann Alter­na­ti­ven zu fin­den, wenn sich Para­me­ter ändern. Das kann ein ande­res Ein­kom­men sein oder neue Steu­ern. Im Ide­al­fall ist unse­re Arbeit „lebens­be­glei­tend“. Dann pro­fi­tie­ren Sie im dop­pel­ten Sin­ne vom Mehr­wert unse­rer Arbeit.

Was, wenn ich einer von jenen Men­schen bin, die gern auf Num­mer sicher gehen?

SIGWART: Sie fra­gen nach dem „Öster­reich-Urlaub“ unter den Anla­ge­mög­lich­kei­ten? Im Moment ist das Gold.

Weil der Gold­preis in den letz­ten Wochen gestie­gen ist?

SIGWART: Ganz so ein­fach ist das auch wie­der nicht. Aber las­sen Sie es mich ein­mal so erklä­ren: Gold darf man nicht unbe­dingt als Spe­ku­la­ti­ons­in­stru­ment sehen, son­dern eher als Ver­si­che­rung. Das macht für einen gewis­sen Anteil des Ver­mö­gens Sinn. Wir kom­men ja immer wei­ter weg vom Bar­zah­len hin zum vir­tu­el­len Geld. Aber was, wenn die­se Sys­te­me ein­mal wirk­lich aus­fal­len? Bei uns im Pri­va­te Ban­king in der Tiro­ler Spar­kas­se kann Ihr Gold auch ins Depot ein­ge­bucht wer­den.

Soll ich Gold in Form von Mün­zen kau­fen?

SIGWART: Wenn es Ihnen Sicher­heit gibt, dass Sie im Fall der Fäl­le mit Ihrem Gold tat­säch­lich bezah­len kön­nen, dann ja. Es ist über die Jahr­tau­sen­de hin gese­hen die sta­bils­te Wäh­rung. Schon in der Anti­ke hieß es, dass man für eine Unze Gold ein schö­nes Tuch bekommt. Das gilt noch immer. Für eine Unze Gold bekom­men Sie heu­te einen sehr guten Anzug. Die Kauf­kraft hat sich also erhal­ten. Der Phil­har­mo­ni­ker ist eine gute Ein­heit. Wenn Sie ganz klei­ne Ein­hei­ten wün­schen, kön­nen Sie auch Sil­ber kau­fen.

Was soll­ten mein Geld und mein Gold sich unbe­dingt anse­hen?

SIGWART: Als guter Tour­gui­de wür­de ich Ihnen raten, sich ein­mal Orte anzu­se­hen, die im Moment kom­plett out sind. Die gute alte Regel, dass man dann güns­tig kauft, wenn es noch kaum jemand macht, gilt natür­lich auch in die­sem Bereich. Bei nied­ri­gen Gold­prei­sen sind das oft jene Unter­neh­men, die das Gold abbau­en. Beden­ken muss man aller­dings auch, dass Gold und Sil­ber end­li­che Res­sour­cen sind. Sol­che Din­ge her­aus­zu­fin­den, zu beob­ach­ten und dann ent­spre­chend zu han­deln, das ist unse­re Auf­ga­be im Pri­va­te Ban­king.

Beitrag teilen
geschrieben von

Das Kunstmagazin, das mehr Zeit zum Lesen und mehr Raum zum Schauen beansprucht: ein Gegentrend zu vielen Megatrends. Geeignet für Kunstliebhaber, die tiefer gehen möchten und bereit sind, inspiriert zu werden. Intellektuell anspruchsvolle Inhalte, innovatives Layout und elegantes Design auf höchstem Qualitätsstandard.

Einkaufswagen
Kein Magazin im Einkaufswagen.
Summe
0,00 
Weiter einkaufen
0