Geteilte Kunst ist mehrfache Hilfe

Stecher mal vier (Anneliese, Günther, Walter und Clemens)

Wenn Eigen­schaf­ten wie beruf­li­che Pro­fes­sio­na­li­tät, Wis­sens­durst, Sam­mel­lust, Risi­ko­be­reit­schaft und letzt­end­lich eine Über­do­ses an sozia­ler Kom­pe­tenz auf einen ein­zi­gen Men­schen zutref­fen, liegt es auf der Hand zuerst an Gün­ther Ste­cher, den heu­te im tiro­ler Ober­land ansäs­si­gen Litho­gra­fen, zu denken.

Den Spu­ren sei­nes Vaters Wal­ter fol­gend, der als gelern­ter Buch­dru­cker in der Ver­lags­an­stalt Tyro­lia erfolg­reich tätig war, begann er 1967 sei­ne Aus­bil­dung zum Litho­gra­fen in der Dru­cke­rei Alpi­na. Dass der Zeit­punkt für die ers­ten Erfah­run­gen, im Umbruch zur Digi­ta­li­sie­rung und zur Wen­de zum Off­set­druck ein denk­bar ungüns­ti­ger war, konn­te durch die Begeis­te­rungs­fä­hig­keit der bei­den Lehr­meis­ter Rudolf Lech­leit­ner und Hubert Öfner wie­der wett gemacht wer­den. 1979 wag­te es Gün­ther Ste­cher, sich als Wer­be­gra­fi­ker – sei­ne Frau Anne­lie­se stets zur Sei­te − selb­stän­dig zu machen. Die muti­gen Ambi­tio­nen gaben ihm Recht, das Unter­neh­men wird heu­te gemein­sam und erfolg­reich mit Sohn Cle­mens geführt. Wis­sens­durst gepaart mit unvor­stell­ba­rer Sam­mel­lust moti­vier­te den drei­fa­chen Vater, sich mit der Kunst des kaum mehr prak­ti­zier­ten Stein­drucks inten­si­ver zu beschäftigen.

Nam­haf­te Künst­ler und Künst­le­rin­nen erober­ten im Lau­fe der Zeit die Litho­gra­fie-Werk­statt und mach­ten die­se Ein­rich­tung zu einem Mek­ka einer schon fast in Ver­ges­sen­heit gera­te­nen Kunstsparte. 

Das Anhäu­fen von Dru­cker­pres­sen und Werk­zeu­gen, vor allem aber die Lie­be für den not­wen­di­gen Soln­ho­fer Kalk­stein trie­ben das Kunst­wol­len an und for­cier­ten eine geziel­te aka­de­mi­sche Aus­bil­dung im ita­lie­ni­schen Urbi­no. Geschult und fest im Sat­tel sit­zend, mel­de­te sich Gün­ther Ste­cher 1984 zur Kon­zes­si­ons­prü­fung. Die Berech­ti­gung, das Gewer­be als Stein­dru­cker aus­zu­üben, brach­te ihm den Erfolg ein, heu­te zu den ganz weni­gen gewerb­li­chen Litho­gra­fen zu zäh­len. Mit der Unter­stüt­zung der lang­jäh­ri­gen Erfah­run­gen als Buch‑, Tief- und Off­set­dru­ckers sei­nes Vaters Wal­ter, began­nen die ers­ten zag­haf­ten Ver­su­che und an ihrer Sei­te, für Expe­ri­men­te stets bereit, der in der Nähe arbei­ten­de Künst­ler Prof. Hein­rich Til­ly. Nach einem Jahr erfolg­rei­chen Tes­tens, Son­die­rens und Ana­ly­sie­rens stell­ten sich die ers­ten Erfol­ge ein. Nam­haf­te Künst­ler und Künst­le­rin­nen erober­ten im Lau­fe der Zeit die Lito­gra­fie-Werk­statt und mach­ten die­se Ein­rich­tung zu einem Mek­ka einer schon fast in Ver­ges­sen­heit gera­te­nen Kunstsparte.

