- Regulärer Preis
- €19,99
- Angebotspreis
- €19,99
- Regulärer Preis
- €19,99
- Stückpreis
- pro
Mit narratief präsentiert die Galerie Urs Meile erstmals das Zürcher Künstlerduo Wiedemann/Mettler an der Rämistrasse – und schafft einen Raum, in dem Erzählen nicht als abgeschlossene Handlung erscheint, sondern als fragiler, tastender Zustand.
Bereits der bewusst falsch geschriebene Titel verweigert Eindeutigkeit. narratief steht für das Erzählen als fortlaufende Suche, als Prozess ohne festes Ziel. Die Ausstellung entfaltet keine linearen Geschichten, sondern atmosphärische Felder: Spuren, Übergänge, Momente kurz vor oder nach einem Ereignis. Es sind Bilder, die entstehen lassen.
Im Dialog stehen zwei Werkgruppen, die unterschiedlicher kaum sein könnten und gerade darin ihre Spannung entfalten. Die Samtarbeiten ragen volumig in den Raum, absorbieren Licht, fordern Körperlichkeit ein. Der Stoff wirkt warm, nah, beinahe schützend – zugleich unterbrochen durch gebleichte Partien, die wie Nachbilder, Abdrücke oder negative Filmspuren erscheinen. Sie stören die Oberfläche, brechen die sinnliche Geschlossenheit auf und öffnen sie in Richtung Erinnerung.
Dem gegenüber stehen die konstruierten Fotografien. Kühl, präzise, lichtreflektierend zeigen sie Räume, die weniger Orte als Zustände sind. Korridore, Ecken, Übergänge – architektonische Schwellen, die ein kurzes Zögern provozieren. Erst im zweiten Blick erschließt sich ihre Körperlichkeit, ihre Spannung zwischen Realität und Imagination. Es sind Bilder, die wirken, als sei etwas gerade geschehen – oder stünde unmittelbar bevor.
Beide Werkgruppen formulieren unterschiedliche Ideen von Innenräumen. Während die Fotografien Räume über den Blick konstruieren, erschaffen die Samtarbeiten Innenräume auf emotionaler, beinahe körperlicher Ebene. Nähe und Distanz, Wärme und Kühle, Berührung und Beobachtung bilden ein sensibles Geflecht, das sich nicht auflöst, sondern offen bleibt.
Auch die Titel – The Soft Boundary, Quiet Invitation – funktionieren weniger als Beschreibungen denn als poetische Anstöße. Sie sind mögliche Anfänge, Gedankenfragmente, imaginäre Überschriften. Hinweise darauf, wie man sich den Werken annähern könnte – physisch wie psychologisch. In dieser Offenheit erinnert narratief an das poetische Bilddenken des französischen Philosophen Gaston Bachelard, für den Räume zu Resonanzkörpern der Imagination werden.
Seit 2002 arbeiten Wiedemann und Mettler als Duo, ihr künstlerischer Prozess ist dialogisch, reaktiv, durchdrungen von Übersetzung und gegenseitiger Beeinflussung. Mettlers Fotografien bieten assoziative Ausgangspunkte, auf die Wiedemann mit emotional verdichteten, materiell präsenten Arbeiten antwortet. Kein Werk steht für sich allein – alles ist auf Beziehung angelegt. Für stayinart ist diese Ausstellung auch eine Rückbegegnung: Bereits 2021 haben wir mit Wiedemann/Mettler ein ausführliches Gespräch geführt und in unserer Ausgabe CONNECTEDNESS publiziert. Damals sagte das Duo: „Ein sehr treibendes Element in unserem Schaffensprozess ist die Lust. Wir müssen uns nach niemandem richten, sondern dürfen unserer Lust folgen.“ Dieser Zugang ist auch heute, fünf Jahre später, spürbar. narratief wirkt frei, souverän und innerlich geführt. Eine Ausstellung zum Verweilen und zum genauen Hinsehen.
Narratief
Wiedemann/Mettler
Galerie Urs Meile
Rämistrasse, Zürich
Ausstellungsdauer:
22. Januar – 21. März 2026