There you are

Interview von Eva Grumeth mit Michail Michailov

Iden­ti­tät und Exis­tenz: Dies sind zen­tra­le The­men in Michail Michai­l­ovs Zeich­nun­gen, Vide­os, Per­for­man­ces, Skulp­tu­ren und Instal­la­tio­nen. Er hin­ter­fragt, erkun­det und bewer­tet die­se immer wie­der neu – für sich per­sön­lich, aber auch uni­ver­sell. Was dar­aus ent­steht, ist ein in sich schlüs­si­ges, den­noch expe­ri­men­tel­les Werk, das berührt. Stets pro­zess­ori­en­tiert, selbst­re­flek­tie­rend – und in Weiß! Bei der Bien­na­le Arte ver­tritt er Bul­ga­ri­en mit »The­re you are« im Spa­zio Ravà.

Michail Michai­l­ov, Headspacing#1, per­for­ma­ti­ve instal­la­ti­on, Pho­to­gra­pher Don­ka Mis­hine­va, © Michail Michailov

MICHAIL MICHAILOV, gebo­ren 1978 im bul­ga­ri­schen Veli­ko Tar­no­vo, lebt und arbei­tet in Wien und Paris. Er stu­dier­te Kunst und Kunst­ge­schich­te und arbei­te­te eini­ge Jah­re mit der Künst­ler­grup­pe Geli­tin. Er erhielt ver­schie­dens­te Prei­se und Sti­pen­di­en, u.a. den »Drawing Now Paris« Art Award 2018, und nahm an einer Viel­zahl an Aus­stel­lun­gen teil. Aus­wahl: Pro­jekt­raum Vik­tor Bucher Wien, +359Gallery Sofia, Gal­le­ry FIXA Nagi/Japan, Caba­ne Geor­gi­na Mar­seil­le, Gale­rie Jeu­ne Créa­ti­on Paris, re.riddle San Fran­cis­co, Drawing Lab Paris, Gale­rie Thad­dae­us Ropac Paris-Pan­tin, Sotheby’s Wien, Wien Muse­um, das Weis­se Haus Wien.

The artist in his stu­dio, 2021 Pho­to­gra­pher Han­nes Ander­le © Michail Michailov

Michail, du wur­dest 1978 in Veli­ko Tar­no­vo gebo­ren und hast dort Kunst stu­diert. Seit knapp 20 Jah­ren lebst und arbei­test du in Wien, seit eini­gen Jah­ren zudem in Paris. Gut nach­zu­voll­zie­hen, dass das The­ma Iden­ti­tät für Dich wesent­lich ist. Wann hast du es das ers­te Mal in dei­ner Arbeit aufgegriffen?

MICHAIL MICHAILOV: Eine alte Arbeit von mir (»Wall of Fame«, 2006) ist eine Inter­ven­ti­on auf einem Wer­be­pla­kat des Wie­ner MUMOK. Dar­auf waren aus­schließ­lich gro­ße Künst­ler­na­men zu lesen und es gab genau einen frei­en Platz. An die­se Stel­le habe ich mei­nen Namen in glei­chen Kle­be­buch­sta­ben gesetzt. Die­se Arbeit war gleich­sam die ers­te, in der ich mich gefragt habe, wer ich denn eigent­lich bin. Das ICH war in die­ser Zeit in vie­len künst­le­ri­schen Arbei­ten zu finden.

Und du erforschst die­ses bis heu­te, auch in dei­nem Bien­na­le-Bei­trag »The­re you are«. Wie lan­ge konn­test du dich dar­auf vorbereiten?

Bul­ga­ri­en hat erst Ende Novem­ber 2021 eine öffent­li­che Aus­schrei­bung gemacht, bei der sich Künstler:innen mit Kurator:innen bewer­ben konn­ten. Die Kura­to­rin Iri­na Bat­ko­va und ich hat­ten vier Wochen Zeit, um ein gemein­sa­mes Kon­zept zu erstel­len. Gemein­sam haben wir vie­le Stun­den am Tele­fon ver­bracht, um kurz nach Weih­nach­ten eine offen­sicht­lich erfolg­rei­che Ein­rei­chung für eine 7‑köpfige Jury abzugeben.

Wie wür­dest du das Kon­zept skizzieren?

