Glänzt Geld?

Interview mit Peter Tiefenthaler, Karin Mutschlechner-Nigg und Armin Osele

Schon die Fra­ge­stel­lung die­ses Inter­views ver­lang­te natür­lich nach einem außer­ge­wöhn­li­chen Ambi­en­te. Gefun­den haben wir die­ses in der male­ri­schen Land­schaft des Lan­s­er­sees bei Inns­bruck, an dem Dani­el Rhom­berg und des­sen Vater Keith Mas­ca­renhas eine tra­di­ti­ons­rei­che Bade­an­stalt zu etwas ganz Beson­de­rem gemacht haben: einem Art­Loft als Salon für Ver­an­stal­tun­gen und dem Restau­rant Koi­Bar, das sich der japa­nisch inspi­rier­ten Küche ver­schrie­ben hat. Unter die­sen extra­va­gan­ten Bedin­gun­gen für die sonst so sach­li­chen Ban­ker Peter Tief­entha­ler, Karin Mutschlech­ner-Nigg und Armin Ose­le haben wir ver­sucht, uns ein eige­nes Bild vom Glanz des Gel­des zu machen.

Peter Tief­entha­ler, Karin Mutschlech­ner-Nigg und Armin Ose­le, © Tho­mas Stein­lech­ner

Warum seh­nen wir uns nach dem Gla­mour ver­gan­ge­ner Epo­chen?

TIEFENTHALER: Weil wir alle dazu nei­gen, die Ver­gan­gen­heit zu ver­klä­ren. Das gilt ganz beson­ders für die 20er Jah­re des letz­ten Jahr­hun­derts. Wir den­ken an Grand­ho­tels, extra­va­gan­te Klei­dung und Cham­pa­gner-Pyra­mi­den. An den Bör­sen-Crash 1929 erin­nern wir uns weni­ger gern.

Soll­te ich mir jetzt Sor­gen machen?

TIEFENTHALER: Nein. Seit­her hat sich viel geän­dert. Auch Ban­ken und die Poli­tik ler­nen aus der Geschich­te. Das haben wir an der Bewäl­ti­gung der Ban­ken­kri­se 2008 gese­hen.

Ist Geld gla­mou­rös?

TIEFENTHALER: Geld an sich ist ja weder gla­mou­rös noch sexy. Men­schen, die sehr viel davon haben, wer­den das sicher beru­hi­gend oder toll fin­den. Geld zu haben gibt uns also in ers­ter Linie das Gefühl, dass wir uns etwas Schö­nes oder Beson­de­res leis­ten kön­nen. Geld ist wie Treib­stoff oder Ener­gie, die alles in Bewe­gung brin­gen. Was das genau sein könn­te, ist eine ande­re Fra­ge.

Nehmen wir an, ich wäre unver­schämt reich. Viel­leicht haben Sie mir sogar dabei gehol­fen. Jetzt will ich so rich­tig ver­schwen­de­risch sein. Wozu wür­den Sie mir raten?

TIEFENTHALER: Spen­den Sie was davon. Das mei­ne ich ernst. Das machen übri­gens viel mehr ver­mö­gen­de Men­schen als Sie den­ken. Sie soll­ten aber jeden­falls etwas tun oder anschaf­fen, das Ihnen Freu­de macht. Um Ihnen da wei­ter zu hel­fen, müss­te ich schon ein biss­chen mehr wis­sen.

Wie soll ich mein Geld also los­wer­den?

OSELE: Sie sehen, ab einer gewis­sen Men­ge ist das gar nicht so ein­fach. Eine gute Ver­an­la­gung macht nach wie vor am meis­ten Sinn.

Und von den Erträ­gen bezah­le ich den Cham­pa­gner?

OSELE: So unge­fähr. Aber ver­ges­sen Sie nicht, Sie kön­nen ja auch bei einer Ver­an­la­gung in etwas Groß­ar­ti­ges inves­tie­ren. Etwas, das Ihnen gefällt oder am Her­zen liegt.

Sie mei­nen Umwelt­pro­jek­te oder För­dern einer Kunst­samm­lung?

OSELE: Zum Bei­spiel. Mit einer wohl über­leg­ten Inves­ti­ti­on kön­nen Sie Teil von etwas Grö­ße­rem wer­den. Die Loca­ti­on, in der wir uns heu­te befin­den, ist ein gutes Bei­spiel dafür.

Was ist für Sie Gla­mour?

