Graphic Recording ist mehr als schnell Zeichnen

MARKUS ENGELBERGER IST SCHÖPFER DER BEZEICHNUNG VISUAL CATALYST. VISUAL STEHT DABEI FÜR DIE NUTZUNG DES POTENZIALS VON PHYSISCHEM UND GEISTIGEM AUGE. „ES GEHT UM DEN GESAMTEN PROZESS VON SEHEN, VERARBEITEN UND VERSTEHEN“, SO ENGELBERGER. CATALYST STEHT FÜR EINEN AGENTEN DES WANDELS. EINE PERSON, DIE DURCH IHRE INTERVENTIONEN POSITIVE VERÄNDERUNG BEGÜNSTIGEN, AUSLÖSEN UND UNTERSTÜTZEN KANN.

In der Visua­li­sie­rungs­sze­ne ist Mar­kus Engel­ber­ger als Pio­nier und Inno­va­tor bekannt. Eini­ge der bedeu­tends­ten Den­ke­rIn­nen und Gestal­te­rIn­nen unse­rer Zeit aus Wirt­schaft, Poli­tik und Aca­de­mia ver­trau­en auf sei­ne Kom­pe­ten­zen als Visu­al Cata­lyst. In einem exklu­si­ven Inter­view ver­rät uns Mar­kus Engel­ber­ger, was Gra­phic Record­ing eigent­lich genau ist, wie man dazu kommt, die­sen Beruf zu ergrei­fen, und war­um ein guter Gra­phic Recor­der mehr kön­nen muss als „nur“ zu zeichnen.

Mar­kus Engel­ber­ger: Visu­al Cata­lyst & Crea­ti­vi­ty Enabler

Alle mensch­li­chen Wesen ver­fü­gen über das Poten­zi­al als Visu­al Thin­ker. Zu sehen hilft uns nun mal zu begrei­fen, zu verstehen. 

Herr Engel­ber­ger, wie kön­nen sich unse­re Lese­rIn­nen Ihre Arbeit genau vorstellen?

Mein Job als Gra­phic Recor­der ist es, in Echt­zeit Dia­lo­ge, Ideen und Wis­sen sicht­bar zu machen. Dazu muss ich ein genau­er Beob­ach­ter, neu­gie­rig Hin­ter­fra­gen­der, empa­thi­scher Zuhö­rer, schar­fer Den­ker mit fach­li­chem Ver­ständ­nis und sau­schnel­ler Umset­zer (Zeich­ner) sein. Das Zeich­nen ist eines von vie­len Ele­men­ten im krea­ti­ven Pro­zess. Das Wort „Inno­va­ti­on“ zu hören und eine Glüh­bir­ne zu zeich­nen, reicht nicht aus.

Das kann eine Maschi­ne auch. Durch mei­ne Aus­bil­dung und reich­hal­ti­gen Erfah­run­gen brin­ge ich, zusätz­lich zur Fähig­keit zur raschen gra­phi­schen Umset­zung, ein tief­grei­fen­des Ver­ständ­nis für die Beglei­tung orga­ni­sa­to­ri­scher Lern­pro­zes­se mit. Wei­ters ist fach­lich-inhalt­li­ches Ver­ständ­nis für die kom­ple­xen The­men, die mei­ne Kun­den bewe­gen, not­wen­dig, um tref­fen­de Bil­der zu erzeu­gen. Ich bin dabei sel­ten selbst Exper­te zum The­ma. Das sind die Men­schen, die tag­täg­lich mit den The­men zu tun haben. Aber ich bin Exper­te für Beglei­tung von Ent­wick­lung, Trans­for­ma­ti­on und Krea­ti­vi­tät. Visua­li­sie­run­gen sind mein Werk­zeug, mit dem ich die­se Pro­zes­se unterstütze.

