4.20 Highspeed

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Größe: 389 × 275 mm

Die Neugier, die uns antreibt

Die Geschwindigkeit ist eine der wichtigsten Errungenschaften der Menschheit. Gefühlt wird der Alltag immer schneller. Geschwindigkeit ist ein Qualitätsmerkmal. Schnelligkeit wird gleichgesetzt mit Effizienz. Dabei ist Zeit und damit Geschwindigkeit eine für den Menschen schwer fassbare Dimension. Jonathan Schippers Installation „Slow Inevitable Death of American Muscle“ verdeutlicht das: Mit einer Geschwindigkeit von nur einem Millimeter pro Stunde lässt der amerikanische Künstler zwei Autos in einem simulierten Frontalzusammenstoß aufeinander „crashen“. Diese Bewegung zu erahnen, ist für den*die Betrachter*in nahezu unmöglich. Effizienz kann im 21. Jahrhundert eben nicht mehr auf Pferdestärken reduziert werden, sondern viel mehr sind individuelle flexible Lösungen, emissionsloser Antrieb und dynamische Beschleunigung das Maß aller Dinge. Erst die Erfindung der Uhr im 13. Jahrhundert machte eine genauere Organisation von Zeit überhaupt möglich. Mit der Taschenuhr (Nürnberger Ei) um 1510 von Peter Henlein wird die Zeit dann jedem*jeder zugänglich. Sie ist exakt ablesbar und der Tag wird
in seine Stunden, Minuten und Sekunden teilbar, also planbar. Davor richtete sich der Tagesverlauf editorial nach dem Stand der Sonne. „Kein Tag kommt wieder – keine Nacht“, schrieb die Literatur Nobelpreisträgerin Wislawa Szymborska in ihrem Gedicht: Nichts geschieht ein zweites Mal. Das ist ein entscheidender Satz.

Zeit ist ein kostbares Gut. Warum wollen wir sie also beschleunigen, sollten wir sie nicht eher verlangsamen? Kann die Kunst Hilfestellungen entwickeln, um die Zeit und damit die Geschwindigkeit darstellbar zu machen? Kann Kunst be- oder entschleunigen, oder beides zugleich?

Jean Tinguely setzte 1954 seine Skulpturen erstmals in Bewegung. Ab Ende der 1970er-Jahre wurde das Element Wasser in seinem Werk immer wichtiger und in seinem Spätwerk ergänzte er es um den Faktor Licht. Bewegung, Wasser, Licht – spannende Elemente, die zahlreiche Gegenwartskünstler*innen als Ausdrucksmittel nutzen. Der Physiker Arthur Zajonc bringt es auf den Punkt: „Sobald wir gelernt haben, das Licht zu sehen, könnte sich alles andere von selbst ergeben.“ Wann wird es so weit sein? Sind wir schon nahe dran? Während die Futurist*innen Anfang des 20. Jahrhunderts, wie Giacomo Balla, die durch neue Technik entstandene erhöhte Geschwindigkeit noch auf Gemälden verherrlichten („Espansione dinamica e velocità“, 1913), ist die Kunst Anfang des 21. Jahrhunderts hier schon an einem anderen Punkt angelangt. Welche Rolle spielen Zeit, Geschwindigkeit und Raum, wenn wir uns unter Umständen mit der Unendlichkeit beschäftigen? Christoph Diedrichs verfasste ein ganzes Buch über William Turners „Regen, Dampf und Geschwindigkeit.“ Der Titel lautet: Wie schnell ist Kunst? Die Beschleunigung und Entschleunigung unserer Gegenwart und Zukunft betrifft alle, und nicht nur die Kunst kann dazu wunderbare Denkanstöße liefern. Wenn es der Menschheit je gelingen wird, die Geschwindigkeit des Lichts zu sehen, was kommt dann? Eines ist allen Protagonist*innen dieser Ausgabe gemeinsam – sowohl jenen, die beschleunigen, als auch jenen, die verlangsamen, jene, die Künstler*innen, Sammler*innen, Wissenschaftler*innen,