Bekann­te Per­sön­lich­kei­ten, die aufs Engs­te mit dem Kunst­kreis um die Lan­de­cker Gale­rie Ele­fant ver­bun­den waren, zähl­ten zu den ers­ten Anhän­gern und Bewun­de­rern. Die Pro­fes­sio­na­li­tät zum einen, die per­sön­li­che und sozia­le Art und Denk­wei­se des Hau­ses zum ande­ren, lie­ßen vie­le gleich­zei­tig auch zu Freun­den der Fami­lie wer­den. Chry­sel­dis Hofer- Mit­te­rer zähl­te durch ihre bereits früh aus­ge­präg­te Bild­spra­che, die auf einer von Lini­en umge­be­nen und mit kost­ba­rer Farb­ge­bung zu cha­rak­te­ri­sie­ren­den Flä­chen­kunst basiert, zu den ers­ten renom­mier­ten Litho­gra­fin­nen. Im Sog ihres Erfolgs sind die nam­haf­tes­ten Künst­ler, vor allem Zeich­ner, Maler und Radie­rer wie Paul Flo­ra, Her­bert Dan­ler, Anton Chris­ti­an, Robert Sche­rer, Elmar Kopp, Patri­cia Karg, Nino Malfat­ti, Gus­tav Stimpfl, aber auch Bild­hau­er wie Wal­ter Nagl, Jos Pir­kner oder Franz Pöha­cker u.v.a.m. zu fin­den. Der Erfolg mit und durch das Renom­mee der arri­vier­ten Künst­ler lässt den Unter­neh­mer Gün­ther Ste­cher nie die jun­gen Kol­le­gen ver­ges­sen, indem er durch akzep­ta­ble finan­zi­el­le Bedin­gun­gen immer wie­der ange­hen­de Talen­te för­dert – viel­leicht zu ent­de­cken und ihnen auch die „Angst“ zu neh­men, mit dem Unbe­kann­ten, dem Soln­ho­fer Plat­ten­kalk, ver­traut zu werden.

Neben den per­fek­ten Arbeits­be­din­gun­gen und den sen­sa­tio­nel­len litho­gra­fi­schen Ergeb­nis­sen, denkt man an die letz­te Arbeit von Nino Malfat­ti, ist das Haus Ste­cher auch für sein sozia­les Enga­ge­ment bekannt und der gan­zen Fami­lie sei Lob, Aner­ken­nung und Dank aus­zu­spre­chen. Das inzwi­schen bereits legen­där gewor­de­ne Bene­fiz-Fest in Affen­hau­sen ist (seit 2004) aus dem Tiro­ler Kunst­ka­len­der­jahr nicht mehr weg­zu­den­ken. Es ist ein Fest, zu dem die Fami­lie Ste­cher groß­zü­gig ein­lädt, ihre Türen öff­net, ihre Gäs­te bewir­tet und unter­hält, dabei nie ver­ges­send, dass es auf der ande­ren Sei­te vie­le Men­schen gibt, die auf die Hil­fe ande­rer ange­wie­sen sind. Seit Jah­ren trägt die gute Zusam­men­ar­beit mit den arri­vier­ten Künst­lern sozia­le Früch­te. Jedes Jahr gewinnt Gün­ther Ste­cher einen von Ihnen, sich für eine Bene­fiz-Litho­gra­fie-Auf­la­ge unter sei­ner Mit­hil­fe zur Ver­fü­gung zu stel­len. 125 signier­te und num­me­rier­te Blät­ter wer­den jedes Jahr (2017 Franz Mölk) zuguns­ten des „Tiro­ler Frau­en­hau­ses“ und der Initia­ti­ve „Frau­en hel­fen Frau­en“ ver­kauft. Die Freu­de auf bei­den Sei­ten ist groß, obwohl die Kunst mit vie­len geteilt wer­den muss.

www.stecher-stecher.at

Werk­statt Stein­dru­cke­rei Stecher
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geschrieben von

Studium der Kunstgeschichte in Innsbruck. Philosophische Dissertation über die Geschichte der Tiroler Glasmalerei- und Mosaikanstalt und deren Mosaike im Stadtgebiet von Innsbruck. Kurzzeitige Mitarbeit am Tiroler Kunstkataster. Als Ausstellungskuratorin und Autorin von Kunstmonografien und zahlreichen kunstpublizistischen Beiträgen u.a. für Ausstellungskataloge tätig.

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