Wer bringt die Kunst sicher nach Venedig?

Ohne diese Dienstleistungen keine Ausstellungen: Kunsttransport, Arthandling, Verpackung und Lagerung. Ein Gespräch mit den Experten von MuseumsPartner.

Zahl­rei­che Kunst­ge­gen­stän­de aus der gan­zen Welt wer­den auch heu­er wie­der für die Bien­na­le nach Vene­dig trans­por­tiert, um dort in den Aus­stel­lun­gen, Län­der­pa­vil­lons und Col­la­te­ral Events gezeigt zu wer­den. Die Kunst­welt trifft sich von Ende April bis Novem­ber in der Lagu­nen­stadt; im Vor­feld sind viel logis­ti­sches Geschick und Know-how gefragt, um die Kunst­ob­jek­te recht­zei­tig, sicher und unbe­schä­digt an ihren jewei­li­gen Aus­stel­lungs­ort zu bringen.

Das Unter­neh­men Muse­ums­Part­ner gehört zu den inter­na­tio­nal füh­ren­den im Bereich Kunst­trans­por­te, pro­fes­sio­nel­les Art-Hand­ling, Ver­pa­ckung, Lage­rung von Kunst­ge­gen­stän­den sowie der Kon­zep­tio­nie­rung und Umset­zung schlüs­sel­fer­ti­ger Wan­der­aus­stel­lun­gen. Als Dienst­leis­ter für renom­mier­te Muse­en und dank der jah­re­lan­gen Erfah­rung ist Muse­ums­Part­ner in der Bran­che für Lösun­gen bei beson­ders heik­len, wert­vol­len und  her­aus­for­dern­den Trans­por­ten welt­weit bekannt. Der Haupt­sitz liegt im Her­zen der Alpen, in Zirl bei Inns­bruck. Von dort aus plant und orga­ni­siert das fach­kun­di­ge Team die Logis­tik für inter­na­tio­na­le Samm­lun­gen, Gale­rien, Insti­tu­tio­nen und Ausstellungshäuser.

Wäh­rend die Kunst­ob­jek­te im erst kürz­lich neu ent­stan­de­nen Kunst­la­ger der Muse­ums­Part­ner trans­port­fä­hig gemacht wer­den, um ihre Rei­se nach Vene­dig anzu­tre­ten, tref­fen wir die Geschäfts­füh­rer Kath­rin Sandri­ni, Peter Elsäs­ser und Peter Eckert vor Ort, um einen Blick hin­ter die Kulis­sen zu wer­fen und aus ers­ter Hand mehr über deren Beru­fung zur Kunst­lo­gis­tik zu erfahren.

v.l.n.r. Kath­rin Sandri­ni, Peter Eckert und Peter Elsäs­ser im neu­en Muse­ums­Part­ner Kunst­la­ger Foto: Nad­ja Fröhlich

Unser Kun­den­kreis ist sehr viel­fäl­tig: Muse­en, Samm­lun­gen, Gale­rien, Pri­vat­per­so­nen, die etwas Wert­vol­les geerbt haben oder eben selbst sam­meln, Ban­ken, die nicht aus­rei­chend Platz haben, die Kunst in ihren eige­nen Räum­lich­kei­ten zu hän­gen, Kir­chen oder auch Archi­ve, die umzie­hen«, erklärt Kath­rin Sandri­ni. Erst vor weni­gen Mona­ten ist das Unter­neh­men Muse­ums­Part­ner selbst umge­zo­gen und zwar in einen kom­for­ta­blen Neu­bau in Zirl. Mit die­sem Neu­bau sind lang­jäh­ri­ge Visio­nen in die Rea­li­tät umge­setzt wor­den: »Wir kön­nen nun eine sehr inno­va­ti­ve Lage­rung von Kunst­ob­jek­ten anbie­ten, die den aktu­ells­ten Stan­dards ent­spricht«, sagt Peter Elsäs­ser und Peter Eckert ergänzt: »Die neue Hard­ware erlaubt es uns, mit unse­ren Mit­ar­bei­tern noch kon­se­quen­ter an qua­li­ta­ti­ven Inno­va­tio­nen zu arbei­ten, bei­spiels­wei­se in Sachen Ver­pa­ckung und Trans­port.« Der Kern ist immer noch der­sel­be, wie bei der Grün­dung des Unter­neh­mens: pro­fes­sio­nel­ler Dienst­leis­ter für den Kunst- und Aus­stel­lungs­be­trieb zu sein. Den­noch hat sich über die Jahr­zehn­te viel wei­ter­ent­wi­ckelt. »Am Anfang hat­ten wir nur ein Büro, danach ein Büro und einen Fuhr­park mit eige­nen LKWs, schließ­lich kam eine klei­ne­re Lager­flä­che dazu.

