Menschenbilder und Kopfarbeiten

Bildhauerei | Margot Stöckl

Das früh aus­ge­präg­te Inter­es­se, Werk­zeug und Werk­ma­te­ria­li­en des elter­li­chen Tisch­le­rei­be­trie­bes mit alters­ge­mä­ßem Spiel­zeug zu tau­schen bestimm­ten, neben Bega­bung, Freu­de, Krea­ti­vi­tät zei­gen zu kön­nen, den spä­ter ein­ge­schla­ge­nen Weg, in Inns­bruck an der Höhe­ren Tech­ni­schen Lehr­an­stalt die Tisch­ler­leh­re zu absol­vie­ren. Im Abseits des dörf­li­chen Lebens in ihrer Hei­mat im Zil­ler­tal gelang es Mar­got Stöckl, Mög­lich­kei­ten einer künst­le­ri­schen Wei­ter­bil­dung aus­zu­lo­ten und sich mit zeit­ge­mä­ßen gege­be­nen­falls auch mit tra­dier­ten Ten­den­zen der Kunst und ihrer Geschich­te auseinanderzusetzen.

In und mit ihrer(en) „KOPFARBEIT(EN)“ – so bezeich­net sie selbst den eige­nen unmit­tel­ba­ren Zugang zu IHREM künst­le­ri­schen Schaf­fen – bewegt sich die Künst­le­rin auf einem sehr spe­zi­el­len Ter­rain bild­haue­ri­schen Schaf­fens. Der Fokus in der plas­ti­schen Gestal­tung ist unmiss­ver­ständ­lich auf die mensch­li­che Figur gerich­tet, wobei ein auf­fal­lend kon­se­quent prak­ti­zier­ter Sicht- und Gestal­tungs­wil­len Rich­tung „MENSCHLICHEM KOPF“ zu kon­sta­tie­ren ist. Im Auf­ein­an­der­tref­fen unter­schied­li­cher Posi­tio­nen beweist sie viel Gespür für fein­sin­ni­ge, aus­drucks­star­ke Gestal­tungs­wei­sen, die sie in der Kom­bi­na­ti­on mit ten­den­zi­ell wit­zi­gen bis völ­lig unge­wohn­ten, aus ihrem eigent­li­chen Auf­ga­ben­be­reich requi­rier­ten Bei­ga­ben und Attri­bu­ten, zu fas­zi­nie­ren­der Eigen­wil­lig­keit stei­gern ver­mag, die sich auch in den Bild­ti­teln wie „Der Aggres­sor“, „Der Alche­mist“, „Ern­te­dank“, „Iro­ke­se“ u.a.m. widerspiegeln.

Mar­got Stöckl

Der klar struk­tu­rier­te Auf­bau, das sich stets wie­der­ho­len­de und aus­ge­wo­ge­ne Spiel zwi­schen Linie und Flä­che, Bewe­gung und Zurück­hal­tung, hau­chen ihren Arbei­ten Leben ein. 

Der Gang durch die Rei­he ihrer „Per­sön­lich­kei­ten“ for­dert dem Betrach­ter viel Kon­zen­tra­ti­on und Schau­lust ab, um den Cha­rak­te­ren ihrer „Men­schen­ty­pen“, die mit einer sehr indi­vi­du­el­len, von höchs­ter Krea­ti­vi­tät getra­ge­nen Aus­drucks­kraft aus­ge­stat­tet sind, nach­spü­ren zu kön­nen. Ihre meist in Alu­mi­ni­um – alter­na­tiv auch in Bron­ze – gegos­se­nen Köp­fe bestechen durch eine eigen­stän­di­ge Bild­spra­che, deren Voka­bu­lar auf die Ein­be­zie­hung und Kom­bi­na­ti­on von Lini­en und Flä­chen, Gra­ten und Höh­lun­gen auf­ge­baut ist. Im eher unge­wöhn­li­chen Medi­um des Alu­mi­ni­ums hat Mar­got Stöckl jenes Mate­ri­al gefun­den, das für sie und ihre Gestal­tungs­wei­se die best­mög­li­chen Vor­aus­set­zun­gen für eine leben­di­ge Bild­prä­senz schafft. Sich der Werk­stoff-Imma­nenz der Mate­ria­li­en stets bewusst, kal­ku­liert sie die Mög­lich­kei­ten eines sich ver­än­dern­den Licht-Schat­ten­spiels in ihre Kon­zep­te mit ein, das spon­tan an ein dem Land­schafts­bild ähneln­des Phä­no­men erinnert.

