Jetzt im Kino: Heinrich Vogeler

Einer, der nie aufhörte im Leben das Schöne zu finden

Wann wird Kunst poli­tisch? Wie formt und ver­än­dert sie zwi­schen­mensch­li­che Bezie­hun­gen? Wann ent­steht neue Inspi­ra­ti­on? Kön­nen (nur) Idealist:innen Künstler:innen sein? Die­sen uni­ver­sel­len Fra­gen nach der Natur von Kunst und künst­le­ri­schem Dasein geht die Ver­fil­mung der Bio­gra­fie von Hein­rich Voge­l­er, die der­zeit in den Kinos läuft, durch­aus leben­dig auf den Grund.

Hein­rich Voge­l­er war kurz nach der Jahr­hun­dert­wen­de ein bekann­ter Künst­ler sei­ner Zeit und arbei­te­te als Maler, Gra­fi­ker, Archi­tekt, Desi­gner, Päd­ago­ge und Schrift­stel­ler. Sei­ne Kunst mach­te ihn in den ers­ten Jah­ren des 20. Jahr­hun­derts zum Lieb­ling des Bür­ger­tums, sei­ne Kriegs­er­fah­rung spä­ter zum Dis­si­den­ten, sei­ne poli­ti­sche Hal­tung schließ­lich zum Exil-Künst­ler – Hein­rich Vogelers Lebens­ge­schich­te ist eine radi­ka­le Sinn­su­che in Zei­ten gro­ßer Umbrü­che. Sie wirft uni­ver­sel­le Fra­gen zu Ver­ständ­nis und Ver­ant­wor­tung von Kunst auf, die in Inter­views mit zeit­ge­nös­si­schen Kunst- und Kul­tur­schaf­fen­den dis­ku­tiert wer­den und eine Brü­cke zum 21. Jahr­hun­dert und dem Kunst­be­griff der Gegen­wart schla­gen. Dabei ver­schmel­zen die Zeit­ebe­nen sowie fik­tio­na­le und doku­men­ta­ri­sche Auf­nah­men mit Inter­views, Archiv­bil­dern und Vogelers Male­rei im Film zu einem sehens­wer­ten Gesamtwerk.

Die Regis­seu­rin Marie Noël­le stellt in ihrem Film die Bio­gra­fie von Hein­rich Voge­l­er in den Mit­tel­punkt und macht Schlüs­sel­sze­nen sei­nes Lebens durch Spiel­sze­nen erleb­bar. Flo­ri­an Lukas ist dabei in der Rol­le des Hein­rich Voge­l­er zu sehen und hat sich inten­siv dar­auf vor­be­rei­tet: „Durch zahl­rei­che Gesprä­che mit Marie Noël­le gab es einen Annä­he­rungs­pro­zess, der mich irgend­wann wie selbst­ver­ständ­lich zu Voge­l­er führ­te. Als ich dann das ers­te Mal auf dem Bar­ken­hoff stand, war alles sehr ver­traut.“ Er vertseht Hein­rich Voge­l­er als Träu­mer „als jemand, der ver­such­te, sei­ne Träu­me wahr wer­den zu las­sen, und dar­in auch immer trau­ri­ge Ein­brü­che erleb­te. Aber nie auf­hör­te, im Leben das Schö­ne zu fin­den.“ Anna-Maria Mühe spielt die Rol­le der Mag­da Voge­l­er und Nao­mi Ach­tern­busch jene der Pau­la Modersohn-Becker.

Auf der doku­men­ta­ri­schen Ebe­ne kom­men neben Vogelers direk­ten Nach­fah­ren vie­le zeit­ge­nös­si­sche deut­sche und fran­zö­si­sche Künstler:innen wie Nor­bert Bis­ky, oder Sophie Sain­rapt sowie Historiker:innen, Literat:innen und Kenner:innen der euro­päi­schen und inter­na­tio­na­len Kunst­sze­ne zu Wort. Im Dia­log mit ihnen wird Vogelers Werk und Leben reflek­tiert und ein Bogen von der Kunst­sze­ne von vor hun­dert Jah­ren zu der der Gegen­wart geschlagen.

Neben dem Kino­film bie­tet eine Jubi­lä­ums­aus­stel­lung zum 150. Geburts­tag Hein­rich Vogelers eine wei­te­re Mög­lich­keit, die­sem Künst­ler und sei­nem Werk zu begeg­nen: Die vier zen­tra­len Muse­en im Künst­ler­dorf Worps­we­de – Bar­ken­hoff, Gro­ße Kunst­schau, Haus im Schluh und Worps­we­der Kunst­hal­le – zei­gen vom bis zum 6. Novem­ber 2022 die gro­ße Gemein­schafts­aus­stel­lung »Hein­rich Voge­l­er. Der Neue Mensch«.  Im Zen­trum steht der Bar­ken­hoff – der Ort, der Vogelers Leben und Kunst wie kein ande­rer prägte.

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