Wir sind in der Dimen­si­on, aber eben auch in den Sicher­heits­aspek­ten und der Tech­no­lo­gie ste­tig gewach­sen«, freut sich Elsäs­ser: »Die Visi­on ist nach und nach zur Mis­si­on gewor­den« und Eckert ergänzt: »Nun geht es um das Ver­fei­nern, um das kon­se­quen­te Qua­li­täts­ma­nage­ment und dar­um, mit den Ent­wick­lun­gen in der Bran­che mit­zu­ge­hen oder viel­mehr einen Schritt vor­aus zu sein. Im neu­en Gebäu­de spie­len Nach­hal­tig­keit und Qua­li­tät eine gro­ße Rol­le.« Gemein­sam mit den drei Gesprächs­part­nern bege­hen wir die Stock­wer­ke des Gebäu­des und bekom­men einen Ein­blick in die neu­en Mög­lich­kei­ten. Es wur­de beim Bau sehr detail­ge­nau dar­an gedacht, dass sich Mit­ar­bei­ter und Kunst­ob­jek­te in dem funk­tio­na­len Neu­bau wohl­füh­len. »Zum ers­ten Mal sind LKW-Flot­te, Lager und Büros in einem Haus ver­eint. Es gibt eine abge­trenn­te gesi­cher­te Schleu­se mit Over­night-Stop für zwei Hän­ger­zü­ge. Alles hier konn­ten wir nach unse­ren Ansprü­chen und den Kun­den­be­dürf­nis­sen pla­nen. Der Las­ten­lift hat bei­spiels­wei­se exakt die Öff­nung eines Kunst-LKWs. Der Stand­ort ist groß­ar­tig, die Anbin­dung ist per­fekt. Auch für die Mit­ar­bei­ter«, schwärmt Sandri­ni. In so einem Funk­ti­ons­bau, erfah­ren wir im Gespräch, gilt es viel zu beach­ten: Kei­ne Fens­ter, wenig Was­ser­lei­tun­gen, Alarm­an­la­ge und Brand­mel­de­an­la­ge zur Leit­stel­le, Video­über­wa­chung, Zutritts­kon­trol­len, Sicher­heits­richt­li­ni­en bezüg­lich wer wohin darf, per­ma­nen­te Kli­ma­über­wa­chung, um nur eini­ges auf­zu­zäh­len. »Auch was rund her­um ist, ist zu beden­ken. Bei­spiels­wei­se Umwelt­ka­ta­stro­phen, kli­ma­ti­sche Ver­än­de­run­gen, das alles spielt eine Rol­le. Wir sind hier in den Ber­gen und ein gro­ßer Fluss läuft durchs Tal, man muss das ein­kal­ku­lie­ren«, erklärt Peter Elsäs­ser. Dass an all das und noch an vie­les mehr gedacht wird, ist im Fall des Unter­neh­mens Muse­ums­Part­ner auf die lang­jäh­ri­ge Erfah­rung des Teams zurück­zu­füh­ren und auf den inten­si­ven Aus­tausch in einem funk­tio­nie­ren­den Netzwerk.

Muse­ums­Part­ner ist Teil von ICEFAT, einem inter­na­tio­na­len Netz­werk von Kunst­lo­gis­tik­un­ter­neh­men, die welt­weit die­sel­ben Stan­dards erfül­len. Außer­dem ist das Unter­neh­men im musea­len Betrieb mit Restau­ra­to­ren, Kunst­samm­lern, Luft­fracht- und See­frach­t­agen­ten, Ver­pa­ckungs­spe­zia­lis­ten und Kli­ma­tech­ni­kern bes­tens ver­netzt. »Für uns ist es sehr wich­tig, die Ent­wick­lun­gen am Markt zu ver­fol­gen. Wir inter­es­sie­ren uns für vie­le Fach­ge­bie­te. Was sich schon rein im Bereich der Mate­ri­al­kun­de und Mate­ri­al­tech­no­lo­gien tut, ist enorm«, erklärt Elsässer.

