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Willkommen beim XXL – KUNSTMAGAZIN
 

Eine Sammlung für Generationen

Wie aus dem Fördergedanken eine Sammlung für Generationen entsteht -TEIL 1

Mit dem Gedeihen der Wirtschaft und dem gleichzeitig wachsenden Wohlstand in den Jahren nach dem Wiederaufbau, ist zweifellos auch die Erstarkung des Bankenwesens verbunden. Das bereits 1822 – als „Sparkasse Innsbruck“ – gegründete Institut galt als erstes in Tirol, mit der Zielsetzung ausgestattet, sich der Förderung, der Ersparnisbildung und der Vorsorge breiter Bevölkerungsschichten, zu denen auch viele Tiroler Künstler zählten, zu widmen. Sie waren es, die sich und ihre Kunst nach dem Überwinden der „größten“ Not und mit der Einkehr der Normalität im Alltagsleben ihren Stellenwert in der Gesellschaft hart erkämpfen und erneut festigen mussten.

Von politischer Seite ist der Vertreter des Landes Gottfried Hohenauer zu nennen und zu würdigen, der als Kulturlandesrat die prekäre Situation einer am Neubeginn stehenden Kunst erkannte und mit finanziellen Unterstützungsaktionen erste Schritte in eine Kunstentwicklung ermöglichte, die nach der „Blut und Bodenkunst“ der Kriegsjahre den Weg in eine noch nie dagewesene, vorerst mit Entsetzen und Ablehnung begleitete MODERNE einleitete. Mit der Einführung der sogenannten 2% Klausel für öffentliche Bauten8 gelang der Politik zum einen eine finanzielle Unterstützung für Ausbildung und persönliche Existenz der Künstler, zum anderen eine erste Auseinandersetzung mit der Kunst im öffentlichen Raum. Um jene nach 1910 geborenen Künstler wie Gerhild Diesner, Gottfried Fuetsch, Inge Höck, Wilfried Kirschl, Elmar Kopp, Jos Pirkner, Helmut Rehm, Oswald Haller und vor allem Max Weiler (um die Wichtigsten zu nennen) blühten Möglichkeiten auf, die heute interessante kunsthistorische Aspekte erkennen lassen.

Max Weiler, der gerade in Innsbruck mit den Fresken in der Theresienkirche auf der Hungerburg und am Bahnhof tiefstes Entsetzen auslöste, stand möglicher Weise Pate für die Mosaiksäule in der Halle der TIROLER SPARKASSE, die heute erfreulich aber fast unbemerkt, den Wandel unzähliger Umbauten überlebt hat. „Wie eine Landschaft“ nannte Max Weiler sein in die Mauerfläche integriertes Mosaik in der nahe gelegenen Maria-Theresien-Straße. Der einige Jahre jüngere Künstlerkollege RUDOLF KREUZER6, nur wenigen als hervorragender Mosaizist bekannt, konnte sich hier wie auf der Fassade des Rauch-Futter-Gebäudes in Hall ein Denkmal setzen.

Neben der Fülle an Arbeiten, die die Künstler neben Mosaik, Sgrafitto, Glas, und anderen Techniken im öffentlichen Raum hinterlassen haben, spielen die im Wesentlichen viel handlicheren Arbeiten auf Papier oder auf Leinwand eine dementsprechend auch wichtigere Rolle. Die Etablierung von Einrichtungen wie der Tiroler Künstlerschaft, vor allem aber die Gründung der landeseigenen Galerie im Taxis Palais sowie das steigende Interesse an Ausstellungen trugen zur Publizität der inzwischen etablierten Künstler bei. Zug um Zug begann sich in den 60er Jahren bei Banken ein Wettbewerb zu entwickeln, der sich auf Ankäufe von Werken – meist im Modus von Ausstellungen – spezialisierte. Die TIROLER SPARKASSE sah von diesen Praktiken ab und ließ die Sammlung mit Tendenz „Tiroler Kunst der Nachkriegszeit“ im Beirat einer Fachjury ausrichteten und im Laufe der Zeit zu einem beachtlichen Ausmaß anwachsen. Die vorbildliche Bestandsaufnahme sowie die fachgerechte Archivierung jener Arbeiten, die nicht in den Büroräumen öffentlich ausgestellt und zugänglich sind, erfolgten zwischen 2004 und 2008.

