Kabbala und Hermetik-Kunst

Interview mit Elias Rubenstein

Ihre Kunst­wer­ke the­ma­ti­sie­ren die Sym­bo­le der Kab­ba­la und Her­me­tik. Was ver­ste­hen Sie unter Kab­ba­la und Her­me­tik?

Seit jeher strebt der Mensch danach, das Wesen Got­tes und der Schöp­fung zu ergrün­den. Die Kab­ba­la ist eine uralte Tra­di­ti­on, die von „Mund zu Ohr“, von Genera­ti­on zu Genera­ti­on über­lie­fert ist. Sie befasst sich mit den grund­le­gen­den Fra­gen des Lebens wie bei­spiels­wei­se mit dem Ursprung des Men­schen, dem Sinn des Lebens, der Bezie­hung des Men­schen zur Schöp­fung und zum Schöp­fer. Der Begriff „Her­me­tik“ hat sei­nen Ursprung in der grie­chi­schen Mytho­lo­gie und bezieht sich auf den Göt­ter­bo­ten „Her­mes“. Her­mes ist ein Ver­mitt­ler zwi­schen Geist und Mate­rie. Die Kunst, wel­che auf die Sym­bo­le der Kab­ba­la und Her­me­tik Bezug nimmt, beab­sich­tigt, dem Betrach­ter eine uner­kann­te und höhe­re Per­spek­ti­ve der Rea­li­tät und des Lebens zu eröff­nen.

In Ihren Kunst­wer­ken fin­den sich auch bibli­sche Moti­ve, wie zum Bei­spiel die Schöp­fungs­ge­schich­te. Wel­che Rol­le spielt für Sie die Bibel?

Die Bibel ist ein Weg­wei­ser, der, sofern inhalt­lich kor­rekt gedeu­tet, einen tie­fe Weis­heit zu ent­hül­len ver­mag. Vor eini­gen Jah­ren wur­den von mir Pro­jek­te in Gang gesetzt, um his­to­ri­sche und mys­ti­sche Schrif­ten wie das Gesamt­werk Zohar in Deutsch ver­füg­bar zu machen. Hier­bei stell­te sich her­aus, dass die aktu­el­len ver­füg­ba­ren deut­schen Ver­sio­nen der Bibel lei­der sehr man­gel­haf­te Über­set­zun­gen dar­stel­len. Die Ori­gi­nal-Inhal­te der Bibel sind ver­gleich­bar einer geis­ti­gen Saat, die, sofern sie auf einen frucht­ba­ren Acker gesät wird, Früch­te her­vor­bringt, die den see­li­schen Hun­ger des Men­schen zu stil­len ver­mö­gen. Geschich­ten und Alle­go­rien for­men sich in unse­rem Bewusst­sein zu Bil­dern – dar­in grün­det die Kraft der Bibel.

Schwarz, Weiß und Grau­schat­tie­run­gen domi­nie­ren in Ihren Wer­ken. Wie­so fokus­sie­ren Sie sich auf unbun­te Farb­tö­ne?

Die­ses sub­ti­le Wech­sel­spiel der Gegen­sät­ze und ihre Abstu­fun­gen sind ver­gleich­bar mit einem unlös­ba­ren Rät­sel, die den Betrach­ter dazu auf­for­dern, „den gor­di­schen Kno­ten zu durch­schla­gen“. Die größ­te Her­aus­for­de­rung in der kon­zep­tio­nel­len Dar­stel­lung ist die beab­sich­tig­te Reduk­ti­on auf das Essen­ti­el­le oder Abso­lu­te. Schwarz ver­an­schau­licht die Abwe­sen­heit von sicht­ba­rem Licht, Weiß die Reflek­ti­on von Licht. Ihre Abstu­fun­gen sind als Grau erfahr­bar. Schwarz und Weiß bezeich­nen die Ur-Pola­ri­tät. Grau kann als ver­mit­teln­des Ele­ment zwi­schen die­sen bei­den unein­ge­schränk­ten Gegen­sät­zen inter­pre­tiert wer­den. Grau ent­steht über­dies durch das Ver­ei­nen von bun­ten Kom­ple­men­tär­far­ben. Grau ver­sinn­bild­licht die Ver­ei­ni­gung der Dua­li­tät und somit eine rela­ti­ve Har­mo­nie. Dem gegen­über ist Weiß ein Gleich­nis des höchs­ten Imma­te­ri­el­len und Schwarz des tiefs­ten Mate­ri­el­len.

Eli­as Ruben­stein

Ein Kunst­werk ist nicht über­le­bens­wich­tig für den Men­schen, aber es unter­schei­det ihn vom Tier.

Was bezwe­cken Sie mit Ihren Wer­ken?

Arche­ty­pen und Sym­bo­le bil­den das Grund­ge­rüst der Kab­ba­la und Her­me­tik-Kunst. Sie ver­mö­gen durch tra­di­tio­nel­le Kon­zep­te mit­tels Spra­che, Schrift oder Sym­bo­le eine bis dato uner­kann­te Sicht­wei­se der Rea­li­tät zu offen­ba­ren. Ein Kunst­werk ist nicht über­le­bens­wich­tig für den Men­schen, aber es unter­schei­det ihn vom Tier­reich. Der Mensch hat die Fähig­keit, über die Kunst nach­zu­den­ken, sie auf sich ein­wir­ken zu las­sen und sich mit ande­ren Men­schen über sei­ne Ein­drü­cke aus­zu­tau­schen.