In der gesam­ten Aus­stel­lung gibt es für mich ver­schie­de­ne Ebe­nen. Da ist ein­mal das Ein­ge­hen auf den Raum, die Archi­tek­tur, im Zusam­men­hang mit dem Sicht­bar­ma­chen und Auf­wer­ten von räum­li­chen Neben­säch­lich­kei­ten, Nicht­ge­woll­tem und dem Her­vor­he­ben von Inte­rior, Staub und Fle­cken. Dazu gehö­ren auch mei­ne Zeich­nun­gen der Serie »Dust to Dust«. Dann gibt es die Ebe­ne des Tuns in Form der Video-Serie »Just keep on going« sowie mit der Instal­la­ti­on »Head­spa­cing« die Ebe­ne des bewuss­ten Geis­tes. Und schluss­end­lich die unbe­wuss­te Ebe­ne des nicht genau­en Wis­sens im Abstellkammerl.

Fangen wir mit den Zeich­nun­gen an. In »Dust to Dust« doku­men­tierst du zeich­ne­risch und dabei extrem rea­lis­tisch das, was in den Ecken des Ate­liers liegt; das, was übrig­bleibt: Staub und Schmutz. Bereits seit 2014 arbei­test du an der Serie. Ist das für dich ein uni­ver­sa­les, meta­phy­si­sches Motiv?

Für mich ist der Staub an sich ein klei­nes zusam­men­hän­gen­des Uni­ver­sum. Ich nüt­ze ihn in mei­ner Arbeit als Motiv für das Unbe­wuss­te, des­sen per­ma­nen­te Pro­zes­se wir nicht sehen kön­nen und/oder oft nicht sehen wollen.
Der Mikro­kos­mos Staub ver­ei­nigt uns. Er ist ein »Nichts« von uns allen.

Du arbei­test ansons­ten stark kör­per­lich, machst Per­for­man­ces oder baust Skulp­tu­ren. Die Bunt­stift-Zeich­nun­gen schei­nen wie ein Kon­trast dazu: Klein­tei­lig, fein, für sich ste­hend. Ist das Zeich­nen für dich eine Art Aus­gleich, eine Arbeit, die viel­leicht auch ein­fa­cher, rou­ti­nier­ter, intui­ti­ver, medi­ta­ti­ver im All­tag ein­setz­bar ist?

Durch die inten­si­ve Aus­ein­an­der­set­zung mit Din­gen, die sonst kei­ne Auf­merk­sam­keit bekom­men bzw. nie­mand haben oder man über­se­hen möch­te, ver­su­che ich Din­gen eine Wert­schät­zung zu geben, denen wir im jewei­li­gen Kon­text kei­ne Bedeu­tung bei­mes­sen. Für mich ist das Zeich­nen von Staub und Schmutz­par­ti­keln selbst auch ein per­for­ma­ti­ver Pro­zess. Durch das Atmen ver­än­de­re ich bereits wäh­rend des Zeich­nens mein Motiv. Anders als in der Male­rei ist es dadurch nicht nur mein Geist, son­dern auch mein Kör­per, der für das End­bild ver­ant­wort­lich ist. Aber es stimmt schon, es ist ein guter Aus­gleich, sich an den Zei­chen­tisch zu setzen.

Wie gehst du bei der Hän­gung auf den Aus­stel­lungs­raum ein?

Der für den bul­ga­ri­schen Pavil­lon ange­mie­te­te Spa­cio Ravà hat neben sehr klei­nen Neben­räu­men einen Haupt­raum. Mei­ne Her­an­ge­hens­wei­se im Umgang mit Räu­men ist immer situa­tiv. Eine Wand­hän­gung wäre in die­sem Fall für mich ein zu star­ker Ein­griff in die Gege­ben­hei­ten. Des­halb wer­den mei­ne Zeich­nun­gen die­ses Mal aus­schließ­lich in Form einer Instal­la­ti­on mit dem Raum inter­agie­ren. Es wird kein ein­zi­ges Bild gehängt.

Das bringt uns zu einem zwei­ten Aspekt dei­ner künst­le­ri­schen Arbeit: Objek­te und Instal­la­tio­nen, die sich mit dem Raum und der (Innen-)Architektur selbst beschäftigen.

