The Cindy Sherman Effect

Die Aus­stel­lung im Kunst­fo­rum Wien behan­delt mit den The­men Iden­ti­tät, deren Kon­struk­ti­on und For­men ihrer Trans­for­ma­ti­on zen­tra­le Fra­ge­stel­lun­gen der zeit­ge­nös­si­schen Kunst und Gesell­schaft. Neue Tech­no­lo­gien, wie das Inter­net, Gen­ma­ni­pu­la­ti­on oder Klo­nen, geben ver­mehrt Anlass dazu, über den Begriff Iden­ti­tät im Sinn von Sub­jekt­ge­ne­rie­rung und ‑defi­ni­ti­on nach­zu­den­ken.

Aus­ge­hend von Cin­dy Sher­mans Werk, das gekenn­zeich­net ist von einer kon­se­quen­ten und kri­tisch bis pro­vo­ka­ti­ven Hin­ter­fra­gung der Kon­struk­ti­on von Iden­ti­tä­ten, und des­sen Bild­wel­ten sich aus der über­wäl­ti­gen­den Bil­der­flut von Fern­se­hen, Fil­men, Maga­zi­nen, dem World Wide Web und der Kunst­ge­schich­te spei­sen, wird in Form von Gegen­über­stel­lun­gen von Wer­ken Cin­dy Sher­mans und zeit­ge­nös­si­schen Künst­le­rin­nen und Künst­lern The­men wie Dekon­struk­ti­on des Por­traits sowie kul­tu­rel­ler, geschlech­ter­spe­zi­fi­scher und sexu­el­ler Ste­reo­ty­pen sowie Kon­struk­ti­on und Fik­ti­on von Iden­ti­tät unter­sucht.

Sher­mans Cha­rak­te­re spie­geln unse­re zeit­ge­nös­si­sche Kul­tur mit ihren Self­made-Berühmt­hei­ten, den Rea­li­ty­shows und dem Social-Media-Nar­ziss­mus wider. Die Künst­le­rin zeigt mit ihrer gro­ßen Band­brei­te an Sze­na­ri­en, dass die Künst­lich­kei­ten sol­cher Iden­ti­tä­ten, die oft­mals erst durch die Dar­stel­lung – etwa in Film und Foto­gra­fie – ent­ste­hen, dazu füh­ren, dass Iden­ti­tät mehr denn je wähl­bar, (selbst-)konstruiert und nach Bedarf form­bar, aber doch von gesell­schaft­li­chen Nor­men deter­mi­niert ist. Zugleich wer­den die neu­en Mög­lich­kei­ten des heu­ti­gen Indi­vi­du­ums sich selbst neu zu erschaf­fen, mit sub­ti­len Mit­teln kri­tisch hin­ter­fragt.

Die The­ma­ti­sie­rung von Iden­ti­tät, Selbst­bild­nis, Rol­len­spiel und Sexua­li­tät fand vor­wie­gend durch Künst­le­rin­nen der 1960er- und 1970er-Jah­re im Zuge der Frau­en­be­we­gung Ein­gang in die Kunst. Sowohl in der Gesell­schaft als auch in der Kunst ereig­ne­te sich in den spä­ten 1960er-Jah­ren eine tief­grei­fen­de Umwäl­zung gesell­schaft­li­cher Nor­men und kul­tu­rel­ler Gewiss­hei­ten. Die sich im Zuge die­ser Ereig­nis­se ankün­di­gen­de Auf­lö­sung der bis­he­ri­gen Nor­men und Kate­go­rien – sei es weib­li­cher, männ­li­cher, quee­rer Iden­ti­tä­ten – kre­ierte Frei­räu­me zur Erschaf­fung neu­er Model­le abseits der bis­her gül­ti­gen Nor­men.

Die­ser Pro­zess, der maß­geb­lich auf media­ler Ebe­ne beglei­tet wur­de und wird, ermög­licht es zahl­rei­chen Künst­le­rin­nen und Künst­lern neue Model­le von Iden­ti­tät zu schaf­fen, die Trans­for­ma­ti­on der Geschlech­ter zu the­ma­ti­sie­ren und auf sozia­le und poli­ti­sche Her­aus­for­de­run­gen zu reagie­ren. Bevor­zug­tes Aus­drucks­mit­tel wur­den die ver­gleichs­wei­se jun­gen Medi­en Foto­gra­fie, Film und Video­kunst.

Cin­dy Sher­man, Iko­ne der Kunst­ge­schich­te seit den 1980er-Jah­ren, demons­triert bereits mit ihrer ers­ten bedeu­ten­den Serie „Unti­t­led Film Stills“ (1977–1980) den Bruch zwi­schen authen­ti­scher Selbst­dar­stel­lung und Insze­nie­rung, indem sie die Betrach­ten­den mit dem Para­dox einer Ver­wei­ge­rungs­stra­te­gie kon­fron­tiert. So inspi­riert Sher­man nach­fol­gen­de Genera­tio­nen dazu, die The­ma­tik Iden­ti­tät und Trans­for­ma­ti­on in diver­sen Medi­en zu erkun­den, ohne jedoch selbst ein­mal die erar­bei­te­ten künst­le­ri­schen Ver­fah­rens­wei­sen zu ver­än­dern.

Die Aus­stel­lung „The Cin­dy Sher­man Effect. Iden­ti­tät und Trans­for­ma­ti­on in der zeit­ge­nös­si­schen Kunst“ the­ma­ti­siert in ers­ter Linie die Per­spek­ti­ven, die Cin­dy Sher­man nach­fol­gen­den Genera­tio­nen von Künst­le­rin­nen und Künst­lern durch ihre Demas­kie­rungs­stra­te­gien eröff­ne­te, indem sie mit ihrem Spiel der Dar­stel­lung von gesell­schaft­li­chen Bil­dern und Kli­schees Frei­räu­me schuf, die nach­fol­gen­de Posi­tio­nen nutz­ten, um die Hin­ter­fra­gung von Iden­ti­tät in künst­le­ri­scher, gesell­schaft­li­cher und poli­ti­scher Hin­sicht vor­an­zu­trei­ben.

Teilnehmende Künstlerinnen und Künstler: Monica Bonvicini, Candice Breitz, Sophie Calle, Samuel Fosso, Douglas Gordon, Martine Gutierrez, Elke Silvia Krystufek, Sarah Lucas, Maleonn, Zanele Muholi, Catherine Opie, Pipilotti Rist, Julian Rosefeldt, Markus Schinwald, Eva Schlegel, Tejal Shah, Cindy Sherman, Fiona Tan, Ryan Trecartin, Wu Tsang, Gavin Turk, Gillian Wearing

The Cin­dy Sher­man Effect
Iden­ti­tät und Trans­for­ma­ti­on in der zeit­ge­nös­si­schen Kunst
29.01. – 21.06.2020
www.kunstforumwien.at

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