Im Gespräch mit Charles Schumann

Im Interview

Herr Schu­mann, unzäh­li­ge Inter­views haben Sie im Lau­fe Ihres Lebens gege­ben und Sie behaup­ten aber, dass das meis­te, was über Sie geschrie­ben wur­de, gar nicht stimmt – wie darf man das ver­ste­hen?

Ich habe das nie gesagt, ich habe immer gesagt zu vie­le Inter­views. Irgend­wann soll­te man auf­hö­ren zu erzäh­len. Weil die Leu­te eh schon alles wis­sen.

Mit Charles Schu­mann ver­bin­det man Begrif­fe wie Life­style, Luxus, Mode, Best­sel­ler­au­tor, Bar Kul­tur und … – alles krea­ti­ve Berei­che, in denen auch Kunst eine Rol­le spielt.

Viel in der Kunst ist zu viel oder es ist ein­fach „tren­dy“. In der Küche behaup­ten ja auch vie­le Köche sie brin­gen Kunst auf den Tel­ler. Oft wäre weni­ger „Kunst“ bes­ser. Das Ziel der Ein­fach­heit ist dann erreicht, wenn man nichts mehr weg­las­sen kann. Mein Zugang zur Kunst ist etwas anders, ich habe mich immer für Foto­gra­fie inter­es­siert und hat­te eine Gale­rie über 2–3 Jah­re. Hier hat­ten wir groß­ar­ti­ge Foto­gra­fen aus­ge­stellt. Ich bin befreun­det mit Herrn Bas­elitz, aber wir haben nie über Kunst gespro­chen. Ich freue mich wenn ich Ihn sehe.

Sie mein­ten ein­mal, dass Sie kei­ne Ahnung von Zah­len hät­ten, son­dern mit dem Umzug der Bar ein­fach Glück hat­ten. Was ist „Glück“ für Sie?

Was heißt Glück? Glück ist viel­leicht nicht der rich­ti­ge Aus­druck, es hat halt funk­tio­niert; es hät­te auch nicht funk­tio­nie­ren kön­nen, dann wären wir ganz schnell am Ende gewe­sen. Auch für mei­ne Mit­ar­bei­ter war die neue Schumann´s Bar erst­mal fremd.

Haben Sie selbst die Innen­ein­rich­tung Ihrer Bar am Ode­ons­platz in Mün­chen beein­flusst und damit die­ser Loca­ti­on ihren eige­nen Stil und per­sön­li­chen Cha­rak­ter ver­passt?

Ja, in Zusam­men­ar­beit mit zwei Archi­tek­ten mit denen ich bereits die Schumann´s Bar in der Maxi­mi­li­an­stras­se und die Schumann´s Tages­bar rea­li­siert habe.

Viel in der Kunst ist zu VIEL

Probie­ren Sie doch mal Kunst­wer­ke hier rein­zu­hän­gen, ein­fach der Ener­gie hal­ber…?

Es gibt genug Leu­te die das wol­len, aber mir gibt dies kei­ne Ener­gie. Ener­gie geben mir Men­schen, die hier her­kom­men, mei­ne Mit­ar­bei­ter und Essen und Trin­ken, das wir anbie­ten und über das ich mich freu­en kann.

Berühm­te Maler der klas­si­schen Moder­ne wie Max Beck­mann, Karl Schmidt-Rottluff, Lyo­nel Fei­nin­ger oder Emil Nol­de fan­den in ein­sa­men Küs­ten­re­gio­nen idea­le Moti­ve für eine abs­tra­hie­ren­de Dar­stel­lung der Natur. Was reizt Sie am Meer?

Lyo­nel Fei­nin­ger ja, Max Beck­mann nein. Es ist nicht so, dass ich wegen der Jah­res­zei­ten ans Meer fah­re oder wegen der Natur. Wol­len wir es ganz ein­fach sagen, lie­ber am Meer als in den Ber­gen sein.

Dass Sie kein Fami­li­en­mensch und ger­ne allei­ne sind, dar­aus machen Sie kein Geheim­nis. Die­se Eigen­schaft tei­len Sie mit sehr vie­len Künst­lern. Denn Ein­sam­keit ist oft der Schlüs­sel zu deren Erfolg – wie nut­zen Sie Ihre Zeit, wenn Sie allei­ne sind?

Stimmt nicht ganz, weil ich lei­der zu viel im Geschäft bin. Ich bin sogar zu wenig allei­ne, viel zu wenig. Ich bin hier allei­ne, aber trotz­dem nicht allei­ne. Ich bin nicht mehr so neu­gie­rig, um zu sagen, jetzt muss ich das und das und das sehen. Also wenn es sich ergibt wun­der­bar, ansons­ten kann ich auch irgend­wo stun­den­lang sit­zen ohne Pro­ble­me. Ich will in die­sen Augen­blick dann gar nicht reflek­tie­ren.

Herr Schu­mann, aus wel­chem Feh­ler haben Sie am meis­ten gelernt?

Ach, ich habe jede Men­ge Feh­ler gemacht. Es kommt, wie es kommt. Man muss immer das Bes­te dar­aus machen und kann nicht Din­gen nach­wei­nen, die man hät­te anders machen kön­nen. Wenn ich mit 20 gewusst hät­te, dass Gas­tro­no­mie mein Leben ist, hät­te ich ganz sicher eine ande­re Aus­bil­dung gemacht, was damals viel schwie­ri­ger gewe­sen wäre als heu­te.

Aus dem Gewöhn­li­chen etwas Beson­de­res machen – das ist Out­stan­ding.

Ist die Bar Ihre ein­zi­ge Lei­den­schaft? War sie es immer schon oder gab es Alter­na­ti­ven?