In Vene­dig gilt es einen Raum zu bespie­len, der von einem Archi­tek­ten im Erd­ge­schoss eines Wohn­hau­ses als Aus­stel­lungs­raum kon­zi­piert wur­de, den jeder­mann mie­ten kann. Als es dar­um ging, eine Idee für die­sen Raum zu ent­wi­ckeln, habe ich mich an mein Prin­zip gehal­ten, mich den Din­gen zu wid­men, die man eigent­lich nicht haben möch­te. Es gibt im Raum ein fix instal­lier­tes Inven­tar, wel­ches man unter kei­nen Umstän­den ver­än­dern darf. Durch sub­ti­le Ein­grif­fe bzw. Zusatz­grif­fe eig­ne ich mir die­se Stü­cke, die mich eigent­lich stö­ren, an. So kann ich mich mit dem zu einer Instal­la­ti­on gewor­de­nen Inte­rior anfreun­den und mich damit iden­ti­fi­zie­ren. Es ent­stan­den Objekt­in­stal­la­tio­nen, die einen Zwi­schen­raum fül­len und in denen ich gleich­sam mei­ne neu­es­ten »Dust to Dust«-Buntstiftzeichnungen integriere.

In dei­nen Skulp­tu­ren und Instal­la­tio­nen ver­baust du immer wie­der Din­ge, die du auf der Stra­ße fin­dest, wer­test sie auf, kom­bi­nierst sie mit Bürs­ten und Besen und hältst dabei alles in sau­be­rem Weiß – so auch in Vene­dig. Kannst du dar­über etwas erzählen?

In mei­ner Kunst ist die Far­be Weiß ein wich­ti­ger Bestand­teil. Ich nüt­ze sie im Zusam­men­hang mit Rein­heit oder im Sin­ne von »noch nicht defi­niert«. Des­we­gen ver­wen­de ich wahr­schein­lich auch ger­ne Bürs­ten und ande­re Ele­men­te von Rei­ni­gungs­uten­si­li­en. Ich kom­bi­nie­re die­se mit musea­len Sockeln und wei­ßen Bild­trä­gern. Die­se »clea­ning pedes­tals« ste­hen für etwas, das nicht exis­tiert. Die Auf­ga­be des Sockels besteht in der Regel dar­in, einen Gegen­stand auf­zu­wer­ten, um ihn zur Kunst zu erklä­ren. Der Sockel als Rei­ni­gungs­ob­jekt stellt sich selbst in Fra­ge. Nicht mehr sei­ne Ober­flä­che wird benutzt, um etwas auf­zu­wer­ten. Jetzt wird sein Boden benutzt, um etwas zu besei­ti­gen. In bei­den Her­an­ge­hens­wei­sen the­ma­ti­sie­re ich die Fra­ge, wer wir sind oder was wir nicht sind, bzw. auch was oder ab wann etwas einen Wert hat und/oder nicht.

Geht es dir hier um eine »Neu­tra­li­sie­rung« des Raums, sei­ner Geschich­te? Um ein Über­prü­fen und Neu­be­wer­ten von Archi­tek­tur und Umwelt im wei­tes­ten Sinne?

Eine Neu­tra­li­sie­rung, ja, das gefällt mir und ein Neu­be­wer­ten eben­so. Tat­säch­lich geht es mir nicht nur um die Archi­tek­tur, son­dern um die Situa­ti­on und Umwelt, in der wir uns gera­de befin­den. Wir haben sie durch unse­re eige­ne Kon­di­tio­nie­rung zu etwas gemacht, das sie womög­lich gar nicht ist.

Teile dei­ner Video-Serie »Just keep on going« sind eben­so hier zu sehen. Das sind kur­ze Video­se­quen­zen im Loop, die dich z. B. beim Rut­schen, Schau­keln oder im Kreis lau­fend zei­gen. Der Titel könn­te als Man­tra für das gesam­te Leben ein­ge­setzt wer­den, aber in Kri­sen­zei­ten umso mehr.