Peter Eckert steht den Geschäfts­füh­rern Elsäs­ser und Sandri­ni seit dem Umzug in den Neu­bau zur Sei­te. Er kennt das Unter­neh­men aber schon lan­ge, da er es in den Jah­ren zuvor als Bank­be­ra­ter beglei­tet hat: »Ich bin New­co­mer in der Bran­che, wuss­te aber schon, was mich hier erwar­tet. Die Geschäfts­mo­del­le von Muse­ums­Part­ner habe ich immer schon fas­zi­nie­rend und inter­es­sant gefun­den: Wie schlüs­sel­fer­ti­ge Wan­der­aus­stel­lun­gen kon­zi­piert, in die Welt hin­aus­ge­tra­gen und einem Mil­lio­nen-Publi­kum zugäng­lich gemacht wer­den. Mich hat das eben auch per­sön­lich inter­es­siert. Nun bin ich hier als Geschäfts­füh­rer für Finan­zen, Orga­ni­sa­ti­on, Per­so­nal und admi­nis­tra­tiv für das Kunst­la­ger ver­ant­wort­lich. Die Ein­la­ge­rung von Kunst­ge­gen­stän­den ist auf­re­gend. Es begeis­tert mich, mit wie viel Umsicht und Vor­sicht all die­se Objek­te behan­delt wer­den und wie viel Lie­be zum Detail orga­ni­sa­to­risch in einem funk­tio­nie­ren­den Kunst­la­ger steckt.

Um auf die ange­spro­che­nen Wan­der­aus­stel­lun­gen zurück zu kom­men: Im Den­ver Muse­um of Natu­re & Sci­ence hat kürz­lich die gro­ße Ägyp­ten­aus­stel­lung »Egypt: The Time of Pha­raohs« eröff­net, in der rund 500 ori­gi­na­le Arte­fak­te gezeigt wer­den. Davor »ANGKOR: THE LOST EMPIRE OF CAMBODIA« im Cali­for­nia Sci­ence Cen­ter in Koope­ra­ti­on mit dem Natio­nal­mu­se­um Kam­bo­dscha, wofür über 100 Arte­fak­te nach Los Ange­les trans­por­tiert wur­den. Im April eröff­net in Kana­da im Muse­um Poin­te-à-Cal­liè­re, Mon­tré­al, »VIKINGS – War­ri­ors of the North, Giants of the Sea« in Koope­ra­ti­on mit dem Natio­nal­mu­se­um Däne­mark in Kopen­ha­gen. Kurz danach die MAYA-Aus­stel­lung in Kan­sas City in Koope­ra­ti­on mit dem Natio­nal Muse­um of Gua­te­ma­la und der La Ruta Maya Foun­da­ti­on. Eine klei­ne fei­ne Aus­stel­lung wird der­zeit im MAMUZ in Nie­der­ös­ter­reich mit dem Titel »König­rei­che der Eisen­zeit« gezeigt, in Koope­ra­ti­on mit dem Natur­his­to­ri­schen Muse­um in Wien und dem Team vom MAMUZ Muse­um Mis­tel­bach. Aber das ist noch nicht alles, wie Peter Elsäs­ser aus­führt: »Wir wol­len in wei­te­rer Fol­ge die Aus­stel­lung STONEHENGE nach Chi­na brin­gen, dar­an arbei­ten wir gera­de. In den USA und in Chi­na ist im Moment mehr Poten­ti­al für Wan­der­aus­stel­lun­gen als in Euro­pa. Wir wer­den aktu­ell häu­fig von gro­ßen Natio­nal­mu­se­en kon­tak­tiert, die Inter­es­se an der Kon­zep­tio­nie­rung und Umset­zung der­ar­ti­ger Aus­stel­lun­gen haben. Bei­spiels­wei­se möch­te Nige­ria die Benin-Skulp­tu­ren nach Euro­pa brin­gen und wir sind in Pla­nung eines Klimt-Aus­stel­lungs­pro­jekts für Spanien.«