Das Natur­vor­bild nie gänz­lich außer Acht gelas­sen, scheint sie mit einem fast impul­siv-ges­tisch wir­ken­den Form­auf­bau, der manch­mal auch den Ein­druck einer sug­ges­tiv her­bei­ge­sehn­ten Über­stei­ge­rung her­vor­ruft, zu Bild­aus­sa­gen beson­de­rer Qua­li­tät zu gelan­gen. Die bewuss­te Abkehr von der eigent­li­chen Por­trät­kunst, die den Ein­druck einer per­so­na­len Gegen­wär­tig­keit evo­ziert, lenkt von der Wie­der­ga­be des rei­nen Vor­bil­des ab, wobei sie auf ihrem Weg zu einer neu gewon­ne­nen Frei­heit der bild­ne­ri­schen Mit­tel fi ndet, die es ihr ermög­licht, ein moder­nes, gleich­zei­tig ein all­ge­mein gül­ti­ge­res Bild vom Men­schen zu zeich­nen. Der ein­ge­schla­ge­ne Weg ermög­licht es ihr Ein­drü­cke ihres täg­li­chen Umfel­des genau­so wie jene ihrer wei­ten Rei­sen bild­haft zu machen.

Im Bewusst­sein, vor allem im Aus­lo­ten aller Mög­lich­kei­ten des Grund­werk­stof­fes TON – alter­nie­rend ver­wen­det sie auch PLASTILIN – gelingt es Mar­got Stöckl im abwechs­lungs­rei­chen Arbei­ten durch Mate­ri­al Auf- und Abbau, dem anfäng­lich fügi­gen Medi­um, Aus­drucks­ener­gien beein­dru­cken­den Aus­ma­ßes abzu­rin­gen und auf­zu­er­le­gen. Der Freu­de am Gestal­ten wer­den durch die „KOPFARBEIT“ d.h. durch ihre kla­re kon­zep­tio­nel­le Denk­ar­beit gewis­se Schran­ken auf­er­legt. Jedem noch so klei­nen Detail – sei es geis­ti­ger, tech­ni­scher wie künst­le­ri­scher Natur – wird vol­le Auf­merk­sam­keit gezollt, Ele­men­te bedin­gen sich gegen­sei­tig und stei­gern sich zu einem voll­kom­me­nen Gan­zen. In den Arbei­ten, in denen sie sich mit der mensch­li­chen Gestalt in ihrer Gesamt­heit aus­ein­an­der setzt und sich the­ma­tisch und moti­visch unter­schied­lichs­ten Vor­wür­fen stellt, ist die­sem Kunst­wol­len beson­de­re Auf­merk­sam­keit geschenkt. Der klar struk­tu­rier­te Auf­bau, das sich stets wie­der­ho­len­de und aus­ge­wo­ge­ne Spiel zwi­schen Linie und Flä­che, Bewe­gung und Zurück­hal­tung, hau­chen ihren Arbei­ten Leben ein. Mit der inten­si­ven geis­tig-phi­lo­so­phi­schen Aus­ein­an­der­set­zung, die bestimm­te The­men for­dern, gelingt es ihr, dem Anfor­de­rungs­pro­fil und der hohen Erwar­tungs­hal­tung ihrer Auf­trag­ge­ber zu ent­spre­chen. Mit kon­se­quent ein­ge­setz­ten, oft ver­klau­su­lier­ten Stil­mit­teln, ver­sucht sie dem The­ma gerecht zu wer­den, setzt mit wohl bedach­ten Bild­ti­teln Denk­an­stö­ße und baut Brü­cken zwi­schen sich und dem Betrach­ter, dabei stets dar­auf bedacht, der Inter­pre­ta­ti­on genü­gend Frei­raum zu lassen.

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geschrieben von

Studium der Kunstgeschichte in Innsbruck. Philosophische Dissertation über die Geschichte der Tiroler Glasmalerei- und Mosaikanstalt und deren Mosaike im Stadtgebiet von Innsbruck. Kurzzeitige Mitarbeit am Tiroler Kunstkataster. Als Ausstellungskuratorin und Autorin von Kunstmonografien und zahlreichen kunstpublizistischen Beiträgen u.a. für Ausstellungskataloge tätig.

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