Sie sind Unter­neh­mer, Autor und Vor­tra­gen­der: Wie hängt dies mit Ihrer Tätig­keit als bil­den­der Künst­ler zusam­men?

Im glei­chen Atem­zug fie­len auch Bezeich­nun­gen wie Men­tor, Coach, Blog­ger, Auf­klä­rer, Gesell­schafts­kri­ti­ker, Leh­rer oder Mys­ti­ker etc. Erstaun­li­cher­wei­se ist es in unse­rer Gesell­schaft üblich, eine Per­son mit einem vor­de­fi­nier­ten uni­for­men Berufs­bild zu iden­ti­fi­zie­ren. Die­se Klas­si­fi­zie­run­gen sind mei­nes Erach­tens ober­fläch­lich – denn jede Per­son ist ein­zig­ar­tig und erfüllt eine ein­ma­li­ge Mis­si­on. Wel­cher Tätig­keit sich die Per­son gege­be­nen­falls bedient, um den inne­ren Ruf zu ver­wirk­li­chen, ist sekun­där. Sofern die­se Hand­lung nicht aus selbst­süch­ti­gen Moti­ven erfolgt, son­dern mit der Absicht, etwas Kon­struk­ti­ves für sei­ne Mit­men­schen bei­zu­tra­gen, kann ein nach­hal­ti­ger Nut­zen für die Gesell­schaft geschaf­fen wer­den.

Wie ent­ste­hen Ihre Wer­ke?

Zuerst reift das Werk über Wochen und gele­gent­lich über Mona­te hin­weg durch Medi­ta­ti­on und Kon­tem­pla­ti­on, dann wird es digi­tal umge­setzt und in begrenz­ter Stück­zahl gedruckt. Jede Illus­tra­ti­on stellt somit auch einen Aspekt der indi­vi­du­el­len Selbst­er­kennt­nis dar.

Wo sehen Sie die Zukunft der Kunst?

Für das Ver­ständ­nis der Zukunft, ist es mit­un­ter nütz­lich die Ver­gan­gen­heit zu betrach­ten. Die Anfän­ge der Kunst haben ihren Ursprung in der Spi­ri­tua­li­tät, Reli­gio­si­tät und im Kult. Die Male­rei­en in den Stein­zeit­höh­len, in ägyp­ti­schen Pyra­mi­den oder in sakra­len Kult­stät­ten the­ma­ti­sier­ten eine Form der Spi­ri­tua­li­tät. Zahl­rei­che his­to­ri­sche Herr­scher, die sich selbst als Ober­haupt eines Kul­tes betrach­te­ten, erkann­ten künst­le­ri­sches Schaf­fen als will­kom­me­nes Werk­zeug, um sich und ihrem Kult ein lang­fris­ti­ges Denk­mal zu set­zen. Erst in jün­ge­rer Geschich­te fand eine offen­kun­di­ge Säku­la­ri­sie­rung der Kunst statt. Die­se Ent­kop­pe­lung öff­ne­te dem Kunst­hand­werk zwar eine neue Per­spek­ti­ve, aller­dings man­gelt es ihr häu­fig an Ori­en­tie­rung oder Sinn­haf­tig­keit. Vie­le moder­ne Künst­ler brüs­ten sich mit zer­stö­re­ri­schen, tabu­bre­chen­den oder absto­ßen­den Kunst­wer­ken. Der gegen­wär­ti­ge Trend för­dert sol­che Kunst­rich­tun­gen, wel­che die Kunst oft­mals als State­ment, für die Gesell­schafts­kri­tik oder z.B. als Ver­gan­gen­heits- bzw. Gegen­warts­be­wäl­ti­gung (The­ra­pie) instru­men­ta­li­sie­ren. Es obliegt dem Begriffs­ver­mö­gen des Künst­lers, ent­we­der die Wirk­lich­keit pro­blem­ver­haf­tet oder lösungs­ori­en­tiert zu betrach­ten. Des­sen unge­ach­tet ver­mag die Kunst eine Dimen­si­on zu ver­mit­teln, die für den Men­schen ander­wei­tig nur schwer erfahr­bar wäre. Dar­in liegt mei­nes Erach­tens das gro­ße Poten­zi­al der Kunst.

ELIAS RUBENSTEIN
Sena­tor h.c. Dr. Dr. h.c. Eli­as Ruben­stein ist Unter­neh­mer, Autor, Vor­tra­gen­der und Kunst­schaf­fen­der. Ruben­stein stu­dier­te Lea­ders­hip & Manage­ment und pro­mo­vier­te in Wirt­schafts­wis­sen­schaf­ten für Inter­na­tio­na­les Manage­ment. Sei­ne Publi­ka­tio­nen und Wer­ke the­ma­ti­sie­ren die Leh­ren und Sym­bo­le der Kab­ba­la, der Her­me­tik und der jüdi­schen und christ­li­chen Mys­tik (Gno­sis). Für sei­ne Ver­diens­te wur­den ihm die uni­ver­si­tä­re Wür­de des Ehren­dok­to­rats und des Ehren­se­nats ver­lie­hen. www.elias-rubenstein.com

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