Als Allein­stel­lungs­merk­ma­le iden­ti­fi­zie­ren wir im Gespräch mit den Drei­en das inter­na­tio­na­le Part­ner­netz­werk, den lang­jäh­ri­gen Mit­ar­bei­ter­stamm mit Exper­ti­se, die umfang­rei­che Erfah­rung im musea­len Bereich und ins­be­son­de­re die eige­ne Begeis­te­rung für die­se Beru­fung. Die authen­ti­sche Freu­de und das Enga­ge­ment müs­sen in der Zusam­men­ar­beit mit den Kun­den spür­bar sein und schaf­fen sicher­lich eine Ver­trau­ens­ba­sis. »In unse­ren Kun­den­be­zie­hun­gen spielt seit jeher das ›word of mouth‹ eine gro­ße Rol­le. Die Ver­ant­wort­li­chen der Muse­en tref­fen sich in regel­mä­ßi­gen Abstän­den und tau­schen ver­trau­ens­voll Emp­feh­lun­gen unter­ein­an­der aus«, erklärt Peter Elsäs­ser und Eckert fährt fort: »Ver­trau­en ist essen­ti­ell. Es ent­steht, indem man über vie­le Jah­re zeigt, dass man auf die indi­vi­du­el­len Bedürf­nis­se ein­geht und die Qua­li­täts­stan­dards erfüllt. Die Zufrie­den­heit jedes ein­zel­nen Kun­den stif­tet Ver­trau­en.« Kath­rin Sandri­ni fügt hin­zu: »Geschul­tes Per­so­nal ist zur Ein­hal­tung der Qua­li­täts­stan­dards unab­ding­bar. Die han­deln­den Per­so­nen müs­sen genau wis­sen, was sie tun. Jeder muss sich an das Dreh­buch hal­ten und dafür muss man das Dreh­buch ken­nen und vor allem auch die Erfah­rung haben, wie man mit Her­aus­for­de­run­gen umgeht.« Sandri­ni nennt bei­spiel­haft die Lie­fe­rung eines Karus­sells mit lebens­gro­ßen Glas­pfer­den von Mura­no über Inns­bruck nach Katar oder inner­halb von drei Wochen den Trans­port für archäo­lo­gi­sche Arte­fak­te von 26 ver­schie­de­nen Stand­or­ten in Ita­li­en für eine Aus­stel­lung im Cas­tel­lo del Buon­con­siglio in Tri­ent zu orga­ni­sie­ren und umzu­set­zen. »In so kur­zer Zeit ent­spre­chen­de Ver­pa­ckun­gen zu bau­en, poli­zei­ge­schütz­te Trans­por­te von Sizi­li­en sowie die gesam­ten Geneh­mi­gun­gen recht­zei­tig ein­zu­ho­len und mit 26 Leih­ge­bern zu inter­agie­ren, das ist ein Pro­jekt, das dem Team in Erin­ne­rung bleibt«, meint Sandrini.

Und dann bleibt noch eine offe­ne Fra­ge: Für wel­che Aus­stel­lun­gen gehen die Kunst­wer­ke jetzt nach Vene­dig? Dis­kre­ti­on ist eine der höchs­ten Tugen­den im Logis­tik­be­reich. Wenn wert­vol­le Kunst­ge­gen­stän­de von A nach B gehen, dür­fen nur Betei­lig­te in Kennt­nis gesetzt wer­den. Sogar die LKWs dür­fen häu­fig nicht nach jenen eines Kunst­trans­port­un­ter­neh­mens aus­se­hen, das wür­de zu viel Auf­se­hen erre­gen. Alles Top-Secret also. Da die Aus­ga­be erst nach dem Trans­port­ter­min erscheint, dür­fen wir zumin­dest ein klei­nes Detail erfah­ren, weil der Auf­trag über eine öffent­li­che Aus­schrei­bung zustan­de kam. »Wir haben, was die Bien­na­le Vene­dig betrifft, so eini­ge Trans­por­te orga­ni­siert und umge­setzt, bei­spiels­wei­se auch jenen für das Kunst­haus Bre­genz. Das Kunst­haus Bre­genz fei­ert sein 25-jäh­ri­ges Jubi­lä­um mit einer Aus­stel­lung in Vene­dig. Zwei Künst­le­rin­nen, Oto­bong Nkan­ga und Anna Bog­hi­guian, die heu­er auch in Bre­genz zu sehen sind, wer­den in der Scuo­la di San Pas­qua­le am Cam­po San Fran­ces­co del­la Vigna prä­sen­tiert. Wir sor­gen dafür, dass die Objek­te recht­zei­tig vor Ort sind«, ver­ra­ten Kath­rin Sandri­ni, Peter Elsäs­ser und Peter Eckert. Die Künst­le­rin­nen und das Kunst­haus Bre­genz dür­fen den Trans­port, so viel ist sicher, in bes­ten Hän­den wissen.

Wer inter­es­siert dar­an ist, Kunst­ob­jek­te oder gar eine Samm­lung im neu­en Kunst­la­ger der Muse­ums­Part­ner ein­zu­la­gern, kann sich ger­ne jeder­zeit mit den Ver­ant­wort­li­chen in Ver­bin­dung set­zen, denn noch, so durf­ten wir erfah­ren, ist ein Teil der begehr­ten Lager­flä­che verfügbar.

Muse­ums­Part­ner GmbH
www.museumspartner.com

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