Ich begin­ne zu ver­ste­hen, war­um Sie sagen, dass Gra­phic Record­ing mehr als Zeich­nen ist…

Genau, es steckt viel mehr dahin­ter. Gra­phic Record­ing ist übri­gens auch nicht gleich Gra­phic Record­ing. Die Anwen­dungs­mög­lich­kei­ten der Metho­de sind, eben­so wie die Bil­der, die dabei ent­ste­hen kön­nen, mehr als viel­fäl­tig. Es macht einen Unter­schied, ob ich auf einer gro­ßen Kon­fe­renz vor Hun­der­ten von Men­schen die Kern­aus­sa­gen von Key-Note-Spea­kern und Panels ein­fan­ge, oder ob ich in einem inti­men Set­ting mit z.B. drei Vor­stän­den eines Kon­zerns arbei­te, die mei­ne Bil­der nut­zen, um eine neue Stra­te­gie zu erar­bei­ten und die­se auf leicht ver­ständ­li­che Art und Wei­se zu kommunizieren.

Egal ob Mee­ting­raum oder Kon­fe­renz, durch den Pro­zess aus genau­em Zuhö­ren, Beob­ach­ten, Hin­spü­ren und dem Kon­den­sie­ren von Inhal­ten gie­ße ich im Lau­fe einer Ver­an­stal­tung oder eines Mee­tings ver­ba­li­sier­te Inhal­te sowie non-ver­ba­le Ebe­nen in Geschich­ten und Bil­der. Am Ende des Tages ent­steht ein Wort-Bild-Pro­to­koll, das die wesent­lichs­ten Inhal­te eines oder gar meh­re­rer Tage beinhal­tet und über­dies Erleb­nis­se und Erfah­run­gen der Teil­neh­me­rIn­nen fest­hält. Als erfri­schen­des Gegen­ge­wicht zur digi­ta­len Welt, in der wir leben, set­zen Kun­den oft auf ana­lo­ge Inspi­ra­ti­ons­stein­brü­che, Wis­sens­land­schaf­ten und Stra­te­gie­bil­der. Natür­lich arbei­te ich, situa­ti­ons­be­zo­gen, auch digital.

Wer nimmt Ihre Diens­te vor­wie­gend in Anspruch?

Alle mensch­li­chen Wesen ver­fü­gen über das Poten­zi­al als Visu­al Thin­ker. Zu sehen hilft uns nun mal zu begrei­fen, zu ver­ste­hen. Durch mei­nen Bei­trag eröff­ne ich eine zusätz­li­che Ebe­ne der Aus­ein­an­der­set­zung und des Ver­ständ­nis­ses. Des­we­gen erzeugt mei­ne Arbeit auch in so vie­len unter­schied­li­chen Set­tings Sinn. Aktiv bin ich für inno­va­ti­ve Orga­ni­sa­tio­nen auf der gan­zen Welt. Von Ugan­da bis Lett­land und von Dubai bis Alp­bach in Tirol. Dadurch ler­ne ich selbst stän­dig Neu­es, das ich wie­der­um in mei­ne Pra­xis ein­flie­ßen las­se. Etwa 20% mei­ner Arbeits­zeit ent­fällt auf Gra­phic Record­ing für Ver­an­stal­tun­gen. 80% mei­ner Arbeit fin­det hin­ter ver­schlos­se­nen Türen statt. Über­all dort, wo ich vor­ran­gig als Unter­stüt­zer und Beglei­ter von Kommunikations‑, Reflexions‑, Kreativitäts‑, Innovations‑, Ent­wick­lungs- und Trans­for­ma­ti­ons­pro­zes­sen gebucht werde.

Wie wird man zum Gra­phic Recorder?

Am bes­ten Sie las­sen sich in der von mir gegrün­de­ten „Wie­ner Schu­le der visu­el­len Kom­mu­ni­ka­ti­on“ dazu befä­hi­gen, die­sen Beruf zu ergrei­fen (zwin­kert). Nein, Spaß bei­sei­te. Den einen Weg gibt es nicht. Man­che Per­so­nen kom­men, so wie ich, aus der Arbeit mit Men­schen und ler­nen ihre natur­ge­ge­be­nen Visua­li­sie­rungs­kom­pe­ten­zen zu nut­zen. Ande­re sind aus­ge­bil­de­te Illus­tra­to­ren oder Desi­gner und ver­ste­hen bereits, dass Visua­li­sie­run­gen nütz­li­che Kom­mu­ni­ka­ti­ons­werk­zeu­ge sind. Neu sind für Sie die Geschwin­dig­keit beim Live-Zeich­nen, die The­men, die Orga­ni­sa­tio­nen der­zeit bewe­gen, und vor allem die direk­te Inter­ak­ti­on mit den Menschen.

