PIXELS by Cryptowiener – Weltenhüpfen

Ein Gepräch mit Bernhard Nessler

Ein Vor­mit­tag in einem Café in der Nähe des Wie­ner Haupt­bahn­hofs. Bern­hard Ness­ler rollt mit dem Skate­board an. Das pas­sen­de Dienst­fahr­zeug für einen, der in den nächs­ten 90 Minu­ten nicht nur die Aus­stel­lung PIXELS by Cryp­toWie­ner im Lin­zer OK pro­pa­gie­ren wird, son­dern eine neue Welt. Deren tech­no­lo­gi­sche Basis ist die Block­chain, eine chro­no­lo­gi­sche Ver­ket­tung und Kenn­zeich­nung von Daten. Ursprüng­lich für die Kryp­to­wäh­rung Bit­coin geschaf­fen, durch­dringt sie längst vie­le Lebens­be­rei­che – auch die Kunst. Stich­wort: Non-Fun­gi­ble Token (NFT).

Ness­ler ist einer der sechs Künstler:innen des Kol­lek­tivs Cryp­toWie­ner, das sehr früh im Cryp­to­art-Space und dem Meta­ver­se Cryp­to­vox­els aktiv war. Dort­hin wol­len sie auch die Besucher:innen der mehr­di­men­sio­na­len Aus­stel­lung im OK einladen.

stay­in­art: PIXELS erfüllt eine Dop­pel­funk­ti­on. Ihr prä­sen­tiert eure Kunst, zugleich erklärt ihr dabei die digi­ta­le Welt des Block­chain-basier­ten Meta­ver­se, in die euer künst­le­ri­sches Tun ein­ge­bet­tet ist. Bremst oder beflü­gelt euch die­ses Erklä­ren des Mediums?

BERNHARD NESSLER: Defi­ni­tiv Letz­te­res! Weil wir von der Tech­no­lo­gie so begeis­tert sind, reden wir ger­ne und oft über sie, geben auch Work­shops und ver­su­chen die The­men Block­chain, NFT und Meta­ver­se unse­rem Umfeld näher zu brin­gen. Wenn wir das nun auf einem grö­ße­ren Level machen kön­nen, indem wir Kunst her­zei­gen, die einen Lern­ef­fekt birgt, ist das für uns eine super Sache.

Cryp­toWie­ner waren dem NFT-Hype um drei Jah­re vor­aus. Von dir heißt es, du hät­test als ers­ter öster­rei­chi­scher Künst­ler ein Werk tokenisiert.

Ob ich wirk­lich der ers­te Öster­rei­cher bin, der ein NFT auf der Ethe­re­um-Block­chain erstellt hat, lässt sich schwer her­aus­fin­den. Wir suchen noch danach. Ich habe aber schon immer digi­ta­le Kunst für mich selbst gemacht. Als ich sah, dass es eine Tech­no­lo­gie gibt, um digi­ta­le Kunst sam­mel­bar zu machen, war ich hin und weg davon. Es war bis dahin ja unvor­stell­bar, dass man irgend­ein Glit­zer-GIF ver­kau­fen kann.

Wie kam es zu dei­nem frü­hen Auf­grei­fen der Technologie?

Das hat mit mei­nem beruf­li­chen Hin­ter­grund zu tun: Social Media Online Mar­ke­ting. 2018 haben wir uns ange­se­hen, wohin die Rei­se im Inter­net geht. Was wird das nächs­te Ding nach Face­book und Insta­gram? Und das waren »block­chain based social net­works«. Die Cryp­to- und NFT-Welt ist eine Ver­schmel­zung vie­ler Wel­ten. Gami­fi­ca­ti­on ist dabei, genau­so wie ein neu­es Finanz­sys­tem, die Welt wird zur Platt­form. Ich kann 24/7 teil­ha­ben – und da sind ande­re Künstler:innen, die eben­so begeis­tert von dem Space sind und freu­dig kol­la­bo­rie­ren. NFTs sind ja nicht nur Bil­der. Das kann auch Text sein, ein 3D-File, Video, Musik … NFT und Block­chain ist nur ein neu­es Medi­um, wie Papier oder Lein­wand oder ein Mar­mor­block, wo ich mei­ne Kunst damit for­me, rauf­pap­pe oder reinmeißle.

Fotos: Cryp­toWie­ner

Ihr setzt als Cryp­toWie­ner auf das Wienerische.

Wir woll­ten Wien und sei­ne Kul­tur auf die Block­chain brin­gen. Nicht nur durch unse­re Bil­der, son­dern auch inner­halb ande­rer Pro­jek­te wie ETH-Words, einer Art Buch­sta­ben­bau­satz, um Wör­ter zu bil­den. Unser Ansporn war, Begrif­fe wie »Oida«, »Schnit­zel« oder »Karls­platz« unter­zu­brin­gen. Um zu doku­men­tie­ren: Schon zur Höh­len­ma­le­rei­zeit der Kryp­to­kunst hat jemand aus Wien mitgemacht.

Ihr pflegt den digi­ta­len Wie­ner Schmäh mit grob­pi­xe­li­gen Figu­ren und Moti­ven. Micha­el Häu­pl, Dag­mar Kol­lar und Toni Pols­ter sind dabei, genau­so wie die Stra­ßen­bahn und das Rie­sen­rad im Pra­ter. Obwohl sehr eigen, sind The­men und Ästhe­tik nah an dem Popu­lä­ren, das seit NFTs bei digi­ta­ler Kunst häu­fig fest­zu­stel­len ist.

