Ich existiere, ich fühle, ich beobachte

DANIELA DALLAVALLES FACETTENREICHER AUSDRUCK VON LEIDENSCHAFT.

Danie­la Dal­la­val­le ist eine facet­ten­rei­che Künst­le­rin und Unter­neh­me­rin, die ihre Sen­si­bi­li­tät in vie­ler­lei Hin­sicht zum Aus­druck bringt: Mode, Kunst, Innen­ar­chi­tek­tur und Home­we­ar. Ihre bun­te Welt spricht eine ein­zi­ge, all­ge­mein ver­ständ­li­che Spra­che, die in der Absicht, die Welt zu sehen und zu ent­de­cken, ihren Reich­tum offen­bart: näm­lich die Spra­che der Lie­be. Als Toch­ter einer deut­schen Mut­ter und eines ita­lie­ni­schen Vaters, ist sie in einem unter­neh­me­ri­schen Umfeld auf­ge­wach­sen und wur­de im Tex­til­be­reich aus­ge­bil­det, es ist ihr seit Anfang der Acht­zi­ger­jah­re gelun­gen, einen kon­se­quen­ten Wachs­tums- und Ent­wick­lungs­weg ein­zu­schla­gen, der ihr ermög­licht hat 2015 ihren neu­en Fir­men­sitz „Bar­ac­ca sul Mare“ in Car­pi (Ita­li­en) zu eröff­nen.

Das Ergeb­nis der Grat­wan­de­rung zwi­schen Kunst und unter­neh­me­ri­scher Beru­fung sind Klei­dungs­stü­cke, die durch Male­rei und freie Gestal­tung in Ober­flä­chen aus einer Viel­falt von Mate­ria­li­en Kon­tras­te in Ein­klang brin­gen. Der Rest ihres krea­ti­ven Wer­de­gan­ges basiert auf der untrenn­ba­ren Ver­bin­dung von Mode und Kunst und es scheint so, als wür­den die­se fast unun­ter­bro­chen inein­an­der­flie­ßen. Die bes­te ita­lie­ni­sche Schnei­der­tra­di­ti­on, neu inter­pre­tiert, nach zeit­ge­nös­si­schen Prin­zi­pi­en, trifft auf die frei­es­ten künst­le­ri­schen Aus­drucks­for­men: Das Ergeb­nis ist eine stän­di­ge Wei­ter­ent­wick­lung, die sich in einem Wech­sel von Lich­tern, Far­ben, ver­schie­de­nen natür­li­chen und mate­ri­el­len Ele­men­ten aus­drückt.

Die Lei­den­schaft für das Klei­den hege ich schon von klein auf, da ich in einem Umfeld auf­ge­wach­sen bin, in dem viel über Mode gespro­chen wur­de. Es ist etwas, das ich auf­ge­nom­men habe, als wäre es der Kof­fer des Lebens. Kunst ist, wie ich es ver­ste­he, eine Selbst­fin­dung, weil ich glau­be, dass jeder Künst­ler sein kann, wenn es dar­um geht, sein eige­nes Emp­fin­den aus­zu­drü­cken. Seit mei­ner Kind­heit war ich immer neu­gie­rig dar­auf, das Leben und jene Ele­men­te zu ent­de­cken, die das Leben aus­ma­chen. Ich habe viel beob­ach­tet und wenn Sie viel beob­ach­ten und alles in sich behal­ten, was Sie füh­len, was Sie sehen und was Sie hören, kommt ein Moment, in dem der Aus­druck eine unbän­di­ge Dring­lich­keit wird. Instink­tiv und beschei­den hat­te ich das Bedürf­nis, mei­ne Kunst, mei­ne Krea­ti­vi­tät zu leben. Am Anfang gab es nur weni­ge Über­schnei­dun­gen: nachts mal­te und tags­über, als ich das Mate­ri­al in den Hän­den hielt, fing ich an zu kre­ieren. Aber dann, als die­se Mischung aus mei­nem Leben und mei­ner Lei­den­schaft für Mode und Kunst mich so glück­lich mach­te, fast in Eksta­se ver­setz­te, beschloss ich, mich zu öff­nen, indem ich Objek­te, Klei­der, Wesen, See­len erschuf – denn für mich hat die Mate­rie eine See­le – mit dem fes­ten Wil­len, sie zu tei­len.“

Dank der gleich­na­mi­gen Mar­ke hat Danie­la Dal­la­val­le einen Gesamt­look ent­wi­ckelt, der aus Cou­ture-Klei­dung und welt­of­fe­nen Anre­gun­gen, Gra­fi­ken, Apho­ris­men und Neo­lo­gis­men basiert, die von ihrer eige­nen künst­le­ri­schen Pro­duk­ti­on inspi­riert sind. Die Stü­cke ihrer Samm­lun­gen sind wie Buch­sta­ben eines Alpha­bets, mit denen man klas­si­sche exklu­si­ve Kon­so­nan­zen oder sehr per­sön­li­che krea­ti­ve Neo­lo­gis­men erschaf­fen kann. Die­je­ni­gen, die aus Danie­la Dal­la­val­les Gar­de­ro­be schöp­fen, ent­de­cken, dass sie ihre eige­nen Out­fits wie ein Puz­zle zusam­men­stel­len kön­nen, indem sie Basic und Raf­fi­nier­tes, Ele­gan­tes und Läs­si­ges mit­ein­an­der ver­bin­den. Eklek­tisch, Pop, Urban oder Decò.