Wie genau kamen Sie zu die­sem Beruf?

Ich bin ein gelern­ter Faci­li­ta­tor. Bereits seit mehr als 17 Jah­ren beglei­te und unter­stüt­ze ich Indi­vi­du­en, Grup­pen, Teams und Orga­ni­sa­tio­nen in deren Lern- und Ent­wick­lungs­pro­zes­sen. Da uns ein Bild mehr sagt als 1000 Wor­te, habe ich immer schon visu­el­le Hilfs­mit­tel zusätz­lich zu Wort, Schrift, Zah­len und non­ver­ba­ler For­men der Kom­mu­ni­ka­ti­on ein­ge­setzt, um Dia­log­pro­zes­se und Krea­ti­vi­tät zu unter­stüt­zen. Es war nie mein Plan, Visu­al Faci­li­ta­tor oder Gra­phic Recor­der zu wer­den. Da ich jedoch die Über­zeu­gung ver­tre­te, dass man das Leben nur vor­wärts leben und dann rück­wärts ver­ste­hen kann, pro­bie­re ich ein­fach vie­les aus. Durch mei­ne Neu­gier bin ich auch zufäl­lig auf das − bei uns in Euro­pa gera­de ent­ste­hen­de − Berufs­feld „Visu­al Faci­li­ta­ti­on“ gesto­ßen. End­lich hat­te ich eine Bezeich­nung für das gefun­den, was ich ohne­hin schon immer tat.

Seit etwa 4 Jah­ren bin ich zusätz­lich welt­weit als Gra­phic Recor­der im Ein­satz. Der Unter­schied zwi­schen den bei­den Bezeich­nun­gen besteht im Übri­gen dar­in, dass man sich beim „Recor­den“, wie der Name sagt, rein auf die Doku­men­ta­ti­on kon­zen­triert. Visu­al Faci­li­ta­ti­on meint die akti­ve Anlei­tung und Mode­ra­ti­on von Grup­pen­pro­zes­sen, unter­stützt durch vor­be­rei­te­te oder in Echt­zeit ent­ste­hen­de Visua­li­sie­run­gen. Nur ganz weni­ge Men­schen in Euro­pa beherr­schen die Beid­hän­dig­keit, die die­se Königs­dis­zi­plin erfor­dert. Meist arbei­ten Faci­li­ta­to­ren und Gra­phic Recor­der zusam­men. Ich bezeich­ne mich, wie gesagt, am liebs­ten als Visu­al Cata­lyst, da die­ser Titel am bes­ten die Viel­falt mei­ner Tätig­kei­ten, in denen es mir ja immer dar­um geht, posi­ti­ven Wan­del zu unter­stüt­zen, beschreibt.

MARKUS ENGELBERGER
Gebo­ren 1986 in Wien, ist Mar­kus Engel­ber­ger der ers­te Visu­al Cata­lyst der Welt. Die­se selbst erfun­de­ne Berufs­be­zeich­nung beschreibt die Schnitt­men­ge der Viel­falt all sei­ner Talen­te und Fähig­kei­ten, die er ein­setzt, um als Gra­phic Recor­der, Visu­al Faci­li­ta­tor, Sketch­noter, Visua­li­sie­rungs­trai­ner, Orga­ni­sa­ti­ons­ent­wick­ler, Entre­pre­neurs­hip-Exper­te, Design Thin­ker, Mode­ra­tor, Key-Note-Spea­ker und Spar­ring­part­ner für Füh­rungs­kräf­te Mehr­wert für sei­ne Kun­dIn­nen zu erzeu­gen. Mehr über ihn erfah­ren Sie unter www.itsme-foryou.at

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