Mei­ne Moti­va­ti­on für die­se Serie ist ein spie­le­ri­scher, fast kind­li­cher und nai­ver Zugang. Schon Kin­der machen immer wei­ter und wie­der­ho­len eine Sache, die ihnen Spaß macht, wie­der und wie­der. Die Video­se­quen­zen ent­ste­hen immer sehr spon­tan in unter­schied­lichs­ten Umge­bun­gen. Die »Just keep on going«-Serie wird des­halb immer im Loop gezeigt. Es gibt also eine Wie­der­ho­lung, die die Betrachter:innen auf sich zurück­wer­fen und zum Nach­den­ken anre­gen kann. Oft dre­hen wir uns im Kreis und es wäre viel­leicht bes­ser, die­sen zu ver­las­sen. Beru­hi­gend ist viel­leicht die Erkennt­nis, dass wir uns alle im Krei­se dre­hen und beun­ru­hi­gend ist, dass wir auch wei­ter machen, auch wenn uns die Decke auf den Kopf fällt.

Was ist in den Vide­os auf der Bien­na­le zu sehen?

In unse­rer sub­jek­ti­ven Wahr­neh­mung leben wir in vie­len klei­nen Wel­ten, die auch beschwer­lich sein kön­nen. Aktu­ell haben wir lei­der zusätz­lich eine gro­ße kol­lek­ti­ve Last zu tra­gen, sei es der Kli­ma­wan­del oder die Tra­gö­die rund um die Ukrai­ne. Das ers­te Video zeigt einen erdrü­cken­den Raum, in dem ich mich leicht­fü­ßig um mei­ne eige­ne Ach­se dre­he. Auf mei­nen Schul­tern tra­ge ich dabei eine schwe­re Last und ver­su­che, die­se durch mei­ne immer wie­der­keh­ren­de Dre­hung zu durch­boh­ren. Im zwei­ten Video habe ich es auf die »ande­re Sei­te« geschafft.

Was ist für dich der Sinn des Lebens?

Die Suche nach einer Ant­wort auf die­se Fra­ge ist für mich sicher ein Antrieb, Kunst zu machen. Für mich macht es Sinn, in mei­nem Leben immer wie­der neue Erfah­run­gen zu sam­meln, auch wenn das oft heißt, in kal­tes, unge­wis­ses Gewäs­ser zu springen.

HHead­spa­cing ist das fina­le Ele­ment von »The­re you are«: Eine per­for­ma­ti­ve Instal­la­ti­on, die immer wie­der in dei­nen Aus­stel­lun­gen vor­kommt. Dabei kön­nen Besu­cher ihren Kopf in die Instal­la­ti­on ste­cken und eine ganz eige­ne Per­spek­ti­ve der Aus­stel­lung erleben.

»Head­spa­cing« ist ein bewuss­tes in Ver­bin­dung tre­ten mit Räum­lich­kei­ten und Per­so­nen. Ich erwei­te­re in »Head­spa­cing« mei­nen Kopf und Geist mit einem Aus­stel­lungs­raum, der sei­ner­seits mit einem Gebäu­de oder einem archi­tek­to­ni­schen Ele­ment ver­bun­den ist. Gleich­sam tren­ne ich dadurch den Kopf von mei­nem Kör­per. Auf die­se Wei­se wirft die Per­for­mance Fra­gen auf, wer wir sind und wo unser Kör­per beginnt und endet. In Vene­dig wird zur Aus­stel­lungs­er­öff­nung mein Kopf von der Innen­sei­te des Gebäu­des zu sehen sein. In wei­te­rer Fol­ge wer­den wäh­rend der gesam­ten Bien­na­le auch die Besucher:innen Gele­gen­heit bekom­men, in mei­ne »Headspacing«-Perspektive zu schlüp­fen und Teil mei­ner Aus­stel­lung zu werden.

Wenn du auf einen Aus­stel­lungs­raum ein­gehst, geht es dir hier rein um räum­li­che Struk­tu­ren und die Archi­tek­tur, oder spielt auch die Geschich­te des jewei­li­gen Ortes eine Rolle?

Ich bin sehr intui­tiv und stel­le den Wert der Intui­ti­on absicht­lich vor den von wis­sen­schaft­li­cher Recher­che. Die bespiel­te Ört­lich­keit soll durch mei­ne Inter­ven­ti­on ja zu neu­en Sicht­wei­sen in Bezug auf uns selbst füh­ren. Inso­fern ist geschicht­li­ches Wis­sen für mich weni­ger relevant.