Mit dem Motto „Kunst ist unser aller Gut und Erbe. Kunst übermittelt Werte und Gefühle und dient als Medium, um auszudrücken, was Sprache nicht beschreiben kann“ (Peter Tiefenthaler) verfolgt die junge Generation der Mitarbeiter der Tiroler Sparkasse eine Öffnung nach außen und ein Miteinbeziehen ihrer Kunden in einen bisher nicht publizierten Sammelprozess. Das Vorhaben der „Öffnung nach außen“ wird abschnittsweise in Form von Veröffentlichungen und Abbildungen in der Kunstzeitschrift „MILIONART“ erfolgen – ein Kunstmagazin der besonderen Art – dessen Bestehen der Tiroler Sparkasse und im Besonderen der Abteilung PRIVATE BANKING am Herzen liegt. Im Wissen, um die Begeisterung mancher Stammkunden, sich um Kunst und spannende Kunstbeiträge zu interessieren, soll der erste Versuch mit diesem Projekt gestartet werden:

PAUL FLORA7 zählt wie WILFRIED KIRSCHL 2/5 zu den wohl bedeutendsten – man könnte fast sagen – „Institutionen“ des Landes. Letzterer als hervorragender Kunstpublizist, Kunstmanager und Förderer und selbst Künstler bekannt, revolutionierte gemeinsam mit Gerhild Diesner den künstlerischen Boden Tirols. Der Weg über das Französische Kulturinstitut ebnete den beiden die Begegnung mit der französischen Avantgarde. Mit Landschaften und Stillleben bleibt Kirschl in der Wahl seiner Sujets treu. Im Reduzieren auf geometrische Grundformen gelingen ihm sowohl im Thematisieren alltäglicher Gegenstände wie im Einfangen südlicher Impressionen ganz besondere und unverkennbare Momentaufnahmen, die immer mit Eleganz, kultivierter Disziplin und einem ungewöhnlichen Raffinement, die Farbe betreffend, einhergehen. Wenn kein geringerer als Erich Kästner seinem Freund PAUL FLORA bescheinigte, dass er „das unbeschriebene weiße, unverletzte Weiß aufs effektvollste mitwirken lasse“, kann man ihm viele Jahre später nur beipflichten. Floras „spitze Feder“, seine Stifte oder auch seine Radiernadel bewegen sich in einem Metier zwischen kühler Linearität und abgestuftem Nuancieren von Grautönen. In den erzielten Kontrastwirkungen findet er ein Mittel der Verlebendigung,das der Zeichensprache etwas Malerisches abringt. Seine phantastischen, realitätsbezogenen, kritischen oft auch kuriosen Mitteilungen seiner Gedanken bezeugten jahrzehntelang, wie viel Freude er seinen Bildschöpfungen angedeihen ließ. Farblich dezent bewegen sich die zeitgenössischen Künstler MAURIZIO BONATO4 und VERONIKA GERBER3. Letztere in der Wahl ihrer Sujets auf das Stillleben konzentriert, zeigt sie sich hier in einer der früheren Arbeiten von einer sehr poetisch-erzählerischen Seite. Das Dingfestmachen ganz „normaler Dinge“ steht im krassen Gegensatz zur künstlerischen Umsetzung fernöstlicher philosophischer Ansätze, die Bonato in seiner fast meditativ wirkenden „HUANGHE“- Gelber Fluss Impression von 1989 thematisiert.

Zu den relativ wenigen plastischen Werken, die im Bestand der Sammlung sind, zählt die 68 cm große Bronzeplastik aus dem „Metamorphosen Zyklus“ Figur I, aus dem Jahr 1991 von GEORG LOEWIT.1 Der als Goldschmied, Maler und vor allem als Bildhauer im öffentlichen Raum häufig anzutreffende Künstler, scheint seiner grün patinierten, am Weg in die Abstraktion gestalteten menschlichen Figur Arme angedeihen zu lassen, die mittels eigener Kraft zur Veränderung und Umwandlung ansetzen und in seinen späteren „Wächterfiguren“ eine logische Fortsetzung findet.

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geschrieben von

Studium der Kunstgeschichte in Innsbruck. Philosophische Dissertation über die Geschichte der Tiroler Glasmalerei- und Mosaikanstalt und deren Mosaike im Stadtgebiet von Innsbruck. Kurzzeitige Mitarbeit am Tiroler Kunstkataster. Als Ausstellungskuratorin und Autorin von Kunstmonografien und zahlreichen kunstpublizistischen Beiträgen u.a. für Ausstellungskataloge tätig.

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