OSELE: Das ist nicht ein­fach zu beant­wor­ten. Der Begriff lebt ja von Asso­zia­tio­nen, die meist sehr per­sön­lich sind. Wenn Sie bei Gla­mour an eine Show in Las Vegas den­ken, dann spre­chen wir von Trug­bil­dern, die rasch ver­blas­sen, sobald die Schein­wer­fer aus­ge­hen. Das hat natür­lich nichts mit unse­rem Geschäft zu tun. Der Begriff kann aber auch für eine fas­zi­nie­ren­de Aura ste­hen. Eine sol­che kön­nen auch Geschäfts­ideen und Inves­ti­ti­ons­mög­lich­kei­ten haben.

Geben Sie uns ein Bespiel.

OSELE: Vie­les, was in den ver­gan­ge­nen Jahr­zehn­ten im Sili­con Val­ley ent­wi­ckelt wur­de, hat die Welt begeis­tert, fas­zi­niert und am Ende revo­lu­tio­niert. Heu­te begeis­tern mich vor allem Umwelt­tech­no­lo­gien, die unser aller Leben ver­bes­sern könn­ten.

Sind Pri­va­te Ban­ker gla­mou­rös?

OSELE: Schmun­zelt. Nein, ganz sicher nicht. Wir sind küh­le Rech­ner mit guten Instink­ten und hof­fent­lich guten Manie­ren. Wir soll­ten über die Fähig­keit ver­fü­gen, den Markt genau zu beob­ach­ten und für unse­re Kun­den die rich­ti­gen Finanz­in­stru­men­te zu wäh­len, damit die­se ihr Ver­mö­gen rich­tig anle­gen und wei­ter aus­bau­en kön­nen.

Ich fan­ge mal mit einem klei­ne­ren gro­ßen Wunsch an: eine gla­mou­rö­se Gar­de­ro­be von Dior oder Pra­da und ein biss­chen Yama­mo­to…

MUTSCHLECHNER-NIGG: Die ers­ten bei­den sind bör­sen­no­tier­te Unter­neh­men. Kau­fen Sie doch deren Akti­en.

Wie lang­wei­lig. Außer­dem könn­ten die Kur­se sin­ken.

MUTSCHLECHNER-NIGG: Und die Kla­mot­ten kaputt gehen. Nichts im Leben ist oder bleibt ohne Risi­ko. Was die Akti­en­märk­te betrifft, kann ich Ihnen aber ver­si­chern, dass deren Beob­ach­tung nie lang­wei­lig wird. Doch einen Rat habe ich: Wer nicht ver­lie­ren will, braucht Durch­hal­te­ver­mö­gen.

Was hal­ten Sie von einem Cha­let in den Alpen?

MUTSCHLECHNER-NIGG: Eine durch­aus belieb­te Inves­ti­ti­on. Beim aktu­ell nied­ri­gen Zins­ni­veau wür­de ich hier aber auch an einen Teil als Kre­dit-Finan­zie­rung den­ken. Das kann steu­er­lich durch­aus Sinn machen. Doch auch bei Inves­ti­tio­nen in soge­nann­tes Beton­gold ist Vor­sicht gebo­ten. Man­cher­orts sehen vie­le schon eine Über­hit­zung des Mark­tes. In den Alpen ist das Inves­ti­ti­ons­kli­ma aber immer noch sehr gut.

Ist es ein bil­li­ges Kli­schee, dass Frau­en am liebs­ten Geld aus­ge­ben, wäh­rend Män­ner das Geld ver­die­nen und es cle­ver anle­gen?

MUTSCHLECHNER-NIGG: Das ist sogar sehr bil­lig. Vie­le Frau­en inter­es­sie­ren sich sehr für Geld-Anla­ge. Und: 40 % des welt­wei­ten Ver­mö­gens gehört Frau­en. Die Ziel­grup­pe Frau­en als Anle­ge­rin­nen wird häu­fig unter­schätzt. Ande­rer­seits könn­ten 45 Mil­li­ar­den Euro allein in Deutsch­land und Öster­reich zusätz­lich in Invest­ments flie­ßen, wenn Frau­en sich hier bes­ser bera­ten lie­ßen. Lus­ti­ger­wei­se spre­chen hier Finanz­ma­ga­zi­ne von einem zu erwar­ten­den „Gla­mour-Effekt im Depot“.

© Tho­mas Stein­lech­ner

Der stu­dier­te Archi­tekt Dani­el Rhom­berg hat mit sei­nen inno­va­ti­ven Ideen der fami­li­en­ei­ge­nen Bade­an­stalt neu­es Leben ein­ge­haucht. Vater Keith Mas­ca­renhas steu­er­te sei­ne Kunst­samm­lung bei.

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