Als du vor vie­len Jah­ren nach Wien gekom­men bist, hast du dich zuerst mit Aus­hilfs-Putz­jobs über Was­ser gehal­ten. Die The­men Rei­ni­gung und Sau­ber­keit – im Inne­ren als auch im Äuße­ren – zie­hen sich durch alle dei­ne künst­le­ri­schen Arbei­ten. Man hat das Gefühl, es schließt sich immer wie­der der Kreis. Wovon möch­test du dich am drin­gends­ten befreien?

Das The­ma Rei­ni­gen hat sich tat­säch­lich in mein künst­le­ri­sches Schaf­fen geschli­chen, ohne dass dies groß beab­sich­tigt war. Es ist aber eher die Auf­merk­sam­keit, die ich dar­auf len­ke. Eigent­lich mache ich ja das Gegen­teil, ich wer­te die Din­ge auf. Sei es der Job der Rei­ni­gung, der zur Kunst erho­ben wird oder der Staub, den ich von mei­nem jewei­li­gen Ate­lier in die Welt hin­aus­tra­ge oder Fund­stü­cke von der Stra­ße, die zu The­ra­pie-Skulp­tu­ren wer­den, wobei nicht klar ist, ob sie dann ein the­ra­peu­ti­sches Mit­tel für die Betrachter:innen wer­den oder selbst the­ra­piert wurden.

In dei­nen Arbei­ten spiel­te immer schon ein wei­ßer Ein­weg­over­all eine essen­ti­el­le Rol­le, vor allem in Per­for­man­ces und Vide­os. Ein Hilfs­mit­tel, um einer­seits kei­ne eige­nen Spu­ren zu hin­ter­las­sen und ande­rer­seits, um sich selbst zu schüt­zen. Wofür steht dieser?

Durch die Pan­de­mie ist es für mich schwer gewor­den, den klas­si­schen wei­ßen Ein­weg­over­all künst­le­risch ein­zu­set­zen, ohne mit dem Covid-The­ma in Berüh­rung zu kom­men. Ich ver­wen­de die­sen schon seit 2006. Auf der einen Sei­te mit der Absicht, mei­ne phy­si­sche Prä­senz zu mini­mie­ren und so ande­rer­seits meta­pho­risch für ande­re Men­schen als Pro­jek­ti­ons­flä­che herzuhalten.

Um noch­mal zum Anfang zurück zu kom­men: Das The­ma Iden­ti­tät ver­han­delst du in dei­nen Arbei­ten immer wie­der neu. Wür­dest du sagen, dass du im Lau­fe der Jah­re »wei­ter« gekom­men bist?

Heu­te hin­ter­fra­ge ich mehr die Zusam­men­hän­ge vom Ich zum Du und Wir. Der Staub ist für mich in die­ser Hin­sicht sehr meta­pho­risch. Das in-Bezie­hung-tre­ten mit etwas und jeman­dem in Bezug auf Iden­ti­tät wird für mich als künst­le­ri­scher Aus­druck immer span­nen­der. Und in die­ser Wei­se hat sich ja auch mein wei­ßer Over­all trans­for­miert, und ist Schutz­haut und Kunst­werk, aber auch Abfall­pro­dukt im glei­chen Moment.

Bist du spirituell?

Ich den­ke, jeder, der sich sei­nes Mensch-Seins bewusst ist, ist in irgend­ei­ner Wei­se spi­ri­tu­ell, oder? Ich glau­be aber, dass mei­ne Arbeit für die Betrachter:innen oft in einem spi­ri­tu­el­len Licht erscheint, mehr als ich es beab­sich­ti­ge. Die Aus­ein­an­der­set­zung mit Exis­tenz bringt dies unwei­ger­lich mit sich. Mein Zugang ist jedoch selbst­iro­nisch. Für mich ist es wich­tig, dass mei­ne Arbei­ten auch mit Leich­tig­keit und Humor gele­sen werden.

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Studium „Bühnen- und Filmgestaltung“ an der Universität für Angewandte Kunst Wien. Weiterbildung „Management im Kunstmarkt“ an der Freien Universität Berlin. Ab 2006 Ausstatterin und Managerin internationaler Kunstprojekte mit Auslandsaufenthalten u. a. in Los Angeles, Peking, Peru und Finnland. 2010 – 2015 Mitarbeit in Berliner Galerien. Seit 2015 Basis in Leipzig als freie Kulturredakteurin.

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