Danie­la Dal­la­val­le in Vene­dig

Ihre Mode will eine Hom­mage an die Mode selbst sein, die über das Kon­zept des Trends hin­aus­geht und der Frau die Haupt­rol­le ver­leiht, die es ihr ermög­licht, sich ori­gi­nell zu klei­den, sowohl ihren Kör­per als auch ihre Emo­tio­nen.

Zur Unter­stüt­zung ihres Wun­sches, immer wie­der mit neu­en alche­mis­ti­schen For­men der Weib­lich­keit zu expe­ri­men­tie­ren, gibt es eine rei­che Sym­bo­lik, die sich aus wie­der­keh­ren­den iko­no­gra­fi­schen The­men zusam­men­setzt, wie dem „Fix­punkt“ (ich exis­tie­re), dem Her­zen (ich füh­le), dem Auge (ich beob­ach­te), den Aus­las­sungs­punk­ten (ich atme). Und alles trägt zu einer visu­el­len, kon­kre­ten Poe­sie bei, in der sich das dich­te Netz der Zei­chen zusam­men­setzt, zer­legt und neu zusam­men­setzt und unter Umkeh­rung aller Zusam­men­hän­ge das The­ma Kunst mit dem der Mode und das The­ma Mode mit dem des Lebens ver­bin­det.

Jeden Mor­gen, wenn ich auf­ste­he, ist es eine gro­ße Freu­de für mich, mit Begeis­te­rung einem neu­en Stück mei­ner Rei­se gegen­über­zu­ste­hen. Sich der Wie­der­ho­lung der Tage zu stel­len, die zusam­men das Leben aus­ma­chen. Alles beginnt mit einer gro­ßen Lie­be zur Exis­tenz und natür­lich auch zur Mode. Neben dem Wunsch, mei­ne Krea­ti­vi­tät in all den For­men aus­drü­cken zu kön­nen, die mir spon­tan ein­fal­len.“

Eine anste­cken­de Freu­de, die wie eine Flut in die Ver­wirk­li­chung ihrer Kol­lek­tio­nen fließt und alles, was sie umgibt, mit der glei­chen Natür­lich­keit ein­be­zieht. Eher eine Lebens­weis­heit als eine Art Mode zu kre­ieren, bei der die mensch­li­che Dimen­si­on das indi­rek­te Maß, der Start- und Ziel­punkt bleibt.

Mei­ne Ener­gie ist nichts ande­res als pure, auf­rich­ti­ge Begeis­te­rung für das Leben. Ich bin an sie gebun­den und möch­te die mir zur Ver­fü­gung gestell­te Zeit gut nut­zen, weil ich ent­deck­te, dass das größ­te Geschenk, das ich je erhal­ten habe, die Exis­tenz selbst war. Ich begann damit, mich mit abso­lu­ter Ein­fach­heit zu akzep­tie­ren. Man kann es in den Punk­ten mei­ner Gemäl­de sehen. Die­ser bedeu­tet: Ich bin, ich exis­tie­re. Es ist nichts Wei­te­res nötig. Ich benut­ze die Exis­tenz, um zu errei­chen, zu ent­de­cken und nicht um zu ändern, wer ich bin. Daher kommt auch mei­ne Ener­gie: Sie ent­steht durch das Leben, durch das Ver­su­chen, Berüh­ren, Sehen, Ent­de­cken. Für mich besteht die Exis­tenz dar­in, mit offe­nen Armen ande­ren zu begeg­nen. Es ist Syn­er­gie, es ist Inter­ak­ti­on.

Danie­la Dal­la­val­le ist eine Frau, die aus einer Rei­he von Optio­nen aus­wäh­len kann und jeden Tag eine Nuan­ce der See­le ver­bes­sert. Des­halb ist ihr Klei­der­schrank einer, der unwei­ger­lich wei­ter wächst, da stän­dig neue Stü­cke hin­zu­kom­men. Ein immer offe­ner Klei­der­schrank, an den sich jede Frau frei anleh­nen kann, der nicht beein­flus­sen, Regeln dik­tie­ren oder Maß­stä­be set­zen will, der zum Tei­len und Aus­tau­schen anregt, wie in einem Spiel. Und die wich­tigs­te Regel in die­sem Spiel kann nur sein, dass Sie sich selbst, Ihre Per­son und Ihre Inti­mi­tät respek­tie­ren.

Jedes Klei­dungs­stück, das ich fer­ti­ge, hat einen abso­lu­ten Wert für das, was es ist und eben nicht für sai­so­na­le Trends. Und so sehe ich es als mei­ne Auf­ga­be, vie­le Ele­men­te zur Ver­fü­gung zu stel­len, weil ich glau­be, dass wir uns nur gut füh­len, wenn wir aus­wäh­len kön­nen, was wirk­lich zu uns gehört.

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geschrieben von

Sie ist Schriftstellerin und Universitätsdozentin. Derzeit lehrt sie Kostüm- und Modegeschichte und Kommunikation am IAAD in Bologna und Turin. Sie schreibt für verschiedene Zeitschriften über Mode und zeitgenössische Kunst und hat kürzlich für Skira Editore die internationale Ausgabe des Buches des Londoner Fotografen Sohail Karmani betreut. In Mailand arbeitet sie permanent mit der Galleria Raffaella Cortese und der Osart Gallery zusammen und rezensiert die Ausstellungen. Interlenghi organisiert und kuratiert Mode-Events, Videokunstausstellungen und Performing Art.

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