Das ist meist der ers­te Kri­tik­punkt. Was als NFTs ver­kauft wird, sei kei­ne Kunst. Ich ver­bu­che das als Genera­tio­nen­wech­sel. Wir sind mit bun­ten GIF-Bil­dern und Fla­cker-Blit­zer-Memes im Inter­net auf­ge­wach­sen. Weil wir das vor Augen hat­ten, ver­wen­det und geteilt haben, lern­ten wir es lie­ben. Des­we­gen fin­gen wir an, Bil­der zu sam­meln und als Kunst zu sehen, die älte­re Genera­tio­nen viel­leicht nur als Pixel­gu­lasch verstehen.

Fotos: Cryp­toWie­ner

Im OK führt ihr die Besucher:innen ins Meta­ver­se – und lasst sie dort mit Kunst inter­agie­ren, sogar digi­ta­le Kunst erwer­ben. Was ist zu erwarten?

Es gibt einen roten Faden, eine Geschich­te, die dazu ani­mie­ren soll, aktiv mit­zu­ma­chen. Um dabei zu ler­nen, was das Meta­ver­se ist, wie man sich dort bewegt, was man erle­ben kann. Das gilt für das Meta­ver­se Cryp­to­vox­els, das wir als unser Zuhau­se anse­hen. Als ein Meta­ver­se von vie­len. Es wird stän­dig wei­ter­ent­wi­ckelt. Als Künstler:innen blei­ben wir im Lern­mo­dus. Was kön­nen wir den Besucher:innen in Cryp­to­vox­els wie­der Neu­es bie­ten? Als wir 2019 auf die­ses Meta­ver­se stie­ßen, ent­deck­ten es par­al­lel auch ande­re Künstler:innen für sich. Sie bau­ten in einer 3D-Welt eige­ne Kunst­ga­le­rien, die ihre 2D-Port­fo­lio-Web­sites ersetz­ten. Ich kann deren Bil­der nun so erle­ben, als wür­de ich mich wirk­lich durch Gale­rien bewegen.

Setzt das eine Vir­tu­al-Rea­li­ty-Anwen­dung voraus?

Nein, das funk­tio­niert am Smart­pho­ne genau­so wie am Desk­top. Man bewegt sich wie in einem Com­pu­ter­spiel. Am Smart­pho­ne hat man ein Steu­er­kreuz und tippt, um zu gehen, mit einem Fin­ger auf den Bild­schirm. Mit einem zwei­ten Fin­ger lenkt man den Blick. Bei uns wird das Smart­pho­ne zum Por­tal, um zwi­schen der rea­len und der vir­tu­el­len Welt zu sprin­gen. Wir wol­len zei­gen, dass das Meta­ver­se nichts Abs­trak­tes ist – und ver­ständ­lich machen, wie­so wir dar­in ein gro­ßes Poten­zi­al für uns als Indi­vi­du­en und als Gesell­schaft sehen.

Ihr habt als Medi­en­künst­ler zuvor rein digi­tal gear­bei­tet. Nun über­setzt ihr eure vir­tu­el­le Pixel­welt erst­mals in den ana­lo­gen Aus­stel­lungs­raum. Wie geht das?

Wir haben ver­schie­de­ne phy­si­sche Räu­me gestal­tet. Mit 3D-Prints unse­rer Figu­ren und viel Wie­ner Flair. Vom Kaf­fee­haus über den Würs­tel­stand bis zum Fuß­ball­platz. Dort gibt es QR-Codes, die scannst du und steigst in die gespie­gel­ten Räu­me des Meta­ver­se ein, mit dem Kniff, dass wir die phy­si­schen Räu­me mit Web­cam live in das Meta­ver­se über­tra­gen, wäh­rend wir in der ech­ten Welt mit­tels Bea­mer einen Live­stream aus Cryp­to­vox­els auf die Wän­de pro­ji­zie­ren. Als Besucher:in kann man sich also in der rea­len und digi­ta­len Welt gleich­zei­tig sehen. Das ist eine sehr span­nen­de Sache, die nur durch die phy­si­sche Aus­stel­lung funktioniert.

Die OÖLKG unter­hält mit dem Digi­tal Fran­cis­co Caro­li­num seit April 2021 einen eige­nen vir­tu­el­len Stand­ort in Cryp­to­vox­els. Die Block­chain-Tech­no­lo­gie birgt wie­der­um das Poten­zi­al, die Struk­tur des Inter­nets und die Finanz­welt zu ver­än­dern. Was erwar­test du dir von der wei­te­ren Entwicklung?

Das ist ein rie­si­ges Uni­ver­sum, das so viel ver­eint und wo wir noch gar nicht wis­sen, was noch dazu­kommt. Die Block­chain-Tech­no­lo­gie ist erst seit ca. zehn Jah­ren da, NFT gibt es seit fünf Jah­ren auf Ethe­re­um. Das sind kur­ze Zeit­span­nen für Fort­schritt und Mas­sen­ad­ap­ti­on. Vie­le Unter­neh­men aus der alten Welt wür­den ger­ne mit­spie­len, mer­ken aber, dass das nicht geht. Also ver­su­chen sie, bestehen­de Regeln über die neu­en Mög­lich­kei­ten zu stül­pen. Sie wol­len die Tech­no­lo­gie gleich wie­der kaputt hau­en. Wir spie­len dabei aber nicht mit und arbei­ten ein­fach an unse­ren Pro­jek­ten weiter.

Herz­li­chen Dank und viel Erfolg für die Ausstellung.

Der Arti­kel ist in der Print-Aus­ga­be 3.22 REFLECTION erschienen.

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Aktuelle Ausstellung

PIXELS BY CRYPTOWIENER
OK Linz
bis zum 26.02.23
www.ooekultur.at

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