Nein, ich den­ke und da habe ich eigent­lich Glück gehabt, dass ich die Mög­lich­keit hat­te und immer noch habe, das bis heu­te zu machen, was mir Spaß macht. Ich kom­me jeden Tag ger­ne hier her, wenn ich das nicht mehr mache, dann wäre es höchs­te Zeit auf­zu­hö­ren. Aber man hat ja auch Ver­ant­wor­tung wenn man mit so vie­len Mit­ar­bei­tern lebt und arbei­tet.

Als Gast­ge­ber braucht man eine beson­de­re Beob­ach­tungs­ga­be und extre­mes Ein­füh­lungs­ver­mö­gen – gelingt es Ihnen, die Wün­sche Ihrer Gäs­te sprich­wört­lich von den Augen abzu­le­sen?

Also, ich weiß das natür­lich was jemand haben will, aber es geht auch dar­um, dass man die Leu­te ein biss­chen führt. Das ist natür­lich in einer so gro­ßen Bar viel zu schwie­rig. Um wirk­lich Ein­fluss aus­zu­üben, müss­te das wirk­lich klein sein, dann könn­te man sagen, ich emp­feh­le dir was Ande­res zu Trin­ken oder zu Essen. Dann kannst du sie beein­flus­sen, sonst nicht.

Würden Sie sich selbst als Visio­när bezeich­nen?

Nein, war­um soll ich ein Visio­när sein?

Die gan­ze Welt schaut auf Sie!

Ja, aber das hat damit zu tun, dass ich immer noch arbei­te und mir Gedan­ken mache, wie Gast­freund­schaft bei uns aus­se­hen muss. Nie­mals wür­de ich Essen und Trin­ken ver­kau­fen die nur im Trend sind.

Aber Sie hat­ten ja gesagt, sowas wie hier wür­de kein ande­rer machen?

Las­sen Sie mal die Kir­che im Dorf. Wir haben das Glück gehabt, dass wir so einen gro­ßen Raum bekom­men haben. Ich has­se alle Gas­tro­no­mi­schen Betrie­be die gleich aus­se­hen und in denen viel Geld sicht­bar ver­steckt wur­de, die aber kei­ne See­le haben, so ein Platz braucht eine See­le.

Das The­ma die­ser Aus­ga­be lau­tet „OUTSTANDING“. Wir fin­den, dass Sie außer­ge­wöhn­lich sind. Was den­ken Sie dar­über?

Nein, glau­be ich jetzt nicht. Ein Teil des Erfolgs ist sicher auch mir zuzu­schrei­ben, viel­leicht mehr als ich den­ke. Aber ich glau­be „Out­stan­ding“:…viel­leicht wenn 3–4 Leu­te sich zusam­men­rau­fen und sagen, nicht wir machen etwas Außer­ge­wöhn­li­ches, son­dern wir fin­den aus dem Gewöhn­li­chen etwas Beson­de­res.

Aber aus Ihrem Leben haben Sie ja etwas Beson­de­res gemacht?

Hab ich das?! Nein. Wis­sen Sie, was das Pro­blem ist, da kom­men wir zum Bei­spiel auch gleich wie­der auf das Allein­sein zurück. Wenn man so etwas macht, was ich hier mache, hat man wirk­lich zu wenig Zeit ernst­haft dar­über nach­zu­den­ken. Zum Bei­spiel habe ich kei­ne Angst vor dem Tod – Null. Es ist mir wurscht, wenn ich weg bin, bin ich weg! Wenn ich heu­te nach Ber­lin gehen wür­de – ich den­ke in Deutsch­land ist es die bes­te Stadt – dann wür­de ich sicher nichts Gro­ßes mehr machen. Ja, mit 2 bis 3 Mit­ar­bei­tern wun­der­bar! So stel­le ich mir das vor. Ich könn­te es dann so beein­flus­sen, dass wir alle glück­lich wären.

Um wie­der auf die Kunst zurück zu kom­men: Was fällt einem Schu­mann abschlie­ßend zu unse­rer Cover­sto­ry Anselm Kie­fer ein?

Ich ken­ne ihn nicht gut, ich hät­te ihn ger­ne bes­ser ken­nen­ge­lernt. Als er das letz­te Mal hier war, hat­te ich das Gefühl, dass er sehr ger­ne allei­ne ist.

Zum Künstler

Was mir schmeckt, passt und gefällt, das muss auch mei­nen Gäs­ten schme­cken, pas­sen und gefal­len.“ Charles Schu­mann wur­de als Karl Georg Schuh­mann 1941 in der Ober­pfalz gebo­ren. Er ver­ließ mit 17 das bischöf­li­che Gym­na­si­um in Regens­burg, ging zum Bun­des­grenz­schutz und absol­vier­te eine Aus­bil­dung zum Kon­su­lats­se­kre­tär im Aus­wär­ti­gen Amt. Anschlie­ßend Besuch einer Hotel­fach­schu­le in der Schweiz. Mit 30 zieht er nach Süd­frank­reich, arbei­tet in ver­schie­de­nen Clubs und Nacht­lo­ka­len und stu­diert an der Uni­ver­si­tät von Mont­pel­lier Fran­zö­sisch. Im Som­mer 1973 kehrt Charles – den Namen hat er in Frank­reich bekom­men – zurück und wird in Mün­chen Bar­kee­per in der legen­dä­ren Harry’s New York Bar. 1982 eröff­net er in der Maxi­mi­li­an­stra­ße 36 die Schumann’s Ame­ri­can Bar. Inzwi­schen ist die Schumann’s Bar an den Hof­gar­ten umge­zo­gen und hat 2012 ihren 30‑jährigen Geburts­tag gefei­ert. Sei­nen Grund­sät­zen ist Charles Schu­mann treu geblie­ben: Er möch­te es ein­fach ein­fach haben.

www.schumanns.de

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